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Hersteller sollen zur Verantwortung für PFAS-Belastung gezogen werden

Die zunehmende Belastung unserer Umwelt mit gefährlichen Chemikalien, insbesondere Per- und Polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS), ruft den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) auf den Plan.

von | 23.04.24

Eine nachhaltige Lösung kann nur die Vermeidung von Schadstoffeinträgen in die Umwelt direkt an der Quelle sein.
Quelle: Adobestock/ 779808454

23. April 2024 ǀ Die zunehmende Belastung unserer Umwelt mit gefährlichen Chemikalien, insbesondere Per- und Polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS), ruft den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) auf den Plan. Angesichts einer aktuellen BUND-Studie, die die Verbreitung von Ewigkeits-Chemikalien im Wasser aufzeigt, fordern beide Verbände dringende gesetzliche Maßnahmen zum Schutz von Mensch, Umwelt und Natur, darunter ein umfassendes PFAS-Verbot.

BUND und BDEW fordern angesichts der PFAS-Verschmutzung Hersteller sowohl in der Chemieindustrie wie auch im Handel in die Pflicht zu nehmen: „Diejenigen, die Schadstoffe in die Umwelt einbringen, müssen zahlen. Wer PFAS herstellt oder in den Handel bringt trägt die Verantwortung und muss die hierdurch verursachten umweltökonomischen Kosten tragen. Eine Lizenz zur Verschmutzung kann es nicht mehr geben. Es braucht eine gerechte Kostenverteilung, Umweltauswirkungen müssen eingepreist sein. Auch um die Entwicklung umweltfreundlicher Alternativen zu fördern.“

Verschmutzung birgt ernsthafte Gesundheitsrisiken

Die weit verbreitete Verschmutzung der Umwelt mit PFAS birgt ernsthafte Gesundheitsrisiken. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat bereits 2021 festgestellt, dass die tägliche Aufnahme von PFAS durch belastete Nahrungsmittel den kritischen Wert überschreitet, was potenzielle Beeinträchtigungen des Immunsystems zur Folge haben könnte. Obwohl die tägliche Aufnahme von PFAS über Trinkwasser vergleichsweise gering ist, sind unsere Trinkwasserressourcen wie Grund- und Oberflächenwasser zunehmend belastet. Eine aktuelle Studie des BUND zeigt, dass fast alle getesteten Leitungs- und Mineralwässer mindestens einen der analysierten Schadstoffe enthalten, wobei Trifluoressigsäure am häufigsten vorkommt. Zudem wurde Melamin, eine potenziell krebserregende Chemikalie, sowie Benzotriazole, potenzielle hormonelle Schadstoffe, nachgewiesen.

Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: „Seit über 70 Jahren imprägnieren wir unsere Umwelt mit PFAS. Dies hat auch zur Belastung unseres Trinkwassers geführt. Die gute Nachricht ist: Eine akute Gesundheitsgefahr geht von Leitungs- und Mineralwasser nicht aus. Der BUND-Test verdeutlicht jedoch einmal mehr das Ausmaß der Verschmutzungskrise. In Summe schadet die PFAS-Belastung Mensch und Umwelt bereits jetzt. Wenn jetzt nicht die Emissionen gestoppt werden, werden auch die Werte in unseren Wasserressourcen steigen. Dabei sind PFAS zurzeit die sichtbarsten, aber bei weitem nicht die einzigen Problemstoffe.“

Um die weitere Zunahme der Verschmutzung aufzuhalten, muss die Produktion und Verwendung von Ewigkeits-Chemikalien eingeschränkt werden so Bandt: „Wir fordern ein umfassendes PFAS-Verbot in Deutschland und in der EU. Robert Habeck und Steffi Lemke müssen sich gemeinsam auf europäischer Ebene dafür stark machen. Die Bundesregierung ist aufgerufen ein Ressourcenschutzgesetz auf den Weg zu bringen, um unsere Lebensgrundlagen auch hierüber zu schützen.“

Kosten der Umweltverschmutzung und ihre langfristigen Auswirkungen

Die steigende Umweltverschmutzung führt bereits heute in einigen Gebieten zu erhöhten Kosten für Wasserversorger, die sauberes Trinkwasser sicherstellen müssen. Einmal freigesetzt, sind Ewigkeits-Chemikalien nur schwer zu entfernen und verbleiben über lange Zeiträume in der Umwelt, wodurch sich die Kosten für eine Sanierung im Schadensfall, wie bei kontaminierten Böden, erheblich erhöhen. Der bekannte PFAS-Schadensfall in Rastatt führte bereits zu einer Steigerung der Wasserpreise um mehr als 20 Prozent.

Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer: „Trinkwasser ist sicher. Die Wasserversorger werden immer gewährleisten, dass die gesetzlichen Trinkwassergrenzwerte eingehalten werden. Diese Grenzwerte sind so gewählt, dass bei Einhaltung das Trinkwasser lebenslang ohne Gefährdung für die Gesundheit getrunken werden kann. Zunehmende Schadstoffeinträge belasten allerdings die Rohwasserressourcen, was die Trinkwasseraufbereitung immer teurer machen wird. Notwendig ist daher eine wirksame Strategie, um weitere zukünftige Einträge von PFAS zu vermeiden.“

Eine nachhaltige Lösung der umfangreichen Umweltverschmutzung kann nur die Vermeidung von Schadstoffeinträgen in die Umwelt direkt an der Quelle sein. Wichtig ist hierbei eine verursachergerechte Kostenverteilung.

Weyand: „Hersteller müssen zahlen. Im Sinne des Verursacherprinzips ist ein Fonds für PFAS erforderlich, in den die Hersteller und Inverkehrbringer von PFAS einzahlen müssen, um volkswirtschaftliche Kosten der PFAS-Verschmutzung zu übernehmen.“

Selbst politische Zentren wie Brüssel und Berlin bleiben von der Belastung der Wasserressourcen nicht verschont: Im Leitungswasser des Europaparlaments in Brüssel wurde beim BUND Trinkwassertest die höchste Konzentration von PFAS mit 1100 ng/L Trifluoressigsäure gemessen. In Berlin wurden in der Testreihe die meisten Ewigkeits-Chemikalien festgestellt, darunter Trifluoressigsäure, Melamin und mehrere Benzotriazol-Verbindungen. Trotz dieser Belastung wurden keine gesundheitlichen Leitwerte überschritten.

 

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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