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Neue Ideen, um Mikroplastik in Seen zu reduzieren

Am 26. September fand in Rom die Konferenz zur Vorstellung der Ergebnisse von „LIFE Blue Lakes“ statt, einem von der Europäischen Kommission finanzierten italienisch-deutschen Projekt. Ziel des Projekts ist es, Mikroplastik in Seen zu vermeiden und zu reduzieren.

von | 10.10.23

Die Erarbeitung von wissenschaftlichen Protokollen für die Probenahme und Analyse von Mikroplastik in Seen, Trinkwasser- und Kläranlagen war ein zentrales Ziel des Projekts.
Quelle:Pixabay/ strikers

10. Oktober 2023 Ι Am 26. September fand in Rom die Konferenz zur Vorstellung der Ergebnisse von „LIFE Blue Lakes“ statt, einem von der Europäischen Kommission finanzierten italienisch-deutschen Projekt. Ziel des Projekts ist es, Mikroplastik in Seen zu vermeiden und zu reduzieren.

Wie hoch ist die Belastung durch Mikroplastik wirklich?

Mikroplastik ist allgegenwärtig, wie hoch die tatsächliche Belastung jedoch ist, ist schwer zu beziffern. In den italienischen Seen Bracciano, Trasimeno und Piediluco wurden nun mit einem im Rahmen des Projekts entwickelten wissenschaftlichen Protokoll über einen Zeitraum von zwei Jahren insgesamt 9.000 Kunststoffpartikel mit einer Größe von weniger als 5 mm gesammelt, 98 % der entnommenen Wasserproben waren belastet. Die Analyse dieser Partikel ergab, dass es sich dabei hauptsächlich um Polyethylenfragmente handelt, die auf alte Plastiktüten zurückzuführen sind.

Mikroplastik wurde auch in drei Trinkwasseraufbereitungsanlagen und zwei Kläranlagen am Gardasee und in Castreccioni in der Provinz Macerata quantifiziert und analysiert. Hier werden zwischen 30 bis 90 % des Mikroplastiks zurückgehalten, das hauptsächlich aus Fragmenten und Fasern aus Polyester und Polypropylen besteht, die für technische und Sportkleidung verwendet werden – ein einziger Waschgang in der Waschmaschine kann bis zu einer Million Mikrofasern freisetzen.

Projektziel: Probenahme und Analyse von Mikroplastik

Die Erarbeitung von wissenschaftlichen Protokollen für die Probenahme und Analyse von Mikroplastik in Seen, Trinkwasser- und Kläranlagen war ein zentrales Ziel des Projekts, das erreicht wurde und das eine wichtige Grundlage für die in den neuen europäischen Verordnungen vorgesehene Definition des Gesundheitszustands von Binnen- und Meeresgewässern sowie Gewässern für den menschlichen Gebrauch bilden kann.

Ein weiteres Ziel des von der italienischen Umweltorganisation Legambiente koordinierte und in Zusammenarbeit mit dem Global Nature Fund (GNF), der Bodensee-Stiftung und weiteren Partnern umgesetzten Projekts war die Ausarbeitung des sogenannten Seenpapiers. 40 Anrainer-Gemeinden der fünf Projektseen (Bodensee, Chiemsee, Gardasee, Bracciano-See, Trasimeno-See) und etwa 80 Interessengruppen, darunter regionale Behörden, Unternehmen, Reiseveranstalter und Verbände, gehen darin eine freiwillige Selbstverpflichtung ein, um zur Verringerung des Plastikmülls beizutragen: von der Verbesserung der getrennten Müllsammlung, der Pflege der Seeufer, über Umweltbildung bis hin zu Investitionen zur Verbesserung der Wasseraufbereitungsanlagen.

Gemeinsames Handeln aller Akteure gefragt

Eine weitere Projektmaßnahme war eine Lobbykampagne für europäische Kosmetik-, Outdoor-Bekleidungs- und Reifenhersteller. Mehr als 250 Unternehmen wurden über die Risiken von Mikroplastik in Verbindung mit ihren Produkten informiert, 20 haben Interesse an einer Zusammenarbeit gezeigt. Am schnellsten reagierte die Outdoor-Bekleidungsindustrie, während die Kosmetikindustrie sich zögerlich zeigte. Eine am 25. September 2023 von der EU Kommission bekanntgegebene neue Verordnung verbietet nun den Verkauf von Produkten, die Mikroplastik abgeben, darunter auch Kosmetika wie Peelings und Glitter. Die neuen Vorschriften sollen die Freisetzung von etwa einer halben Million Tonnen Mikroplastik in die Umwelt verhindern.

In seiner Rede auf der Abschlusskonferenz betonte Giorgio Zampetti, Generaldirektor von Legambiente, die Bedeutung interdisziplinärer und grenzüberschreitender Zusammenarbeit beim Kampf gegen Mikroplastik:

„Obwohl die Forschung zu Mikroplastik in Binnengewässern in den letzten Jahren zugenommen hat, gibt es noch viel über die Verteilungsdynamik von Mikroplastik in diesen Umgebungen und auf Ebene der Einzugsgebiete zu lernen. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die politischen Entscheidungsträger:innen weiteren Fortschritten beim Forschungsstand Vorrang einräumen, unter anderem durch die Förderung der Standardisierung von Messmethoden und der internationalen und interdisziplinären Zusammenarbeit. Nur so können wir die Ausbreitung von Mikroplastik in den Ökosystemen von Seen und Flüssen verhindern.“

Udo Gattenlöhner, Geschäftsführer des Global Nature Fund, ergänzt: „LIFE Blue Lakes“ schärft das Bewusstsein für den Wert und die Bedeutung unserer Gewässer und ihrer Ökosystemleistungen, indem er auf die Risiken hinweist, die Mikro- und Nanokontaminationen für Gewässer und ihre Nutzergruppen darstellen können.

„Die derzeitigen anthropogenen Einflüsse wie die Erwärmung unseres Klimas, veränderte Nährstoffkreisläufe, Neobiota und andere Effekte werden sich zunehmend negativ auf unsere terrestrischen aquatischen Ökosysteme auswirken. Es ist daher wichtig, negative Auswirkungen auf Seen so weit wie möglich zu minimieren und geeignete Anpassungsstrategien zu entwickeln, um die Widerstandsfähigkeit unserer wertvollen Gewässer und ihrer wichtigen Ökosystemleistungen zu erhöhen. Dazu ist es auch notwendig, Wirtschaft, Politik und Behörden von der Dringlichkeit eines besseren Wassermanagements zu überzeugen.“

Das 2019 dank der Kofinanzierung durch das LIFE-Programm der Europäischen Kommission gestartete Projekt entstand aus der Erkenntnis heraus, dass sich die meisten Forschungsarbeiten seit mehreren Jahren auf die Auswirkungen von Kunststoffen in marinen Ökosystemen konzentrieren und dabei die Rolle der Süßgewässer, insbesondere der Seen, die wichtige Wasserspeicher, aber auch wichtige Rezeptoren für Mikroplastik und Schadstoffe im Allgemeinen sind, vernachlässigen. Studien zeigen, dass jedes Jahr Hunderttausende von Plastikpartikeln über Nahrung, Wasser und die Luft im menschlichen Körper landen, wo gesundheitsschädliche (endokrine) Wirkungen sehr wahrscheinlich sind.

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