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Entsorgungsbetriebe Lübeck setzen Masterplan Stadtentwässerung um

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Thema:
Autor: Sina Ruhwedel

Entsorgungsbetriebe Lübeck setzen Masterplan Stadtentwässerung um
Für Dr.-Ing. Verwey ist Gütesicherung Kanalbau ein wichtiges Werkzeug bei der Arbeit vor Ort auf den Baustellen. (Foto: Gütegemeinschaft Kanalbau)

25. Oktober 2022 | Mit dem 2019 entwickelten Masterplan Stadtentwässerung wollen die Entsorgungsbetriebe Lübeck die Gewässerqualität in der vom Wasser umgebenen Hansestadt Lübeck verbessern. Bei dem dynamischen Planungswerkzeug handelt es sich um eine strategische Grundlage für die zukünftigen Investitionen im Bereich der Stadtentwässerung.

Laut dem Masterplan Stadtentwässerung soll das jährliche Investitionsvolumen von zurzeit rund 25 Mio. Euro auf bis zu 30 Mio. Euro erhöht werden. Mit dem Masterplan soll unter anderem eine systematische Umgestaltung sowie eine langfristige Sanierung der Anlagen des Lübecker Kanalnetzes umgesetzt werden.

Im folgenden Interview geben Dr.-Ing. Jan-Dirk Verwey, Geschäftsführender Direktor, Entsorgungsbetriebe Lübeck, und Stefan Bröcker, Abteilungsleiter Baudurchführung, Bereich Planung Neubau, Einblicke in die Arbeit am Lübecker Kanalnetz und berichten über ihre Erfahrungen mit Instrumenten wie der Gütesicherung Kanalbau.

Herr Dr. Verwey, wie ist es um die Qualität des Lübecker Kanalnetzes bestellt?

Dr. Verwey: Das Lübecker Kanalnetz ist ohne die Hausanschlussleitungen 1.040 km lang. Seine Anfänge reichen zurück bis in das Jahr 1856. Ursprünglich als Mischwasserkanalisation angelegt, wird das Netz seit 1960 sukzessive auf ein Trennsystem umgestellt. Heute wird etwa noch ein Drittel als Mischsystem betrieben. Circa 110 km der Leitungen sind älter als 70 Jahre. Insgesamt betrachtet sind die technischen Anlagen zum Teil erheblich in die Jahre gekommen und genügen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Die seit den 1990er Jahren regelmäßig durchgeführten Untersuchungen belegen, dass rund 20% unseres Kanalnetzes den Schadensklassen 0 und 1 zuzuordnen (nach DWA Merkblatt 149) und somit stark sanierungsbedürftig sind. Der daraus resultierende Handlungsbedarf gab u.a. den Ausschlag für die Entwicklung des Masterplans. In diese Datenbank fließen alle Daten aus dem täglichen Baugeschäft ein. Sie dient zur Abstimmung der anstehenden Baumaßnahmen mit den Straßenbaulastträgern sowie anderen Leitungsträgern und ist zentrale Grundlage zur Abstimmung von Maßnahmen mit der Unteren Wasserbehörde (UWB) – so etwa das Sanierungskonzept für das Kanalnetz. Mit diesem Steuerungsinstrument werden alle Baumaßnahmen nach Prioritäten strukturiert und mit einer finanziellen und personellen Ressourcenplanung bis hin zu einer kompakten Gebührenvorauskalkulation verknüpft.

Herr Bröcker, welche Schwerpunkte setzen Sie bei der Ausführung des Sanierungskonzeptes in Lübeck?

Bröcker: Das ist ein Abwägungsprozess. Wenn möglich setzen wir bei der Sanierung unseres Netzes auf grabenlose Verfahren, um möglichst wirtschaftlich zu agieren und die Eingriffe in den Verkehr sowie die Belästigung der Anwohner möglichst gering zu halten. Ausnahmen sind Netzabschnitte, wo dies nicht mehr möglich ist, in denen das Trennsystem eingeführt werden soll, oder dort, wo eine hydraulische Sanierung ansteht; hier arbeiten wir in offener Bauweise.

Welchen Anspruch haben Sie an die Baupartner?

Dr. Verwey: Mit Blick auf die Lübecker Gebührenzahler streben wir eine wirtschaftliche Lösung an, suchen aber selbstverständlich Baupartner, die unseren Anforderungen gerecht werden und eine mängelfreie und qualitativ hochwertige Arbeit abliefern. Wir erwarten Bauleistungen nach den anerkannten Regeln der Technik und in der von uns geforderten Qualität, Einsatz qualifizierter Fachleute auf der Baustelle sowie den Einsatz von hochwertigem Material und etablierten Verfahren. Diese Voraussetzungen erfüllen für uns Unternehmen, die ihre Fachkunde, ihre technische Leistungsfähigkeit und ihre vertragliche Zuverlässigkeit belegen können. Deshalb bedienen wir uns bei Ausschreibungen Instrumenten wie zum Beispiel der Gütesicherung Kanalbau.

Bröcker: Wir brauchen Baupartner, die bestimmte fachliche Kriterien erfüllen. Wichtig ist die fachtechnische Qualifikation, gerade in Lübeck mit seinen speziellen Rahmenbedingungen, etwa mit Blick auf den Baugrund oder auch die Denkmalschutz-Aspekte.

Das heißt, bei Ihnen bekommt nicht unbedingt der billigste Anbieter den Zuschlag?

Dr. Verwey: Wir definieren für uns Qualitätsanforderungen als Grundlage der Ausschreibung. Wir legen auftragsbezogen die Anforderungen an die Eignung der Bieter fest und formulieren bei öffentlicher Ausschreibung die notwendigerweise nachzuweisende Bietereignung auf Basis der Anforderungen RAL-GZ 961. Werden diese Anforderungen erfüllt, zum Beispiel mit dem Gütezeichen Kanalbau, können wir uns im nächsten Schritt für das wirtschaftlichste Angebot entscheiden.

Wann und wo haben Sie persönlich das RAL-Gütezeichen Kanalbau das erste Mal wahrgenommen?

Dr. Verwey: Das erste Mal wahrgenommen habe ich die Gütesicherung Kanalbau 2006 mit meiner Arbeitsaufnahme in Lübeck. 2010 – nach Übernahme auch der technischen Gesamtleitung – wurde sie dann sehr präsent.

Seit wann sind die Entsorgungsbetriebe Lübeck Mitglied in der Gütegemeinschaft und warum?

Bröcker: Wir sind seit 1995 dabei. Wir haben frühzeitig die Vorteile einer Mitgliedschaft erkannt – unter anderem bei Ausschreibungen – und betrachten die Anforderungen an Qualitätsstandard in Form der Güte und Prüfbestimmungen RAL-GZ 961 als ideale Kombination für die Umsetzung unserer Ziele.

 Wie sind Ihre persönlichen Erfahrungen mit dem RAL-Gütezeichen Kanalbau?

Dr. Verwey: Gütesicherung Kanalbau ist für uns ein sehr wichtiges Werkzeug und eine Grundlage für unsere Arbeit vor Ort auf den Baustellen.

Bröcker: Ich schätze insbesondere die Prüfungen der Baumaßnahme durch einen Prüfingenieur der Gütegemeinschaft als eine gute Unterstützung für unsere eigene Bauüberwachung. Vor diesem Hintergrund spielen auch die Grundlagen der Güte- und Prüfbestimmungen eine wichtige Rolle. Sie haben durchaus Einfluss auf die Bauleistung, denn bei schlechter Arbeit bieten sie die Möglichkeit auf Grundlage eines abgestuften Ahndungssystems Einfluss zu nehmen – in gravierenden Fällen bis zum Entzug des Gütezeichens. Darüber hinaus nutzen wir die Gütegemeinschaft Kanalbau als Informationsforum, zum Beispiel in Form von Auftraggeber-Fachgesprächen oder Erfahrungsaustauschen. Einen Mehrwert bieten auch die diversen Hilfsmittel wie das Verzeichnis der technischen Regelwerke im Kanalbau, die Leitfäden Eigenüberwachung oder die Arbeitshilfe zur optischen Abnahmeprüfung. Das alles trägt dazu bei, dass man Bauleistungen nach einheitlichen Maßstäben bewerten kann. In diesem Zusammenhang würden wir uns wünschen, dass der im vergangenen Jahr von der Gütegemeinschaft angebotene E-Learning-Kurs „Einbau von Abwasserleitungen und -kanälen in offener Bauweise“ für die Mitglieder der Auftraggeber-Seite dauerhaft angeboten wird. Angebote wie diese sind gut geeignet für Ingenieure, Techniker und Meister, die sich mit dem ­Thema Kanalbau neu beschäftigen, um das notwendige Grundwissen zu erhalten, aber auch für erfahrene Praktiker zur Überprüfung und Aktualisierung vorhandener Fachkenntnisse.

Würden Sie sagen, dass sich die Qualität der Baumaßnahmen in Lübeck verbessert hat?

Dr. Verwey: Bei uns ist in den letzten Jahren ganz klar eine gute Entwicklung zu erkennen; Instrumente wie das Gütezeichen Kanalbau haben dazu beigetragen. Die Beauftragung von Unternehmen, die in puncto Qualifikation und Qualität bestimmten Anforderungsprofilen entsprechen, wirkt sich auf den Zustand des Kanalnetzes positiv aus

Bröcker: Ja, die Qualität hat zugenommen. Wir haben einen hohen Maßstab in Form von Anforderungen definiert; ein Instrument wie die Gütesicherung Kanalbau unterstützt uns dabei, diese Anforderungen umzusetzen.

Worin bestehen für Sie die Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte?

Dr. Verwey: Für die Entsorgungsbetriebe Lübeck stellt der erforderliche Um- und Ausbau des Kanalnetzes und der vielfältigen Anlagen der Stadtentwässerung eine große technische und wirtschaftliche Herausforderung für die nächsten Jahrzehnte dar. Aus meiner Perspektive und mit Blick auf unser Kanalnetz wollen wir es möglichst mischwasserfrei, wertstabil und betriebssicher gestalten. Hier liegen unsere Herausforderungen für die nächsten Jahre, ich bin mir aber sicher, dass wir das mit Hilfe des auf 50 Jahre angelegten Masterplans umsetzen. Hierbei müssen allerdings auch wichtige Parameter stimmen. Nur wenn wir Fachleute in ausreichender Zahl zur Verfügung haben, können wir unsere Qualitätsziele umsetzen und die Gebühren im Rahmen halten und Herausforderungen wie beispielsweise den Klimawandel mit seinen Auswirkungen auf die Stadtentwässerung annehmen können.

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