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Mikroplastik: Das sind die wahren Quellen

Eine internationale Studie bringt Annahmen über Mikroplastik in den Ozeanen ins Wanken. Ihre Ergebnisse verschieben den Fokus von der Abfallwirtschaft zur Abwasserentsorgung.

von | 27.02.17

Synthetische Textilien setzen beim Waschen große Mengen Mikroplastikpartikel frei

Die am 21. Februar veröffentlichte Studie der Weltnaturschutzunion „International Union for Conservation of Nature and Natural Resources“ (IUCN) trägt den Titel „Primary microplastics in the oceans: a global evaluation of sources“. Eine zentrale Erkenntnis der Autoren Julien Boucher und Damien Friot lautet: Durch Umwelteinflüsse zerfallender Plastikmüll, also sekundäres Mikroplastik, hat einen weit geringeren Anteil an den Mikroplastikpartikeln in unseren Ozeanen als bisher angenommen. Bis zu 31 Prozent der geschätzten jährlichen 9,5 Millionen Tonnen bestehen vielmehr aus primärem Mikroplastik, das bereits in Partikelform ins Meer gelangt.

Textilien und Autoreifen

Dieses primäre Mikroplastik stammt zu fast zwei Dritteln vom Waschen synthetischer Textilien und dem Reifenabrieb beim Fahren, gelangt also auf den Wegen der Abwasserentsorgung und Regenwasserbewirtschaftung in die Flüsse und Ozeane. Das bedeutet, dass neben der Abfallwirtschaft auch die Abwasserbranche weit mehr als vermutet im Fokus steht, wenn Lösungen gefordert sind. Etwa die gleiche Menge Mikroplastik, die in die Meere gespült wird, landet im Boden – entweder direkt aus abfließendem Regenwasser oder indirekt über als Dünger ausgebrachten Klärschlamm. Welche Umweltfolgen dort resultieren, ist noch völlig unklar. Die häufig genannten Mikropartikel aus Kosmetika dagegen tragen nur etwa zwei Prozent zum primären Mikroplastik bei.

Bis 60 Gramm pro Tag und Kläranlage

Frühere Ergebnisse hatten bereits auf Textilien als unterschätzte Quelle der Mikropartikel hingewiesen. So schätzten Forscher der University of California in Santa Barbara in dem 2016 in „Environmental Science & Technology“ veröffentlichten Artikel „Microfiber Masses Recovered from Conventional Machine Washing of New or Aged Garments“, dass eine Kläranlage in den USA pro Tag zwischen 10 und 60 Gramm Mikrofasern in die Gewässer entlässt.

Abfallmanagement reicht nicht aus

Die Autoren der aktuellen IUCN-Studie fordern in Ihrer Studie eine Abkehr vom reinen Abfallmanagement hin zu einem Lebenszyklus-Management. Dazu gehöre neben dem ökologischen Design der Produkte auch ein breiter Dialog mit allen Interessensgruppen, angefangen beim Produktdesign bis hin zur städtischen Infrastrukturplanung von privater wie auch kommunaler Seite.
Die Studie „Primary microplastics in the oceans : a global evaluation of sources“ kann hier heruntergeladen werden.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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