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Nachhaltige Whiskyproduktion

Kategorie:
Thema:
Autor: Jonas Völker

Nachhaltige Whiskyproduktion

Seit 1843 stellt Glenmorangie Whisky her – mit Wasser aus der eigenen nahe gelegenen Quelle, schottischer Gerste, Hefe, Hitze sowie schier endloser Geduld und Erfahrung. „Wir respektieren und pflegen die Tradition sehr“, sagt Operations Director, Dr. Peter Nelson. „Aber wir bleiben nicht stehen, vor allem in puncto Nachhaltigkeit.“
Im Jahr 2014, initiierte Glenmorangie zusammen mit der Heriot Watt Universität und der Marine Conservation Society das Dornoch Environmental Enhancement Project (DEEP). Der Plan: Die Wasserqualität und Biodiversität an der hiesigen Küste durch die Wiederherstellung riesiger Austernbänke deutlich zu verbessern, die wiederum andere Tiere anziehen.
Parallel zu diesem ehrgeizigen Projekt arbeitet das Unternehmen seit geraumer Zeit daran, negative Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern, indem es die Nebenprodukte der Destillation reinigt, einschließlich des Abwassers, das in den Dornoch-Meeresarm eingeleitet wird. Dabei spielt die Membran-Technologie des zur Freudenberg-Gruppe gehörenden britischen Unternehmens Aquabio eine entscheidende Rolle.
„Vor einem Jahrzehnt haben wir uns gefragt, wie wir die schöne Umgebung von Glenmorangie für die Zukunft bewahren und schützen können“, sagt Peter Nelson. „Wir stellten uns vor, wie eine Destillerie aussehen muss, die im Einklang mit der Natur arbeitet. Das inspirierte uns, unsere Nachhaltigkeit weiter zu verbessern."
Im Jahr 2017 eröffnete das Unternehmen eine hochmoderne Kläranlage für die Destillerie – ein großer Schritt, um die Vision zu verwirklichen. In der Anlage werden die Nebenprodukte der Destillation von Bakterien abgebaut – unter Ausschluss von Sauerstoff. Ein Prozess, der als anaerober Abbau bezeichnet wird. Die entstehenden Komponenten Biogas, kupferreicher Schlamm und Wasser können der Umwelt zugutekommen. Das Biogas wird zur Erzeugung von Dampf genutzt, der die Destilliere mit Strom versorgt und Glenmorangies Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen damit um 15 % reduziert. Der Schlamm, der Kupfer aus den Brennblasen enthält, wird an Gerstenbauern in der Region verteilt. So müssen sie weniger Düngemittel für ihre Böden zukaufen, die von Natur aus kupferarm sind.
Das Entscheidende aber ist: Das Schmutzwasser, das Glenmorangie ins Meer leitet, hat einen um 95 % reduzierten biochemischen Sauerstoffbedarf (ein Maß für organische Verunreinigungen im Wasser), sodass seine Auswirkungen auf die Meereswelt minimal sind.
Obwohl die Betriebskosten gering sind, bedeutet der Bau der Anlage eine Investition von einigen Millionen Euro. Der Clou des Systems verbirgt sich in einem Raum, in dem Business Development Manager Phil Lynch vom Freudenberg-Unternehmen Aquabio auf 16 weiße, jeweils sechs Meter lange Rohre deutet. In ihnen wird das Abwasser in mehreren Durchgängen mithilfe spezieller Membranen gefiltert, bis es die gewünschte Qualität erreicht hat. Die Membranen sind sehr wartungsarm und müssen lediglich alle sieben bis acht Jahre ausgetauscht werden.
„Es ist ein weitgehend mechanischer, energiearmer und robuster Prozess“, sagt Lynch. „Besonders stolz sind wir auf die Flexibilität des Systems: Wir passen uns den Abwässer-Mengen der Destillerie und deren Qualität an.“ Während das Verfahren schon länger von mehreren Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie angewendet wird, ist Glenmorangie die erste Whisky-Destillerie, die es einsetzt.
Langfristig will das Unternehmen seine Destillerie vollständig von nicht wiederverwertbaren Abfällen befreien und ausschließlich erneuerbare Energien nutzen. „Wir versuchen ernsthaft, die Auswirkungen auf die Umwelt weiter zu reduzieren“, sagt Peter Nelson und geht einen Schotterweg entlang, der hinunter ans Meer führt. „Das geht nicht von heute auf morgen, aber wenn man wie wir Whisky herstellt, denkt man ja automatisch in Zeiträumen von zehn Jahren und mehr. Unser DEEP-Projekt ist ein beherzter Schritt in diese Richtung.“
Nelson deutet hinaus aufs Meer, das an diesem Tag ganz ruhig ist. Hier im Dornoch-Meeresarm sollen große Austernriffe entstehen, wie es sie tausende von Jahren gab, bevor sie Anfang des 20. Jahrhunderts durch Überfischung zerstört wurden. „Die Austern filtern unser gereinigtes Wasser während der Fütterung noch einmal – und sollten schließlich die restlichen 5 % der organischen Verunreinigungen auf natürliche Weise abbauen“, fügt er hinzu.
Im Rahmen des Projekts haben Meeresforscher im Oktober 2018 begonnen, 20.000 einheimische Austern sorgfältig auf dem Meeresboden zu platzieren. Über fünf Jahre soll die Anzahl auf vier Mio. wachsen, bis schließlich ein 40 h großes, sich selbst erhaltenes Austernriff entstanden ist. Es ist das erste Mal in Europa, dass so etwas versucht wird. Es wurde umfangreich erforscht, und ein Erfolg würde sich positiv auf die Biodiversität des Meeres und die regionale Wirtschaft auswirken. „Dieser Ort hier ist seit 175 Jahren unser Zuhause,“ sagt Nelson. „Und wir wollen sicherstellen, dass der besondere Lebensraum des Firth auch für die nächsten 175 Jahre erhalten bleibt.“ 
Quelle/Weitere Informationen: https://www.freudenberg.com/de

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