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Protest für starken Gewässerschutz auf den Naturschutztagen 2019

Kategorie:
Autor: Jonas Völker

Protest für starken Gewässerschutz auf den Naturschutztagen 2019

Ziel ist der „gute Zustand“ aller Gewässer

Herzstück des Gewässerschutzes in Europa ist die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). „Die WRRL ist der Garant dafür, dass unsere Flüsse und Bäche im Land sauberer werden. Klare Flüsse, Seen und Grundwasservorräte sind überlebenswichtig für Tiere, Pflanzen und uns Menschen. Die EU-Richtlinie sichert damit auch den Schutz und Erhalt des Bodensees als größtem Trinkwasserspeicher Europas“, so die Landeschefs von BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V.) und NABU (Naturschutzbund Deutschland e. V.).
Spätestens bis 2027, so das bereits mehrfach nach hinten verschobene Ziel der Richtlinie, sollen alle Gewässer in einem „guten Zustand“ sein. Als gut werden Gewässer ausgewiesen, die ihrem natürlichen Zustand sehr nahe sind. Darüber entscheiden verschiedene Faktoren: Welche Fische, Kleinlebewesen, Algen und Wasserpflanzen leben im Wasser? Wie steht es um Temperatur oder Sauerstoffgehalt? Und wie hoch ist die Konzentration umweltgiftiger Stoffe? Auch die Struktur von Ufer und Gewässersohle oder die Durchlässigkeit eines Flusses sind entscheidend, also ob etwa eine Forelle ungehindert im Neckar von Tübingen bis Heidelberg schwimmen kann. Allerdings erfüllt bisher keines der 16 deutschen Bundesländer diese Anforderungen.

Fitness-Check: Gewässerschutz in Europa in Gefahr

2019 unterzieht die EU-Kommission die WRRL einem Fitness-Check, der die Wirksamkeit der Richtlinie überprüfen soll. Die Richtlinie wird dabei evaluiert und angepasst. Doch die EU-Wasserkonferenz im September 2018 hat gezeigt: Der Schutz unserer Gewässer ist in Gefahr. Auf Druck der industriellen Landwirtschaft wird die EU wahrscheinlich die Qualitätsstandards herabsetzen. „Weil die bisherigen Bemühungen Deutschlands und anderer EU-Mitgliedstaaten nicht ausreichend waren, um die Ziele des europäischen Gewässerschutzes zu erreichen, droht jetzt mit dem Fitness-Check eine Verwässerung der Richtlinie. Damit wird das Prinzip der Umweltvorsorge auf den Kopf gestellt. Schon jetzt erreicht kaum ein Gewässer in Deutschland einen guten ökologischen Zustand. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Standards im Gewässerschutz aufgeweicht und herabgesetzt werden. Vielmehr muss die EU alles daransetzen, damit die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie erreicht werden“, fordern Dahlbender und Enssle.

Die Auswirkungen der WRRL in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg hat das Umweltministerium bereits mitgeteilt, dass trotz vieler Anstrengungen nur wenige Gewässer bis 2021 einen guten ökologischen Zustand erreichen werden. NABU und BUND gehen sogar davon aus, dass weiterhin nur ein einziger kleiner Abschnitt der Donau an der bayerischen Grenze die Kriterien erfüllt. Bei den Seen ist die Lage etwas besser. Das Land will daher die Zeit bis 2027 nutzen, um die EU-Richtlinie zu erfüllen. „Das Land bemüht sich redlich, bindet die Öffentlichkeit bei der Umsetzung vor Ort ein und gibt Studien in Auftrag, um Probleme zu lösen. Doch schon jetzt ist klar, dass diese Bemühungen nicht ausreichen werden, um die ehrgeizigen Ziele der WRRL in ganz Baden-Württemberg zu erreichen.“
Die größten Defizite verzeichnen BUND und NABU bei der Hydromorphologie: „In unserem Gewässersystem ist der Weg für Wanderfische wie Lachs oder Äsche und andere Wasserlebewesen wie Flusskrebse, Bachmuscheln oder Köcherfliegenlarven leider häufig versperrt. Zu viele Staustufen und Wehre portionieren die Flüsse in eine Kette von Freigehegen. Für die Wasserlebewesen fehlt dann die richtige Strömung, um sie über das Hindernis zu leiten.“
„Mit unserem Appell sind wir Teil eines breiten Bündnisses aus mehr als hundert Verbänden in ganz Europa, die sich in der Initiative #ProtectWater zusammengeschlossen haben. Wir rufen daher alle Menschen in Baden-Württemberg auf, sich unserem Appell anzuschließen und mit ihrer Unterschrift ein deutliches Zeichen für einen ambitionierten Gewässerschutz zu setzen.“

Quelle: https://baden-wuerttemberg.nabu.de/news/2019/januar/25701.html

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