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Dresden: Gewässer schützen mit Poesie

Ihre Kampagne „Kein Müll ins Klo“ startete die Stadtentwässerung Dresden mit einem „Reimscheißer-Wettbewerb“. Wie kam die Idee an? Wir sprachen mit Geschäftsführerin Gunda Röstel.

von | 03.04.17

Läuft gut: Gunda Röstel, Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden, kann sich über eine gelungene Kampagne freuen

Die Aktion gegen die Entsorgung von Feuchttüchern, Medikamentenresten und anderem Müll über die Toilette endete mit einer Prämierung der besten Reime zum Tag des Wassers am 22. März. gwf Wasser|Abwasser sprach mit Gunda Röstel, Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden (SEDD) und Prokuristin der GELSENWASSER AG, über die Kampagne und wie es nach dem profan-poetischen Auftakt weitergeht.
Auf Ihrer Seite www.kein-muell-ins-klo.de zeigt Kanalarbeiter Erwin, was nicht in die Kanalisation gehört. Viele Dresdner haben sich mit eigenen Versen am „Reimscheißer-Wettbewerb“ beteiligt. Die Kampagne geht insgesamt über drei Jahre. Läuft gut?
Ja, erstaunlich gut. Es war zugegebenermaßen eine etwas geschmäcklerische Frage. Ich habe am Anfang ein bisschen geschluckt und gedacht, das kann auch voll nach hinten losgehen. Als wir die Entwürfe in unserer Führungsebene vorstellten, war das Echo gespalten. Alle haben gefeixt und gekichert und gleichzeitig gezögert: Können wir so frech und derb an die Öffentlichkeit gehen?
Sie haben sich für ja entschieden.
Klar, und das war die richtige Entscheidung. Die Medien haben es genauso wahrgenommen wie gewünscht: Provokant, witzig, ein Balanceakt an der Grenze. Aber das Ziel ist erreicht. Wir waren in aller Munde, an diesem Reimscheißer-Wettbewerb nahmen insgesamt über 400 Menschen teil. Wir erhielten kleine Gedichte und manchmal sogar ganze Balladen von witzig bis nachdenklich. Auf verschiedenen städtischen Treffen und Empfängen wurde ich direkt angesprochen, immer augenzwinkernd und mit Aha-Effekt. Wir haben die Beiträge wöchentlich prämiert und zum Tag des Wassers am 22. März drei Hauptpreise vergeben. Verhaltensänderungen vollziehen sich jedoch nicht schon nach einer dreimonatigen Kampagne. Unser Anspruch muss deshalb sein, das Thema längerfristig mit unterschiedlichen Stilmitteln fortzusetzen.
Wie geht es weiter?
Was in die Toilette gehört und was nicht und welche Folgen falsches Verhalten hat, werden wir auch über Schulen transportieren als Projekttag oder als Thema in unserem Schülerlabor „Aquamundi“. Wir werden mit Beteiligten wie Ärzten oder den Apothekern lokal in den Dialog treten. Eine analoge Kommunikation erfolgt auf Bundesebene auch über unsere Verbände wie den BDEW sowie als Stakeholder-Dialog gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium zum Thema Mikroschadstoffe. Ich bin mir sicher, auf Verständnis und auf eine gewisse Bereitschaft zur Veränderung zu treffen. All das braucht jedoch Zeit. Ich bin gespannt, zu sehen, wo wir dann in zwei, drei Jahren stehen und ob wir es schaffen, mit immer neuen Stilmitteln dieselben Fakten zu verkaufen.
Ist es so, dass man Bürger, die noch die DDR miterlebt haben, besonders vorsichtig adressieren muss, wenn es um pädagogische Kampagnen zur Verhaltensänderung geht?
Aufgesetzte Besserwisserei ist nicht nur im Osten unbeliebt. Darum haben wir den erhobenen pädagogischen Zeigefinger weggelassen und bewusst provokant und frech für unser Anliegen geworben. Ich freue mich über den bisherigen Erfolg.
Dass es gut ankommt, ist wichtig, aber erst einmal nur die halbe Miete. Was wäre für Sie ein wünschenswerter Erfolg der Kampagne am Ende?
Messbar wird etwa das Thema Restmüll sein. Wir haben in den letzten sechs Jahren, 2010 bis 2016, eine Steigerung von 1.800 auf 2.700 Tonnen Sieb- und Rechengut. Ein kleiner Teil davon erklärt sich durch das Bevölkerungswachstum. Aber den weitaus größten Teil machen Feuchttücher aus. Feuchttücher, die sich nicht auflösen, die unsere Pumpen verstopfen und zu erheblichen Reparaturaufwendungen und natürlich auch Entsorgungskosten führen sowie zu höherem Energieverbrauch. Das macht in Summe pro Jahr mehr als 100.000 Euro aus. Ein Erfolg wäre bereits, wenn die Restmülltonnage nicht weiter anwächst! Das Thema Medikamentenrückstände ist dagegen in dieser kurzen Zeit viel schwieriger zu messen. So schnell reagieren die Systeme nicht. Umso wichtiger ist jedoch, dass wir heute sensibilisieren.
Lesen Sie das ausführliche Exklusiv-Interview mit Gunda Röstel über Mikroschadstoffe und Klärschlammverordnung, über europäischen Gewässerschutz und die nahezu energieautarke Kläranlage Dresden-Kaditz in der aktuellen Ausgabe der gwf Wasser|Abwasser, die am 20. April erscheint.  

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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