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„Westringkaskade“ bringt Fernwasser auf Felder im Thüringer Becken

Die Thüringer Fernwasserversorgung (TFW) plant die Inbetriebnahme einer 45 km langen Versorgungsleitung zum Bewässern von Ackerflächen im Thüringer Becken. Die neue Leitung soll ab 2020 Brauchwasser aus Talsperren im Thüringer Wald in die Region bringen.

von | 08.08.18

Wasserstrom aus Talsperren im Thüringer Wald soll ab 2020 Landwirte entlasten.

„Der Klimawandel mit seinen Extremwettern wird die Landwirtschaft besonders hart treffen. Die Tragik ist, dass die industrialisierte Agrarwirtschaft hier Verursacher und Leidtragender zugleich ist“, sagte Umweltstaatssekretär Olaf Möller am 2. August 2018 in Erfurt.
„Unsere Klimadaten bestätigen die aktuelle Gefühlslage vieler Menschen. Wir brauchen einen neuen Klimarealismus. Wir müssen aktiv werden, um die Folgen der Klimakrise abzumildern“, so Möller weiter.
Nach Prognosen der Thüringer Klimaagentur wird die natürliche Versorgung mit Wasser bis zum Ende des Jahrhunderts deutlich verschlechtern. Insbesondere im Thüringer Becken wird sich die klimatische Wasserbilanz in der Vegetationsperiode erheblich verschlechtern. Ein Grund dafür ist die bemerkbar längere Vegetationsphase. Bis zum Ende des Jahrhunderts wird ihre Dauer auf bis zu elf Monate im Jahr anwachsen. Im Referenzzeitraum 1961 bis 1990 liegt sie bei nur 265 Tagen, also rund neun Monaten.

Die neue Leitung

Ausgangspunkt der neuen Leitung werden die Talsperren „Tambach-Dietharz“ und „Schmalwasser“, beide im Eigentum der TFW. Auf dem Weg bis zur Einleitung in die Gera im Erfurter Norden überwindet das Wasser 293 Höhenmeter und passiert dabei zwei Wasserkraftanlagen sowie zwei Hochbehälter. Der Bedarf an Brauchwasser in der Landwirtschaft entlang der Strecke liegt nach Berechnungen der TFW bei ca. 1,75 Mio. Kubikmeter pro Jahr. Beide Talsperren bieten dagegen 16,1 Mio. Kubikmeter verfügbare Wassermenge. In Spitzenzeiten könnten bis zu 680 Liter pro Sekunde zu Tal strömen.
Noch in diesem Jahr soll das Genehmigungsverfahren für die Westringkaskade abgeschlossen werden. Der erste Spatenstich könnte bereits Ende des Jahres erfolgen. Insgesamt investiert die TFW rund ca. 6 Mio. Euro in das Großprojekt.

Novellierung des TFW Gesetzes

Das Großprojekt ist Fingerzeig auf eine grundlegende Erweiterung der Geschäftsfelder des größten Thüringer Wasserversorgers. Zukünftig will die TFW auch auf erneuerbare Energien, etwa den Bau von Windkraft- und Solaranlagen, sowie den Tourismus setzen. Dafür wird das Thüringer Umweltministerium die Novelle des TFW-Gesetzes auf den Weg bringen.

Hintergrund

Seit über 10 Jahren ist die Thüringer Fernwasserversorgung für Bau und Betrieb von Talsperren, die Wasserbereitstellung sowie Energieerzeugung tätig. Insgesamt 65 Stauanlagen dienen neben der Trinkwasserversorgung dem Hochwasserschutz oder der Brauchwasserbereitstellung.
45 % des Trinkwasserbedarfs werden im Freistaat aus Wasser der Talsperren Leibis/Lichte, Ohra, Schönbrunn, Scheibe-Alsbach und Neustadt gedeckt. Nachdem das Rohwasser die zwei eigenen Trinkwasseraufbereitungsanlagen in Luisenthal und Zeigerheim verlassen hat, gelangt es über ein rund 551 km langes Rohrleitungsnetz zu den örtlichen Wasserversorgern.
 Quelle: Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz

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