Filter by Themen
Filter by Kategorien
Filter by Veranstaltungsschlagworte
FS Logoi

Resistente Keime an der Quelle stoppen

Anfang Februar veröffentlichten Journalisten des NDR alarmierende Recherche-Ergebnisse: Sie hatten multiresistente Keime in niedersächsischen Oberflächengewässern gefunden.

von | 20.02.18

12 Proben, 12 Treffer: NDR-Journalisten fanden in niedersächsischen Bächen, Flüssen und Badeseen multiresistente Keime

An zwölf Stellen nahmen die Reporter Proben: aus Bächen, Flüssen und an zwei Badeseen, dem Zwischenahner Meer und der Thülsfelder Talsperre. Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden und des Universitätsklinikums Gießen untersuchten das Wasser auf multiresistente Erreger. Das alarmierende Ergebnis: Alle 12 Proben waren positiv.

Mehrere Tausend Opfer jährlich

Die beteiligten Forscher waren von der Art und Vielzahl der identifizierten Erreger überrascht. Schätzungsweise sterben in Deutschland jährlich mehrere tausend Menschen an Erkrankungen durch multiresistente Keime. Gefährdet sind vor allem kranke und geschwächte Menschen, Ältere oder Neugeborene. Bei gesunden Menschen führen die Keime in der Regel nicht zu einer Erkrankung, können sich aber etwa im Darm ansiedeln und erst später eine Infektion verursachen – zum Beispiel bei einer Immunschwächung oder Operation.

Resistenzgen aus der Tierhaltung?

In fünf der zwölf Proben fanden sich Bakterien mit einem mcr-1-Gen, das sie auch gegen das wichtige Reserveantibiotikum Colistin resistent macht. Experten halten es für wahrscheinlich, dass das Resistenzgen aus der Tierhaltung stammt, wo Colistin im Gegensatz zur Humanmedizin in größeren Mengen eingesetzt wird.

Vierte Reinigungsstufe contra Verursacherprinzip

Bundesumweltamt und Bundesumweltministerium reagierten auf entsprechende Nachfragen des NDR mit der Forderung, zumindest alle größeren Klärwerke mit einer vierten Reinigungsstufe nachzurüsten. Dem widerspricht der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in einer Pressemitteilung: „Uns liegen keine Erkenntnisse vor, dass eine vierte Reinigungsstufe multiresistente Keime entfernen kann. Erste Forschungsergebnisse legen eher die Vermutung nahe, dass eine vierte Reinigungsstufe solche Erreger nicht entfernen kann“, so Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser. Umso wichtiger sei es, beim Verursacher an der Quelle der Verschmutzung anzusetzen: Stoffe, die gar nicht erst in die Gewässer gelangen, müssten auch nicht mit großem Aufwand entfernt werden. Es sei auch nicht nachvollziehbar, dass die Verbraucher über eine Erhöhung der Abwassergebühren die Zeche für die Verschmutzer zahlen sollen.

Krankenhäuser und Mastbetriebe

Neben Krankenhausabwässern, die über kommunale Kläranlagen eingeleitet werden, kommen multiresistente Keime laut BDEW vor allem aus den Mastbetrieben der Intensivlandwirtschaft in die Gewässer – aus der Gülle, die auf die Felder aufgebracht und mit dem Regen teilweise in die abgeschwemmt wird.

„Am besten an der Quelle“

Auch die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) meldet sich zu Wort. Auch dort ist man der Ansicht: „Eine Vermeidung resistenter Keime kann am besten an der Quelle erreicht werden, das heißt beispielsweise bei Krankenhäusern und in der Intensivtierhaltung“, so DWA-Präsident Otto Schaaf. Die Forderung nach einer Nachrüstung der Kläranlagen hält auch die DWA für „kritisch, weil nicht tauglich, das Problem zu lösen. Kläranlagen sind nicht die Quelle antibiotikaresistenter Bakterien, sondern stehen am Ende einer Kette aus vielen Entwicklungs- und Verbreitungspfaden.“ Infrage zu stellen sei, so Otto Schaaf, „besonders der übermäßige, vorbeugende Einsatz von Antibiotika, teilweise auch von Reserveantibiotika, in der Intensivtierhaltung“.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Stoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Wasserkraftverband warnt vor Folgen der neuen 25-kW-Grenze
Wasserkraftverband warnt vor Folgen der neuen 25-kW-Grenze

Der Wasserkraftverband Mitteldeutschland warnt vor Auswirkungen der geplanten EEG-Novelle 2027 auf kleine Wasserkraftprojekte. Neue Anlagen unter 25 kW sollen nach Angaben des Verbands keine EEG-Vergütung mehr erhalten. Zugleich fordert er, bestehende Querbauwerke vor einem Rückbau auf ihre wasserwirtschaftliche, ökologische und energetische Weiternutzung zu prüfen.

mehr lesen
Restaurierungsstopp lässt Phosphorproblem im Arendsee ungelöst
Restaurierungsstopp lässt Phosphorproblem im Arendsee ungelöst

Der Altmarkkreis Salzwedel hat Ende Juli die Genehmigung für das geplante Restaurierungskonzept des Arendsees versagt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen zugleich, woher ein wesentlicher Teil der Phosphorbelastung stammt und warum Fachleute sowohl eine Sanierung der Eintragsquellen als auch eine Reduzierung des Phosphors im See für erforderlich halten.

mehr lesen
Weniger Stagnation im Netz: Bigge erneuert Trinkwasserleitung
Weniger Stagnation im Netz: Bigge erneuert Trinkwasserleitung

Die Hochsauerlandwasser GmbH erneuert im Zentrum von Bigge rund 530 Meter einer Trinkwasser-Hauptleitung aus den 1950er Jahren. Neben dem Alter der Leitung sind defekte Armaturen und die bisherige Überdimensionierung Gründe für die Sanierung. Insgesamt investiert der Versorger rund 280.000 Euro.

mehr lesen
16 Hochwasser in zwei Jahren: Europas vergessene Flutserie
16 Hochwasser in zwei Jahren: Europas vergessene Flutserie

Die Magdalenenflut von 1342 galt lange als herausragendes Einzelereignis. Eine kürzlich veröffentlichte Studie rekonstruiert nun 16 überregionale Hochwasser zwischen 1341 und 1343 und zeigt, dass mehrere extreme Ereignisse in kurzer Folge auftraten. Die Ergebnisse sind auch für die heutige Bewertung von Hochwasserrisiken relevant.

mehr lesen
Moorschutz weltweit: Neun Erfolgsgeschichten trotz Klimamüdigkeit
Moorschutz weltweit: Neun Erfolgsgeschichten trotz Klimamüdigkeit

Moore gelten meist als Sorgenkind des Klimaschutzes – degradiert und klimaschädlich. Eine neue internationale Studie zeigt jetzt die andere Seite: neun „Bright Spots“ aus aller Welt, in denen Wiedervernässung, Renaturierung und Paludikultur bereits heute erfolgreich Klima- und Naturschutz vereinen.

mehr lesen

Passende Firmen zum Thema:

Ingenieurbüro Alwin Eppler GmbH & Co. KG

Thema: Wasseraufbereitung

Ihr vertrauensvoller Partner für innovative Trinkwasserversorgung und Abwasserbehandlung – seit über 70 Jahren Expertise in Planung und Umsetzung maßgeschneiderter

Sie möchten die gwf Wasser + Abwasser testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die gwf Wasser + Abwasser kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03