Filter by Themen
Filter by Kategorien
Filter by Veranstaltungsschlagworte
FS Logoi

Junges Naturparadies: Der Geiseltalsee ist „Lebendiger See des Jahres 2023″

Der Global Nature Fund (GNF) und das Netzwerk Lebendige Seen Deutschland (NLSD) ernennen den Geiseltalsee in Sachsen-Anhalt zum „Lebendigen See des Jahres 2023".

von | 03.04.23

Der Geiseltalsee ist Lebensraum für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten sowie wichtiges Naherholungsgebiet. (Bild: Global Nature Fund/Heiko Günzel)

3. April 2023 | Der Geiseltalsee ist im Rahmen von Rekultivierungsmaßnahmen in einem ehemaligen Braunkohleabbaugebiet entstanden und hat sich innerhalb von 30 Jahren zum Lebensraum für eine außergewöhnliche Flora und Fauna entwickelt.

Der Global Nature Fund (GNF) und das Netzwerk Lebendige Seen Deutschland (NLSD) ernennen den Geiseltalsee in Sachsen-Anhalt zum „Lebendigen See des Jahres 2023″. Die Auszeichnung wird anlässlich des Weltwassertages am 22. März verliehen und ist eine Anerkennung für die herausragenden Leistungen bei der Wiederherstellung der Natur und der Schaffung einer artenreichen Umgebung am und im See. Innerhalb von nur 30 Jahren hat sich dieser von einer lebensfeindlichen Grube inmitten einer kahlen Bergbaulandschaft zu einem natürlichen Kleinod mit einer einzigartigen Pflanzen- und Tierwelt entwickelt. Verschiedene Akteure vor Ort unterstützen die Aktion mit einem gemeinsamen Ziel. Der NABU, die Städte Mücheln und Braunsbedra, die Vertretungen des Tauchsports und der Saalekreis wollen den See gemeinsam für die Zukunft bewahren.

Die ungewöhnliche Geschichte eines Ökosystems

Der Geiseltalsee liegt im Süden Sachsen-Anhalts, hat eine Fläche von 1.840 Hektar, ist bis zu 76 Meter tief und besitzt ein Wasservolumen von 423 Millionen Kubikmetern. Der See wurde als Teil von Rekultivierungsmaßnahmen im ehemaligen Braunkohleabbaugebiet Geiseltal geschaffen und ist heute der größte künstliche See Deutschlands. Zusammen mit anderen Seen bildet er den Geiseltaler Seenkomplex. Die Flutung des Tagebaurestlochs begann im Jahr 2003 und wurde 2011 abgeschlossen.

In den drei Jahrzehnten seit Ende des Tagebaus hat das oligotrophe, also nährstoffarme Ökosystem des Sees eine außergewöhnliche Pflanzen- und Tierwelt entwickelt, die an die besonderen Bedingungen angepasst ist. Er beherbergt 11 verschiedene Armleuchteralgen, deren Bestände aufgrund der Klarheit des Wassers bis 13 Meter Tiefe reichen. Diverse Wasserinsekten und Fischarten fühlen sich dort heimisch, zudem 240 Vogelspezies, davon 108 Brutvogelarten und zahlreiche Durchzügler und Wintergäste. Tundrasaatgans, Kolbenente, Bienenfresser und Flussseeschwalbe sind nur einige der schützenswerten Vögel, die hier einen neuen Lebensraum gefunden haben. Der Wechsel zwischen Kippenwäldern, Lösssteilwänden, Gebüschen, Grünländern und Brachen, Rohböden und Röhrichten schafft einmalige Bedingungen für Pflanzen und Vögel in der neu entstandenen Bergbaufolgelandschaft.

Herausforderungen eines jungen Lebensraums

Der Geiseltalsee ist ein Naturparadies und ein beliebtes Freizeitziel für Besuchende aus der Region und darüber hinaus. Damit es auch weiter so bleiben kann, sollen die potentiellen Gefährdungen rechtzeitig erkannt, angesprochen und behandelt werden. Wie an vielen deutschen Seen nimmt auch hier die touristische Nutzung zu. Der See bietet Raum und Platz für Freizeitfischerei und Wassersport, in den letzten Jahren entstanden moderne Häfen und Steganlagen.

Die Schutzgebiete des Sees bleiben nicht verschont: Bootsfahren, Angeln und Störung der international bedeutsamen Rast- und Brutplätze am See kommen immer wieder vor. Der See weist eine sehr gute ökologische Qualität auf. Allerdings wird er gleichzeitig immer stärker beansprucht, ohne dass entsprechende Gegenmaßnahmen für mehr Natur- und Artenschutz getroffen werden – dies soll sich nun ändern. Für einen nachhaltigen Schutz bedarf es unter anderem eines ganzheitlichen Konzepts für Pflege und nachhaltige Nutzung von Lebensräumen sowie der Kontrolle der Einhaltung von naturschutzrechtlichen Bestimmungen. Als gute Basis für einen aktiven Dialog aller Akteure am See hat die Jury des NLSD beschlossen, den Geiseltalsee zum „Lebendigen See des Jahres 2023″ zu ernennen. Um das junge Ökosystem und die oligotrophe Qualität des Sees zu erhalten, ist die effiziente Zusammenarbeit zwischen den Aktiven vor Ort aus Naturschutz, Angelsport, Bootsverleihen, Tourismusverbänden und der lokalen Bevölkerung notwendig.

Gemeinsame Anstrengungen für den Lebendigen See

Viele positive Entwicklungen im Geiseltal sind auf die Aktivitäten des NABU Regionalverbands Merseburg-Querfurt e.V. zurückzuführen.

„Gemeinsam mit unseren Partnern möchten wir in den kommenden Jahren ein Naturschutzprojekt in der Bergbaufolgelandschaft des Geiseltals umsetzen, das die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, das störungsfreie Naturerlebnis und Arten- und Biotopschutzmaßnahmen im Gebiet fördert“, so Martin Schulze vom NABU Regionalverband.

Darüber hinaus setzt sich der Verband für die Umsetzung der EU-Vogelschutzrichtlinie am See ein und pflegt mit seinen Mitgliedern regelmäßig Steilwände als Brutplatz von Bienenfresser und Uferschwalbe sowie die Brutinseln im See.

Das Tauchzentrum Geiseltal hat in Zusammenarbeit mit dem Verband Deutscher Sporttaucher und dem NABU-Projekt „Tauchen für den Naturschutz“ bereits 25 Fachleute im Naturschutztauchen ausgebildet, die ein jährliches Monitoring der Wasserpflanzen durchführen. So kann auch die Wissenschaft die weitere Entwicklung des Sees dokumentieren und fundiert konkrete Schutzmaßnahmen empfehlen. Empfohlene Maßnahmen sind unter anderem die Einschränkung von Freizeitaktivitäten im Bereich von Schilfgürteln und anderer besonders schutzwürdiger Zonen, um den Lebensraum für Vögel und andere Tiere zu bewahren. So bleibt der See für alle Nutzenden erlebbar und langfristig schön.

„Der Geiseltalsee ist ein besonderes Beispiel für eine weitgehend gelungene Wiederherstellung von Lebensräumen nach der intensiven Nutzung durch den Menschen. Jetzt heißt es, die nachhaltige Entwicklung für das junge Naturparadies zu sichern. Die Arbeit von Initiativen, Verbänden und Kommunen muss dazu beitragen, den See weiter zu einem lebendigen und artenreichen Lebensraum zu entwickeln, der für Mensch und Natur gleichermaßen von großer Bedeutung ist“, betont Dr. Thomas Schaefer, Leiter Naturschutz & Living Lakes beim GNF. „Wir wollen mit der Wahl zum ‚Lebendigen See des Jahres‘ dazu beitragen, das Bewusstsein für die Bedeutung von Seen und Feuchtgebieten als Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten insgesamt zu stärken und den Schutz dieser wertvollen Ökosysteme zu fördern. Der Titel ist auch eine Erinnerung daran, dass wir alle eine Verantwortung für den Schutz der Natur und ihrer Artenvielfalt tragen.“

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Der Geiseltalsee ist Lebensraum für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten sowie wichtiges Naherholungsgebiet. (Bild: Global Nature Fund/Heiko Günzel)

Jetzt Newsletter abonnieren

Stoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Beregnungsexperiment im Donaumoos: dem Torf auf der Spur
Beregnungsexperiment im Donaumoos: dem Torf auf der Spur

Wenn Starkregen auf landwirtschaftlichen genutzten Moorboden fällt, hat das Konsequenzen. Welche genauen konkreten Folgen diese Ereignisse haben, untersucht ein aktuelles Projekt der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) im Donaumoos – mit einem eher ungewöhnlichen Versuchsaufbau: einer Beregnungssimulation zu drei verschiedenen Jahreszeiten.

mehr lesen
Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Günthert erhält den Bundesverdienstorden
Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Günthert erhält den Bundesverdienstorden

Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ist die höchste Auszeichnung, die die Bundesrepublik Deutschland für herausragende Verdienste um das Gemeinwohl vergibt. Verliehen wird die Auszeichnung durch den Bundespräsidenten. Am 14.4.2026 händigte Bayerns Umwelt- und Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Günthert aus.

mehr lesen
Barsiliens Wassernetze modernisieren
Barsiliens Wassernetze modernisieren

GF hat einen Vertrag im Wert von rund CHF 100 Mio. mit Sabesp, Brasiliens führendem Wasser- und Abwasserunternehmen, unterzeichnet. Er umfasst die Lieferung von Produkten und Lösungen für die Modernisierung von Wasserversorgungsnetzen im Bundesstaat São Paulo. Die 24-monatige Vereinbarung zählt zu den größten Aufträgen in der Geschichte von GF.

mehr lesen
Smarte Netze, bessere Daten
Smarte Netze, bessere Daten

Es ist ein zunehmendes Problem: Viele hydrometeorologische Messstationen arbeiten noch mit veralteter Technik, sind unterschiedlich aufgebaut oder liefern fehlerhafte Daten. Dadurch entstehen Unsicherheiten, die sich unmittelbar auf Entscheidungen auswirken können – etwa bei Hochwasserwarnungen. Zwei miteinander verbundene Projekte des Instituts für nachhaltige Wassersysteme der Hochschule Hof (inwa) beschäftigen sich mit diesem Thema.

mehr lesen
Mehr Daten, mehr Risiko? Der Umgang mit sensiblen Infrastrukturinformationen
Mehr Daten, mehr Risiko? Der Umgang mit sensiblen Infrastrukturinformationen

Wie viel Transparenz ist bei kritischen Infrastrukturen noch verantwortbar? Angesichts neuer technologischer Möglichkeiten wächst die Herausforderung, öffentlich zugängliche Informationen vor Missbrauch zu schützen. Der BDEW plädiert deshalb für ein Umdenken: Bestehende Regelungen sollen überprüft und so weiterentwickelt werden, dass sie sowohl Informationsansprüche als auch Sicherheitsanforderungen gleichermaßen berücksichtigen.

mehr lesen

Passende Firmen zum Thema:

Sie möchten die gwf Wasser + Abwasser testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die gwf Wasser + Abwasser kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03