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Nahezu kein europäischer Fluss ist barrierefrei

460.000 Dämme, Brücken, Wehre und andere Strömungshindernisse wurden im Rahmen des EU-Projekts AMBER bisher in europäischen Flüssen gezählt. Bis zum Projektende rechnet man mit 600.000. Viele dieser Einbauten werden nicht mehr genutzt und könnten entfernt werden.

von | 19.08.19

Im Laufe von Jahrhunderten sind unzählige Brücken, Dämme, Wehre, Schleusen an und in den Flüssen Europas entstanden, hinzu kommen kleinere Einbauten wie Einlass- oder Entnahmebauwerke.
Viele von ihnen sind weltweit bekannte und nicht mehr weg zu denkende Bestandteile von Flusslandschaften, einige haben als Baudenkmäler Weltkulturerbe-Status errungen. Viele erfüllen wichtige Funktionen, auf die Anliegergemeinden und die Berufsschifffahrt nicht verzichten können oder wollen.
Das Auffinden und Kartieren von Strömungshindernissen, auch denen, die nicht mehr gebraucht werden und deren Rückbau zur Renaturierung eines Wasserlaufs beitragen kann, ist ein Teil des EU-Projekts AMBER (Adaptive Management of Barriers in European Rivers). Insgeamt 20 Projektpartner unter Leitung von Prof. Carlos Garcie de Leaniz von der Swansea University, UK, sind daran beteiligt. Dabei werden neben den offiziellen Daten über Flusseinbauten, die bei staatlichen oder regionalen Stellen in den verschiedenen Ländern verfügbar sind, auch die Informationen herangezogen, die im Rahmen eines Citizen Science-Projekts von interessierten Laien in ganz Europa beigetragen werden. Die Daten über Strömungsbarrieren unterschiedlicher Art werden mit Hilfe einer Barrier Tracker-App gesammelt und weiter geleitet. Im November 2019 sollen die europaweite Kartierung der Strömungsbarrieren abgeschlossen und das Ergebnis öffentlich gemacht werden. Die gesammelten Informationen sollen in die Management-Pläne für Flussregionen einfließen und Hilfestellung geben bei der Priorisierung von Renaturierungsmaßnahmen.
Welchen Einfluss einzelne Barrieren auf ein Flussökosystem haben können, wird anhand verschiedener Fallstudien deutlich, die auf der Projektwebseite veröffentlicht sind.

Drei Viertel der Flüsse weltweit sind durch menschliche Eingriffe beeinflusst

Weniger als ein Viertel der Flüsse weltweit fließt auf der gesamten Länge ungehindert durch Staudämme oder menschengemachte Regulierungen ins Meer. Dies ergab eine globale Studie unter Beteilung des Zentrums für Angewandte Geowissenschaften – Umweltsystemanalyse und der Arbeitsgruppe für Aquatische Ökologie an der Freien Universität Berlin, die in der Ausgabe 6/2019 der gwf Wasser+Abwasser vorgestellt wurde. Die Ergebnisse dieser Studie sind in [1] veröffentlicht.
Literatur: [1] G. Grill, B. Lehner, […] C. Zarfl: Mapping the world’s free-flowing rivers. Nature 569, 215-221 (2019)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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