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Moderne Klärschlammtrocknung: Schwein gehabt

Die Emschergenossenschaft hat den Probebetrieb ihrer neuen solarthermischen Klärschlammtrocknungsanlage am Standort Bottrop aufgenommen. Die Energie- und CO2-Einsparungen sind enorm.

von | 18.12.20

Wende mit dem „elektrischen Schwein“

Im Frühjahr 2019 hatte die Emschergenossenschaft mit der Errichtung der neuen solarthermischen Klärschlammtrocknungsanlage (STT) in Bottrop begonnen. Nach nur eineinhalb Jahren Bauzeit konnte nun der Testbetrieb in der STT starten.

In den ersten Hallen der riesigen Anlage wurde der erste entwässerte Klärschlamm eingebracht. Dort wird der Schlamm durch eine spezielle Wendetechnik, dem sogenannten elektrischem Schwein, regelmäßig gewendet und somit getrocknet. Gleichzeitig gingen die ersten Abluftbehandlungsanlagen in Betrieb. Damit soll eine Beeinträchtigung des Umfeldes durch den startenden Betrieb ausgeschlossen werden.

In den kommenden Wochen und Monaten werden dann Schritt für Schritt weitere Anlagenteile in Betrieb genommen, sodass die Emschergenossenschaft etwa bis Mitte 2021 den Betrieb der STT bis zur vollen Auslastung hochfahren wird. Damit ist die Emschergenossenschaft im geplanten Terminrahmen. „Das gesamte Projektteam ist sehr froh und auch ein wenig stolz darauf, dass dieses Mammutprojekt in Rekordzeit realisiert werden konnte“, sagt Peter Reese, Projektleiter bei der Emschergenossenschaft.

 

Hintergrund der Klärschlammtrocknung

Der nachhaltige Umgang mit anfallendem Klärschlamm ist für die klimaschonende Energiegewinnung enorm wichtig. Zudem enthält der Schlamm wertvolle Ressourcen, die man mittelfristig weiternutzen kann. „Bislang müssen dem Klärschlamm, der vor Ort thermisch verwertet wird, jährlich 20.000 Tonnen Kohle zugesetzt werden, um einen ausreichenden Brennwert zu erreichen. Dieser Schritt entfällt in Zukunft, der Klärschlamm wird in den „Gewächshäusern“ mittels Sonnen- und Abwärmeenergie getrocknet“, erläutert Dr. Emanuel Grün, bei der Emschergenossenschaft Vorstand für Wassermanagement und Technik. 32 Trocknungshallen mit einer Netto-Trockenfläche von 40.000 Quadratmetern sind entstanden.

 

Energetisches Vorbild für die Wasserwirtschaft – Hybridkraftwerk Emscher

Die Kläranlage Bottrop ist eine der größten Kläranlagen Deutschlands. Moderne Abwasserreinigung ist stromintensiv. Somit ist es kein Wunder, dass die Wasserwirtschaftsbranche einen der größten kommunalen Energieverbraucher darstellt. Einer der Gründe, weshalb sich die Abwasserverbände um innovative Verfahren bemühen, die die CO2-Bilanz senken, klimafreundlich, nachhaltig und richtungsweisend für die Wasserwirtschaft sind. „Wasserwirtschaft ist mehr als nur Abwassereinigung: Sie kann eine entscheidende Rolle beim Gelingen der Energiewende spielen“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft. Das Hybridkraftwerk Emscher in Bottrop kann Vorbild für zahlreiche weitere Großkläranlagen in Deutschland sein.

Der Stromverbrauch der Kläranlage Bottrop entspricht ungefähr dem einer 30.000-Einwohner-Stadt. Mittlerweile kann der Standort Bottrop diesen Bedarf komplett nachhaltig decken, denn die Kläranlage ist Deutschlands erste energieautarke Großkläranlage. Die Solarthermische Klärschlammtrocknung ist dabei nur ein Bestandteil des sogenannten Hybridkraftwerks Emscher, mit dem die Emschergenossenschaft die vor Ort benötigte Energie vollständig selbst erzeugt.

Zum Hybridkraftwerk Emscher gehören fünf erneuerbare Energieträger durch die bis zu 70.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden sollen:

  • eine Windenergieanlage mit 3,1 MW Leistung (im April 2016 eingeweiht, neue Rotorblätter seit Anfang Februar 2018),
  • vier neue Blockheizkraftwerk-Module mit jeweils etwa 1,2 MW Leistung (im Februar 2017 in Betrieb genommen),
  • eine Photovoltaikanlage auf einer Dachfläche von ca. 500 m² (ebenfalls im Februar 2017 in Betrieb genommen),
  • eine neue Dampfturbine mit mindestens 4 MW Leistung (im Dezember 2017 umgesetzt) sowie
  • die Solarthermische Klärschlammtrocknung (hat aktuell den Probebetrieb aufgenommen).

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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