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Vom Wasserwerk zum Wasserkraftwerk

Trinkwasser wird im Wasserwerk Stiepel in Bochum schon seit eineinhalb Jahren nicht mehr gefördert. Stattdessen erzeugt es nun Energie – mehr als je zuvor.

von | 24.04.17

V. l.: WMR-Geschäftsführer Frank Thiel und Rafael Schemmer, Projektleiter der Gelsenwasser AG, beim Spatenstich am Wasserkraftwerk in Bochum-Stiepel.

Die Wasserbeschaffung Mittlere Ruhr GmbH (WMR), eine Tochtergesellschaft der Gelsenwasser AG und der Stadtwerke Bochum, hat im Ruhrtal in Bochum mit den vorbereitenden Arbeiten zum Ausbau der Ökostromproduktion im Wasserkraftwerk Stiepel begonnen. Mit einem Spatenstich gab WMR-Geschäftsführer Frank Thiel den offiziellen Auftakt zum Umbau der Wasserkraftanlage und zur Errichtung eines Fischaufstiegs. Statt wie bisher zwei sollen nun vier der vorhandenen Kaplanturbinen mit Generatoren zur regenerativen Stromerzeugung ausgestattet werden. Auf diese Weise wird die WMR am Standort Bochum-Stiepel jährlich rund 5,4 Mio. Kilowattstunden Strom aus Wasserkraft erzeugen.

Ökostrom für 2.000 Haushalte

Das ehemalige Wasserwerk Stiepel verfügt über insgesamt sechs Kaplanturbinen. Davon wurden bis zur Einstellung der Trinkwasserförderung im November 2015 vier Turbinen zum Antrieb der Trinkwasserförderpumpen genutzt. Zwei Turbinen wurden bereits 1995 auf Generatorbetrieb umgestellt, um regenerativen Strom aus Wasserkraft zu gewinnen. Diese beiden Turbinen werden nun ertüchtigt und zwei weitere Turbinen mit Generatoren zur Stromerzeugung ausgestattet, so dass künftig vier Kaplanturbinen zur Stromproduktion genutzt werden können. „Nach Abschluss der Arbeiten können wir mit dem Ökostrom aus Stiepel umgerechnet mindestens 2.000 Haushalte versorgen. Der Ausbau stellt sowohl wirtschaftlich als auch technisch die beste Lösung dar“, berichtet Frank Thiel, Geschäftsführer der Stadtwerke Bochum und der WMR.

100 Jahre Trinkwasserförderung

Gemeinsam investieren Stadtwerke Bochum und Gelsenwasser am Standort Stiepel rund 2,6 Mio. Euro in die Modernisierung der Stromerzeugung. „Wir haben alle Erweiterungsoptionen umfassend geprüft. In der nun gewählten Variante können die vier Turbinengeneratoren optimal ausgelastet und Reparaturen oder Maschinenausfälle besser kompensiert werden“, erläutert Dr. Dirk Waider, Mitglied des Vorstandes der Gelsenwasser AG und Geschäftsführer der WMR. Die Arbeiten zur Modernisierung des Wasserkraftwerks sollen bis Ende 2017 abgeschlossen sein. Parallel ist die Errichtung einer Fischaufstiegsanlage direkt neben dem Gebäude des Wasserkraftwerks geplant.

Stilllegung war die wirtschaftlichere Alternative

Nach mehr als 100 Jahren war im November 2015 die Trinkwasserförderung im Wasserwerk Stiepel von zuletzt rund 14 Mio. Kubikmetern jährlich eingestellt worden. Hintergrund war die Aufforderung der NRW-Landesregierung an die Wasserwerke an der Ruhr im Jahr 2010, zum vorbeugenden Gesundheitsschutz die Wasseraufbereitungen um eine Flockungs-, Ozonungs- und Aktivkohleadsorptionsstufe sowie eine UV-Desinfektion zu ergänzen. Das Wasserwerk in Bochum-Stiepel erfüllte die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung, hätte aber um eine neue Ozonung und Aktivkohleadsorption ergänzt werden müssen. Geschätzte Kosten: rund 20 Mio. Euro. Die wirtschaftlichere Alternative war die Anbindung des Bochumer Wassernetzes an das Wasserwerk Witten der Wasserwerke Westfalen GmbH, das sich bereits in der Modernisierung befindet. Die Bochumer werden seitdem vollständig aus Witten und Essen versorgt.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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