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Ein „grün-blauer Klimakorridor“ für den Klimaschutz in Kamen

Naturnahe Wasserläufe können als „kommunale Klimaanlage“ wirken und so zum Eindämmen der Folgen des Klimawandels beitragen. Auch in Kamen soll das Umfeld des Heerener Mühlbachs auf diese Weise das Klima stärken.

von | 13.07.18

Die Umgestaltung des Heerener Mühlbachs durch den Lippeverband wurde im Rahmen des Projekts Future Cities aus dem EU-Programm Interreg IVB Nordwest Europa gefördert (Bild: Stefan Milk/Hellweger Anzeiger).
vlnr Dr Heinrich Dornbusch Dr Uli Paetzel Hermann Hupe

In einem umfassenden Renaturierungsprojekt des Lippeverbandes und der Stadt Kamen wurde daher das Ökosystem des Bachlaufs wiederhergestellt und ein sogenannter „grün-blauer Klimakorridor“ geschaffen. Eine Leistung, die in Zeiten von Extremwettererscheinungen wie Hitzewellen und Starkregen immer mehr an Bedeutung zunimmt und nun vom Land NRW gewürdigt wurde. Dr. Heinrich Dornbusch, Geschäftsführer der KlimaExpo.NRW, überreichte im Beisein von Hermann Hupe, Bürgermeister der Stadt Kamen, die offizielle Urkunde zur Aufnahme in die landesweite Leistungsschau für den Klimaschutz an Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes.
Der Kamener Bach war früher ein offener Abwasserlauf. Um diesen Zustand zu beseitigen, wurden bis 2013 auf mehr als 2 km geschlossene Abwasserkanäle gebaut, danach das Betonbett entfernt und naturnahe Ufer angelegt. Zahlreiche Maßnahmen sorgen nun für ein verbessertes natürliches Wassermanagement, Mikroklima, Biodiversität und eine erhöhte Lebensqualität im direkten Umfeld für die Anwohner. Das Ökosystem rund um den Wasserlauf ist wieder intakt und sorgt dafür, dass Klimafolgen gemildert werden. „Mit der Wiederherstellung des Ökosystems wird hier beispielhaft gezeigt, wie Kommunen sich mithilfe von Klimafolgenanpassung fit für die Zukunft machen können und gleichzeitig die Lebensqualität der Anwohner steigern. Damit leistet das Projekt Pionierarbeit und wird als Vorreiter für den Klimaschutz in unsere Leistungsschau aufgenommen“, so Dr. Heinrich Dornbusch, Geschäftsführer der KlimaExpo.NRW.

Klima- und Hochwasserschutz

Die ökologische Umgestaltung verlangsamt den Wasserabfluss, stärkt die dezentrale Zurückhaltung und damit die Ableitung des Niederschlags und erhöht die Versickerung. Gleichzeitig konnte bei etwa 80 privaten Anwesen auf insgesamt 11 000 m² Dach- und gepflasterten Flächen das Regenwasser von der Kanalisation abgekoppelt werden. Dies reduziert die Überschwemmungsgefahr durch Starkniederschläge. Das Ergebnis ist in Anlehnung an die nun entstandene Pflanzen- und Wasserkombination entlang des Baches ein grün-blauer Korridor, der durch den Bewuchs CO2 speichert und einer weiteren Erwärmung der Gewässer sowie einer Austrocknung und Entstehung von Hitzeinseln in der Stadt entgegenwirkt. „Mit den hier umgesetzten Maßnahmen konnten wir ressourcenschonend und zu vertretbaren Kosten positive Auswirkungen auf den Ortsteil erzielen, unabhängig von der tatsächlichen Dimension der kommenden Folgen des Klimawandels. Zudem wurden die Bürger mit ihrer Einbindung in das Projekt für die Auswirkungen des Klimawandels sensibilisiert. Durch die Verknüpfung der Gewässerumgestaltung im Rahmen unseres Sesekeprogramms mit der Ableitung des Niederschlagswassers von den Anliegergrundstücken in den Mühlbach und den positiven Wirkungen auf das Kleinklima konnten sich die Menschen am Gewässer mit einbringen“, so Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes.

Mehr Lebensqualität und weniger Kosten

Darüber hinaus verbessert das natürliche Gewässer – ergänzt um einen neuen Fuß- und Radweg – auch das Wohnumfeld und die Lebensqualität für die Anwohner, die intensiv in den Prozess der Umgestaltung mit eingebunden wurden. Außerdem profitieren sie auch finanziell: Zum einen durch die Vermeidung von Hochwasserschäden, zum anderen durch die geringeren Abwassergebühren. Die Renaturierung des Gewässers erhöht so insgesamt auch den Wert der anliegenden Grundstücke.
Weitere Informationen: www.klimaexpo.nrw

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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