Der Wiesensee wurde 1971 wurde von den umliegenden Gemeinden Pottum, Stahlhofen am Wiesensee und Winnen durch den Zweckverband „Seewiese“ angelegt. Diese Maßnahme sollte den Fremdenverkehr stärken und zum Hochwasserschutz beitragen. Und tatsächlich hatte sich das etwa 80 ha große Gewässer zu einem touristischen Magnet und beliebten Freizeitgebiet entwickelt.
Vollständige Entleerung im Jahr 2023
Zur Sanierung und Pflege der technischen Einrichtungen wurde der Wiesensee im Laufe der Jahre mehrmals teilweise oder ganz entleert. Im November 2021 stellte der TÜV Rheinland einige Mängel an der Stauklappe fest, welche die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord als zuständige Behörde dazu veranlassten, die teilweise Ablassung des Sees anzuordnen. Damit sollte die Stauklappe entlastet werden. Nach der Absenkung des Wasserspiegels zeigte sich, dass auch das Drosselbauwerk, der Mönch, saniert werden musste. Damit stand fest: Der See musste vollständig trockengelegt werden.
Dem kam beinahe eine Aktion einer unbekannten Person im Januar 2023 zuvor, wie die Westerwälder Zeitung am 28. Dezember 2024 in einer Rückschau berichtete: Jemand hatte den Ablass des Sees vollständig geöffnet und der See drohte leerzulaufen. Das konnte die örtliche Feuerwehr noch verhindern. So gelang es, zunächst noch sämtlich Fische aus den noch übrigen 300.000 m³ Wasser zu fangen und in Nachbarteichen und Becken unterzubringen. Kurz danach wurde das restliche Wasser abgelassen.
Schon länger gab es ökologische Probleme
Schon vor der Stilllegung der technischen Einrichtungen und der vollständigen Trockenlegung hatte der See mit massiven Problemen zu kämpfen:
- Eine schlechte Wasserqualität und ökologische Probleme: der Wiesensee hatte schon länger mit Nährstoffeinträgen durch die Landwirtschaft zu kämpfen. Diese führten zu starker Algenbildung und Sauerstoffmangel.
- Die vorhandenen Sedimente im Seebett enthielten so viele Nährstoffe, dass nach dem Wiederbefüllen innerhalb kurzer Zeit die gleichen Probleme mit schlechter Wasserqualität wieder aufgetreten wären.
- Die vollständige Entfernung der nährstoffreichen Sedimente bedeutet hohe Kosten für die Gemeinde.
- Es gab Diskussionen um alternative Nutzungskonzepte, beispielsweise als Feuchtbiotop.
- Die heißen und trockenen Sommer vor der Trockenlegung im Jahr 2020 ließen befürchten, dass eine langfristige Wasserzufuhr nicht sicher garantiert werden kann.
Bürgerproteste
Diese für Anwohner:innen, Wassersportler:innen und Fremdenverkehr unglückliche Situation führte zur Gründung der Bürgerinitiative „Wasser für den Wiesensee“. Sie will den Wiederanstau des Sees erreichen, um sowohl die ökologischen wie die touristischen Funktionen des Sees wiederherzustellen. In einer dreimonatigen Onlinepetition sammelte die Initiative 2.255 Unterschriften und reichte diese zusammen mit Handlungsempfehlungen an die zuständigen Stellen weiter. Die Übergabe der Petition im Juli 2024 wurde begleitet von einer Demonstration in Westerburg.

Ein Bild aus glücklicheren Tagen für Anwohner:innen und Wassersportler:innen, zur Verfügung gestellt vom Segelclub „Wällerwind“ Pottum e.V.
Der Wiederanstau kommt – aber wann?
Spätestens seit der verheerenden Hochwasserkatastrophe im Ahrtal und in der Eifel im Sommer 2021 gewann der Hochwasserschutz deutschlandweit massiv an Bedeutung. Und damit rückte auch diese wichtige Funktion des Wiesensees wieder in den Mittelpunkt. Der Wiederanstau wird kommen. Wichtige Vorarbeiten dafür sind schon getan: Im Mai 2024 wurde der marode Mönch durch einen neuen ersetzt. Im November wurde der Seegrund mit Spezialraupen gemäht, denn auf der Fläche waren schon bis zu vier Meter hohe Gehölze gewachsen, wie in der Westerwälder Zeitung zu lesen ist. Als Mähmaschinen fungierten umgebaute Pistenraupen, wie einem Bericht des SWR zu entnehmen ist. Die Mähmaschinen im laufenden Betrieb können in diesem Video angesehen werden.
Ausschlaggebend für den Start des Wiedersanstaus ist nun der Standsicherheitsnachweis für den knapp 300 Meter langen Damm. Die Sondierungen haben zwar im letzten Jahr schon stattgefunden, aber die Ergebnisse liegen noch nicht vor. Das Problem der hohen Nährstoffbelastung muss gelöst werden, wenn wieder Wasser im See ist. Dann soll der Seegrund im Schwimmbaggerverfahren entschlammt werden. Der Schlamm soll an einem Teilstück des Sees zur Landgewinnung genutzt werden, d.h. die Seefläche wird zukünftig kleiner sein. Die Menge des Schlamms wird derzeit von der Uni Koblenz bestimmt. Zur Entschlammung selbst soll die Verbandsgemeinde einen 90%-igen Zuschuss vom Land Rheinland-Pfalz erhalten, so die Westerwälder Zeitung. Auch soll noch untersucht werden, woher der hohe Phosphatgehalt im Seebach kommt, um diesen Schadstoffeintrag in den See zukünftig verhindern zu können.