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Gletscherschmelze bedroht Kaltwasser-Lebewesen

Mit zunehmender Gletscherschmelze steigt die Gefahr für Lebewesen, die in den von Gletscherwasser gespeisten Bächen heimisch sind, denn ihre Lebensräume werden wärmer. Ein internationales Forschungsteam hat nun eine Methode gefunden, zukünftige potenzielle Refugien für diese Lebewesen zu identifizieren, um sie schützen oder sogar ausbauen zu können.

von | 08.05.23

Die Gletscherschmelze bedroht Kaltwasser-Lebewesen
Steffen Thomas auf Pixabay
8. Mai 2023| Mit zunehmender Gletscherschmelze steigt die Gefahr für Lebewesen, die in den von Gletscherwasser gespeisten Bächen heimisch sind, denn ihre Lebensräume werden wärmer. Ein internationales Forschungsteam hat nun eine Methode gefunden, zukünftige potenzielle Refugien für diese Lebewesen zu identifizieren, um sie schützen oder sogar ausbauen zu können.

Forschende des Schweizer Wasserforschungsinstituts Eawag, der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und Kolleg:innen aus UK, Österreich, Frankreich und Italien haben eine Methode entwickelt, zukünftige Kaltwasser-Refugien modellieren zu können.

Wenn das Wasser warm wird, verschwinden viele Arten

Alpine Regionen sind vom Klimawandel besonders betroffen – sie wärmen sich schneller auf als der globale Durchschnitt. Das stellt alle Lebewesen vor große Herausforderungen, die aufgrund geografischer Barrieren nur schwer in andere Regionen migrieren können, darunter die Bewohner von Fließgewässern. Ans kalte Wasser gewöhnt, bleibt ihnen nur die Flucht «nach oben». Und sollte ein Gletscher komplett verschwinden, dann verschwinden auch sie.

Prognose für die Alpenregion, übertragbar auf andere Gebirgszüge

In ihrer Arbeit nutzte das Team Hochrechnungen des Global Glacier Evolution Model, das die Verbreitung und den Rückzug bestehender Gletscher voraussagt. Daraus lässt sich ableiten, wie sich die Gewässer in den derzeit noch von Eis bedeckten Regionen verändern, wenn der Gletscher schmilzt. In Kombination mit Temperatur-Prognosen konnte das Team zudem modellieren, wie sich die bestehenden Gewässer und angestammten Lebensräume von insgesamt fünfzehn Arten von Wirbellosen entwickeln und wo sie in Zukunft die für sie gewohnten Bedingungen vorfinden werden. Die Studie umfasst den europäischen Alpenraum und die Zeit bis ins Jahr 2100. Die von den Forschenden entwickelte Modellierung kann nun auch in anderen Gebirgszügen zum Einsatz kommen, um dort ebenfalls Prognosen abzuleiten.

Menschen können bei der Umsiedelung helfen

Bei der Gletscherschmelze bilden sich neue Fließgewässer und Gletscherseen an den Orten, an denen sich vorher eine dicke Eisschicht befand. Diese höher gelegenen Gewässer bieten sich als Refugien für Kaltwasser-Lebewesen an. Allerdings ist es für alpine Flussbewohner nicht einfach, ihr Habitat zu wechseln, weshalb die Unterstützung von Menschen in Betracht gezogen wird.

Zielkonflikt: zu wenig Schutzgebiete

Die Umsiedelungsaktion macht gegebenenfalls nur Sinn, wenn die neuen Refugien der Kaltwasser-Bewohner entsprechend geschützt werden. Aber gerade da sehen die Forschenden ein weiteres Risiko für die Artenvielfalt: Nur 12 % der gemäß ihren Berechnungen modellierten Einzugsgebiete stehen derzeit unter Naturschutz. Das bedeutet, dass sich im Jahr 2100 die meisten der geeigneten Einzugsgebiete für Kaltwasser-Wirbellose in ungeschützten Regionen befinden. Die Forschenden befürchten einen Zielkonflikt, weil die von den Gletscher freigegebenen Flächen künftig für Freizeitaktivitäten oder die Wasserkraft priorisiert werden können.

„Es wäre jetzt an der Zeit, die aus der Studie hervorgehenden zukünftigen Gebiete unter Schutz zu stellen», so Christopher Robinson, Eawag. Nur so können die Rückzugsmöglichkeiten für die Lebewesen und deren Überleben sichergestellt werden.“

zur Originalpublikation

 

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