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Mikroplastik: Projekt will auf „stille Gefahr“ aufmerksam machen

Anlässlich des diesjährigen „Plastic Bag Free Day“ am 3. Juli startete die Natur- und Umweltschutzorganisation Global Nature Fund (GNF) gemeinsam mit europäischen Partnern das Projekt „LIFE Blue Lakes“. Ziel des Projekts ist es, deutsche und italienische Gewässer vor der unsichtbaren Gefahr zu schützen, die von kleinsten Kunststoffpartikeln ausgeht.

von | 06.07.20

Kleinste Plastikpartikel, z. B. aus allmählich zersetzten Kunststoffflaschen und -verpackungen, belasten nicht nur die Weltmeere, sondern auch europäische Binnengewässer.

Die „Naturbewusstseinsstudie 2017“ des Bundesumweltministeriums (BMU) bringt die aktuelle Situation auf den Punkt: „Plastikmüll steht unter den wahrgenommenen Gefährdungsursachen der Meere an erster Stelle. 78 % der Befragten sehen darin ein ‚sehr großes Problem‘, weitere 18 % ein ‚großes Problem‘. […] Aber damit sind nicht alle Facetten dieser markanten Problemwahrnehmung in der Bevölkerung erfasst: Mikroplastik ebenso wie radioaktive Abfälle oder hohe Anteile von Düngemitteln in den Abwässern entziehen sich häufig der persönlichen Wahrnehmung.“ Daher, so das BMU abschließend, sei es notwendig, das Bewusstsein der Bevölkerung weiter zu schärfen.
Zu diesem Zweck hat sich der Global Nature Fund (GNF) mit Partnern zusammengeschlossen, die im vierjährigen Projekt „LIFE Blue Lakes“ auf die stille Gefahr aufmerksam machen wollen. Gefördert vom LIFE-Programm der EU-Kommission und koordiniert von der italienischen Naturschutzorganisation Legambiente beteiligen sich neben dem GNF auch die Bodensee-Stiftung und vier weitere italienische Partner an gezielten Aktionen, die exemplarisch am Bodensee und Chiemsee in Deutschland sowie an den Seen Garda, Bracciano und Trasimeno in Italien umgesetzt werden. Blue Lakes widmet sich dem Ziel, bereits vorhandenes Mikroplastik zu reduzieren und zukünftiger Entstehung von Mikroplastik vorzubeugen.

Gezielte Maßnahmen im Rahmen von LIFE: Blue Lakes

Zu den geplanten Projektaktionen zählt eine Informationskampagne, die Verbraucher in den italienischen und deutschen Seenregionen dazu anregen soll, ihr Konsumverhalten zu überdenken. Gemeinsam mit der Bodensee-Stiftung tritt der Global Nature Fund mit Unternehmen der Reifen-, Textil- und Kosmetikindustrie in Austausch, um sie aktiv an der Entwicklung von Lösungen zu beteiligen, welche die weitere Verunreinigung von Seen durch Mikroplastik reduzieren und vermeiden sollen.
Die Polytechnische Universität Marken ist verantwortlich für den Entwurf und die Erprobung eines technischen Protokolls zur Reduzierung der Freisetzung von Mikroplastik aus Kläranlagen, das im Pilotgebiet des Gardasees realisiert werden soll. Die hier erarbeiteten Erkenntnisse werden den Betreibern von Kläranlagen in Italien und Deutschland unter anderem im Rahmen von Seminaren vorgestellt.
Am Bracciano und Trasimeno entwerfen und testen die Partner ein standardisiertes Überwachungsprotokoll, um in europäischen Seen vorhandene Mikrokunststoffe einheitlich zu bewerten. Auch dieses Protokoll wird an die zuständigen Behörden in Italien und Deutschland weitergegeben. Unter Beteiligung der fünf Seegemeinden bringt Blue Lakes außerdem einen partizipativen Prozess für die Ausarbeitung des Seenpapiers voran, eines freiwilligen Instruments zum Schutz der Seen, das von den lokalen Behörden und Gemeinden in den Projektgebieten angenommen und von Kommunikations- und Sensibilisierungsmaßnahmen für Bürger und Touristen begleitet werden soll.
Mehr Informationen zum Projekt: https://www.globalnature.org/de/mikroplastik-in-seen

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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