Filter by Themen
Filter by Kategorien
Filter by Veranstaltungsschlagworte
FS Logoi

Steter Tropfen höhlt den Stein

Was genau an der Grenzschicht zwischen Tropfen und Stein geschieht untersuchen Bremer Forscher parallel in Experiment und Computersimulation auf molekularer Ebene.Wissenschaftler der Rice University, Texas, und des MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen haben einen Weg gefunden, die Prozesse, die bei der Auflösung kristalliner Strukturen im Wasser ablaufen, um ein Vielfaches präziser beschreiben und vorhersagen zu können als bisher möglich. Ihre Ergebnisse sind jetzt in der Fachzeitschrift The Journal of Physical Chemistry erschienen.

von | 29.11.13

NULL

Auflösungsprozess einer Kristallstruktur: Zwei SiO4-Moleküle gehen in Lösung (oben links), Quarzkristall (oben rechts) und computersimulierte Oberfläche einer sich auflösenden Kristallstruktur. A. Lüttge, MARUM

Steter Tropfen höhlt den Stein

Was genau an der Grenzschicht zwischen Tropfen und Stein geschieht untersuchen Bremer Forscher parallel in Experiment und Computersimulation auf molekularer Ebene.

Wissenschaftler der Rice University, Texas, und des MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen haben einen Weg gefunden, die Prozesse, die bei der Auflösung kristalliner Strukturen im Wasser ablaufen, um ein Vielfaches präziser beschreiben und vorhersagen zu können als bisher möglich. Ihre Ergebnisse sind jetzt in der Fachzeitschrift The Journal of Physical Chemistry erschienen.


Das Untersuchungsgebiet von MARUM-Wissenschaftler Professor Andreas Lüttge liegt im Nanometerbereich und doch ist es riesengroß. Denn der Professor für Mineralogie forscht an der dünnen Grenzschicht zwischen Mineralen und Flüssigkeiten, die praktisch überall auf der Welt vorkommt, wo Flüssigkeiten auf Minerale treffen: Wo Regen auf Stein fällt, Wasser durch Böden sickert oder auch am Meeresboden in der Tiefsee. Dementsprechend groß ist das Interesse sowohl der Naturwissenschaften als auch der Technik an den Wechselwirkungen zwischen Wasser und kristallinen Strukturen und der präzisen Vorhersagbarkeit von Auflösungsprozessen.

„Um vorhersagen zu können, was mit bestimmten Materialien in der Natur und im Zivilisationsraum geschieht, brauchen wir ein besseres Verständnis der Reaktionen und Mechanismen, die an der Grenzschicht zwischen Mineral und Flüssigkeit ablaufen“, so Lüttge.
Hierzu untersuchten er und sein Team am Beispiel von Siliziumdioxid (SiO2) – besser bekannt als Quarz, dem zweithäufigsten Mineral in der Erdkruste – die Prozesse bei der Auflösung. An der reaktiven Fläche, also der Grenzfläche zwischen Material und Flüssigkeit, laufen verschiedene Reaktionen nacheinander und teilweise auch gleichzeitig ab. Ziel der Studie war es, die dort ablaufenden Wechselwirkungen in Computersimulationen zu erfassen, um damit errechnen zu können, mit welcher Wahrscheinlichkeit welcher Prozess ablaufen wird. „Mit unserer Simulation können wir sehr genau die Wirklichkeit abbilden und damit präzise Vorhersagen zur Auflösung kristalliner Strukturen treffen“, so Lüttge. „Das bisher verwendete Modell zur Vorhersage von Auflösungsprozessen basiert auf der Verwendung von Geschwindigkeitskonstanten und birgt eine große Fehlerquelle. Da kann Vorhersage und Wirklichkeit auch schon einmal um zwei Größenordnungen auseinander klaffen.“

Um zu überprüfen, wie gut ihre Simulationen die realen Prozesse darstellen, kombinieren die Forscher Computermodelle und Experimente. Mit einem besonderen Bildgebungsverfahren, der sogenannten Vertical Scanning Interferometry, das Lüttge mitentwickelt hat, scannen die Forscher den Quarz und erstellen so eine Art Topographie der Kristalloberfläche mit einer Bildauflösung von wenigen Nanometern.

Lüttges neue Methode zur präzisen Vorhersage von Auflösungsprozessen könnte die Standardberechnungen in vielen Teilbereichen der Naturwissenschaften und der Technik revolutionieren. Die möglichen Anwendungsgebiete sind zahlreich: Ob bei der Berechnung zur Stabilität von Baumaterialien oder der Untersuchung von Barrieregesteinen in der Endlagersuche. „Wir wollen im nächsten Schritt versuchen, unsere Simulationen auf größere Systeme und längere Zeiträume zu übertragen.“

Auflösungsprozess einer Kristallstruktur: Zwei SiO4-Moleküle gehen in Lösung (oben links), Quarzkristall (oben rechts) und computersimulierte Oberfläche einer sich auflösenden Kristallstruktur. A. Lüttge, MARUM

Steter Tropfen höhlt den Stein

Was genau an der Grenzschicht zwischen Tropfen und Stein geschieht untersuchen Bremer Forscher parallel in Experiment und Computersimulation auf molekularer Ebene.

Wissenschaftler der Rice University, Texas, und des MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen haben einen Weg gefunden, die Prozesse, die bei der Auflösung kristalliner Strukturen im Wasser ablaufen, um ein Vielfaches präziser beschreiben und vorhersagen zu können als bisher möglich. Ihre Ergebnisse sind jetzt in der Fachzeitschrift The Journal of Physical Chemistry erschienen.


Das Untersuchungsgebiet von MARUM-Wissenschaftler Professor Andreas Lüttge liegt im Nanometerbereich und doch ist es riesengroß. Denn der Professor für Mineralogie forscht an der dünnen Grenzschicht zwischen Mineralen und Flüssigkeiten, die praktisch überall auf der Welt vorkommt, wo Flüssigkeiten auf Minerale treffen: Wo Regen auf Stein fällt, Wasser durch Böden sickert oder auch am Meeresboden in der Tiefsee. Dementsprechend groß ist das Interesse sowohl der Naturwissenschaften als auch der Technik an den Wechselwirkungen zwischen Wasser und kristallinen Strukturen und der präzisen Vorhersagbarkeit von Auflösungsprozessen.

„Um vorhersagen zu können, was mit bestimmten Materialien in der Natur und im Zivilisationsraum geschieht, brauchen wir ein besseres Verständnis der Reaktionen und Mechanismen, die an der Grenzschicht zwischen Mineral und Flüssigkeit ablaufen“, so Lüttge.
Hierzu untersuchten er und sein Team am Beispiel von Siliziumdioxid (SiO2) – besser bekannt als Quarz, dem zweithäufigsten Mineral in der Erdkruste – die Prozesse bei der Auflösung. An der reaktiven Fläche, also der Grenzfläche zwischen Material und Flüssigkeit, laufen verschiedene Reaktionen nacheinander und teilweise auch gleichzeitig ab. Ziel der Studie war es, die dort ablaufenden Wechselwirkungen in Computersimulationen zu erfassen, um damit errechnen zu können, mit welcher Wahrscheinlichkeit welcher Prozess ablaufen wird. „Mit unserer Simulation können wir sehr genau die Wirklichkeit abbilden und damit präzise Vorhersagen zur Auflösung kristalliner Strukturen treffen“, so Lüttge. „Das bisher verwendete Modell zur Vorhersage von Auflösungsprozessen basiert auf der Verwendung von Geschwindigkeitskonstanten und birgt eine große Fehlerquelle. Da kann Vorhersage und Wirklichkeit auch schon einmal um zwei Größenordnungen auseinander klaffen.“

Um zu überprüfen, wie gut ihre Simulationen die realen Prozesse darstellen, kombinieren die Forscher Computermodelle und Experimente. Mit einem besonderen Bildgebungsverfahren, der sogenannten Vertical Scanning Interferometry, das Lüttge mitentwickelt hat, scannen die Forscher den Quarz und erstellen so eine Art Topographie der Kristalloberfläche mit einer Bildauflösung von wenigen Nanometern.

Lüttges neue Methode zur präzisen Vorhersage von Auflösungsprozessen könnte die Standardberechnungen in vielen Teilbereichen der Naturwissenschaften und der Technik revolutionieren. Die möglichen Anwendungsgebiete sind zahlreich: Ob bei der Berechnung zur Stabilität von Baumaterialien oder der Untersuchung von Barrieregesteinen in der Endlagersuche. „Wir wollen im nächsten Schritt versuchen, unsere Simulationen auf größere Systeme und längere Zeiträume zu übertragen.“

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Stoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Wasserkraftverband warnt vor Folgen der neuen 25-kW-Grenze
Wasserkraftverband warnt vor Folgen der neuen 25-kW-Grenze

Der Wasserkraftverband Mitteldeutschland warnt vor Auswirkungen der geplanten EEG-Novelle 2027 auf kleine Wasserkraftprojekte. Neue Anlagen unter 25 kW sollen nach Angaben des Verbands keine EEG-Vergütung mehr erhalten. Zugleich fordert er, bestehende Querbauwerke vor einem Rückbau auf ihre wasserwirtschaftliche, ökologische und energetische Weiternutzung zu prüfen.

mehr lesen
Restaurierungsstopp lässt Phosphorproblem im Arendsee ungelöst
Restaurierungsstopp lässt Phosphorproblem im Arendsee ungelöst

Der Altmarkkreis Salzwedel hat Ende Juli die Genehmigung für das geplante Restaurierungskonzept des Arendsees versagt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen zugleich, woher ein wesentlicher Teil der Phosphorbelastung stammt und warum Fachleute sowohl eine Sanierung der Eintragsquellen als auch eine Reduzierung des Phosphors im See für erforderlich halten.

mehr lesen
Weniger Stagnation im Netz: Bigge erneuert Trinkwasserleitung
Weniger Stagnation im Netz: Bigge erneuert Trinkwasserleitung

Die Hochsauerlandwasser GmbH erneuert im Zentrum von Bigge rund 530 Meter einer Trinkwasser-Hauptleitung aus den 1950er Jahren. Neben dem Alter der Leitung sind defekte Armaturen und die bisherige Überdimensionierung Gründe für die Sanierung. Insgesamt investiert der Versorger rund 280.000 Euro.

mehr lesen
16 Hochwasser in zwei Jahren: Europas vergessene Flutserie
16 Hochwasser in zwei Jahren: Europas vergessene Flutserie

Die Magdalenenflut von 1342 galt lange als herausragendes Einzelereignis. Eine kürzlich veröffentlichte Studie rekonstruiert nun 16 überregionale Hochwasser zwischen 1341 und 1343 und zeigt, dass mehrere extreme Ereignisse in kurzer Folge auftraten. Die Ergebnisse sind auch für die heutige Bewertung von Hochwasserrisiken relevant.

mehr lesen
Moorschutz weltweit: Neun Erfolgsgeschichten trotz Klimamüdigkeit
Moorschutz weltweit: Neun Erfolgsgeschichten trotz Klimamüdigkeit

Moore gelten meist als Sorgenkind des Klimaschutzes – degradiert und klimaschädlich. Eine neue internationale Studie zeigt jetzt die andere Seite: neun „Bright Spots“ aus aller Welt, in denen Wiedervernässung, Renaturierung und Paludikultur bereits heute erfolgreich Klima- und Naturschutz vereinen.

mehr lesen

Passende Firmen zum Thema:

VEGA Grieshaber KG

Thema: Digitalisierung

Digitalisierung und

Barthauer Software GmbH

Thema: Digitalisierung

Netzinformationssysteme BaSYS – smart IT for smart

Sie möchten die gwf Wasser + Abwasser testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die gwf Wasser + Abwasser kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03