Filter by Themen
Filter by Kategorien
Filter by Veranstaltungsschlagworte
FS Logoi

Mess-Chip weist Legionellen nach

Bei einem Ausbruch der Legionärskrankheit ist es wichtig, so schnell wie möglich die genaue Quelle zu finden, um weitere Infektionen zu verhindern. Bisher dauert es Tage, bis eine genaue Analyse vorliegt. Ein Forschungsteam der Technischen Universität München hat nun einen Schnelltest entwickelt, der dies in rund 35 Minuten kann.

von | 29.03.18

Erstautorin Catharina Kober mit dem LegioTyper-Chip.
Catharina Kober (Doktorandin am Lehrstuhl für Analytische Chemie und Wasserchemie der TU Muenchen) am "LegioTyper", der Legionellen in nur ca. 35 Minuten nachweisen kann. - Bild: Jonas Bemetz / TUM - frei fuer Berichterstattung ueber TU Muenchen

Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die beim Menschen eine lebensgefährliche Lungenentzündung auslösen können. Sie vermehren sich in warmem Wasser. Über Kühltürme, Verdunstungs-Rückkühlanlagen und Warmwassersysteme können sie in die Luft gelangen.
Die gefährlichste Spezies unter den knapp 50 Legionellen-Arten ist Legionella pneumophila. Sie ist für 80 Prozent aller Erkrankungen verantwortlich. Kommt es zu einem Ausbruch, muss schnellstmöglich die Quelle der Keime identifiziert werden, um weitere Infektionen zu verhindern.
Den Ausbruchsort hat man gefunden, wenn, ähnlich wie beim Vaterschaftstest, die Keime im Prozesswasser der technischen Anlage mit den beim Patienten nachgewiesenen eindeutig übereinstimmen. Dazu sind jedoch oft viele Anlagen zu testen, und die für den Test notwendige Kultivierung dauert rund zehn Tage.

Schneller Nachweis mit Antikörpern

Für den Nachweis des Legionella-Erregers in der Klinik gibt es inzwischen einen Schnelltest, der von den Legionellen gebildete Verbindungen im Urin der Patienten nachweisen kann. „Leider ist dieser Schnelltest nur ein erster Hinweis und für den Nachweis im Wasser technischer Anlagen nicht geeignet“, sagt PD Dr. Michael Seidel, Leiter der Forschungsgruppe am Lehrstuhl für Analytische Chemie und Wasserchemie der TU München.
Das Wissenschaftlerteam entwickelte daher im Rahmen des vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekts „LegioTyper“ einen Mess-Chip, der nicht nur den gefährlichen Erreger Legionella pneumophila nachweisen kann sondern auch zeigt, welcher der rund 20 Subtypen vorliegt.

Schnell, kostengünstig und vielseitig

Der folienbasierte Mess-Chip nutzt die Mikroarray-Analyseplattform MCR der Münchner Firma GWK GmbH. Mithilfe von 20 verschiedenen Antikörpern liefert das System eine vollständige Analyse innerhalb von 34 Minuten.
„Im Vergleich zu bisherigen Messungen, liefert die neue Methode nicht nur einen riesigen Geschwindigkeitsvorteil“, sagt Michael Seidel, „sondern ist auch noch so billig, dass wir den Chip zum Einmalgebrauch einsetzen können.“
Das System kann sowohl in der Umwelthygiene als auch in der klinischen Diagnostik angewandt werden. In Kombination mit einem weiteren, DNA-basierten Verfahren kann das System sogar zwischen abgestorbenen und lebenden Legionella-Erregern unterscheiden. Damit ist es möglich, den Erfolg von Desinfektionsmaßnahmen zu überwachen.
Auf der Analytica 2018 in München tellen die Projektbeteiligten ihr System vom 10. bis 13. April 2018 erstmals öffentlich vor.

Publikationen:

Wunderlich, A.; Torggler, C.; Elsaesser, D.; Lück, C.; Niessner, R.; Seidel, M., Rapid quantification method for Legionella pneumophila in surface water. Analytical and Bioanalytical Chemistry 2016, 408(9), 2203-2213. DOI: 10.1007/s00216-016-9362-x Link: https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00216-016-9362-x Kober, C.; Niessner, R.; Seidel, M. Quantification of viable and non-viable Legionella spp. by heterogeneous asymmetric recombinase polymerase amplification (haRPA) on a flow-based chemiluminescence microarray. Biosensors and Bioelectronics, 2018, 100, 49-55 – DOI: 10.1016/j.bios.2017.08.053 Link: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0956566317305882?via

Mehr Informationen:

Das LegioTyper-Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programmes „Zivile Sicherheit – Schutz vor biologischen Gefahrenlagen und Pandemien“ gefördert gefördert. Die Antikörper stellte das an der TU Dresden angesiedelte deutsche Referenzlabor für Legionellen.
Die Mikroarray-Analyseplattform MCR der Münchner Firma GWK GmbH wird auch bei dem vom gleichen Lehrstuhl entwickelten Test auf Antibiotikarückstände in Milch verwendet: https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/31075/ %3Dihub

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Stoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Arendsee gibt 10.500 Jahre alte Holzfunde frei
Arendsee gibt 10.500 Jahre alte Holzfunde frei

Bei unterwasserarchäologischen Untersuchungen im Arendsee haben Forschende außergewöhnlich gut erhaltene, bis zu 10.500 Jahre alte Hölzer entdeckt. Die Funde könnten von bislang unbekannten Konstruktionen aus der Mittelsteinzeit stammen und neue Erkenntnisse über die Lebensweise damaliger Jäger und Sammler liefern.

mehr lesen
Ecomondo 2026: Wasserwirtschaft und resiliente Infrastrukturen
Ecomondo 2026: Wasserwirtschaft und resiliente Infrastrukturen

Vom 3. bis 6. November 2026 bringt die Ecomondo in Rimini Unternehmen, Versorger, Forschung und Politik aus der Green, Blue und Circular Economy zusammen. Für die Wasserwirtschaft stehen unter anderem Wasser- und Abwasserbehandlung, resiliente Infrastrukturen, Digitalisierung, Wasserwiederverwendung und die europäische Wasserpolitik im Mittelpunkt.

mehr lesen
DVGW-Kongress: EU-Vorgaben für Trinkwassermaterialien
DVGW-Kongress: EU-Vorgaben für Trinkwassermaterialien

Welche komplexen europäischen Regelungen ab dem 31.12.2026 gelten, beleuchtet der DVGW-Kongress am 17. November 2026 (online). Im Fokus stehen die neuen EU-Regularien für Materialien im Kontakt mit Trinkwasser: Europaweite Positivlisten, Zertifizierung und Konformitätsbewertung lösen die bisherigen nationalen UBA-Bewertungsgrundlagen ab – diese bleiben unter bestimmten Voraussetzungen nur noch bis maximal 2032 anwendbar. Offene Fragen reichen vom Umgang mit Bestandsprodukten bis zu Bleigrenzwerten bei metallenen Werkstoffen.

mehr lesen
Innovationspreis für Echtzeitmonitoring im Gewässerschutz
Innovationspreis für Echtzeitmonitoring im Gewässerschutz

Das Projekt „Mehr Wasser für die Aue“ verbindet Gewässerentwicklung mit modernem Echtzeitmonitoring. Dafür wurden wilde-natur.org und der UHV 20 „Untere Oste“ beim niedersächsischen Gewässerwettbewerb „Bach im Fluss 26“ mit dem Innovationspreis ausgezeichnet.

mehr lesen

Passende Firmen zum Thema:

Ingenieurbüro Alwin Eppler GmbH & Co. KG

Thema: Wasseraufbereitung

Ihr vertrauensvoller Partner für innovative Trinkwasserversorgung und Abwasserbehandlung – seit über 70 Jahren Expertise in Planung und Umsetzung maßgeschneiderter

Sie möchten die gwf Wasser + Abwasser testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die gwf Wasser + Abwasser kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03