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ExtremWetterKongress: Klimaforscher fordern Trendwende

Klimaforscher fordern eine politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Trendwende: Für Deutschland sehen sie eine Zunahme des Risikos extremer Wetterereignisse und die Notwendigkeit, Maßnahmen in der Klimaanpassung schnell zu verstärken.

von | 30.09.25

Eine „3-°C-Welt“ würde für Deutschland eine erhebliche Zunahme an Extremwetterereignissen bedeuten, so Klimaforscher in einem im September veröffentlichten Appell.
Quelle: Pixabay/MAKY_OREL

Zum Abschluss des ExtremWetterKongresses stellen die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) und die Deutsche Meteorologische Gesellschaft (DMG) einen Klimaaufruf vor. Die Fachgesellschaften kommen darin zum Schluss, dass die Beobachtungslage verdeutliche, „dass sich die Klimaentwicklung erheblich beschleunigt hat – sowohl in der Atmosphäre wie auch den Ozeanen“.

DPG und DMG weisen deshalb darauf hin, dass eine globale Erwärmung um 3 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau bereits um 2050 nicht ausgeschlossen werden könne. Folglich könne die zusätzliche Erwärmung in den nächsten 25 Jahren möglicherweise genauso stark ausfallen wie in den vergangenen 150 Jahren. Vor diesem Hintergrund mahnen die Fachgesellschaften erhebliche Versäumnisse beim Klimaschutz und gleichzeitig ein deutlich höheres Maß an Maßnahmen an. Trotz der sich beschleunigenden globalen Erwärmung haben die globale Gemeinschaft und auch Deutschland bislang nur unzureichend auf die damit verbundenen Gefahren reagiert, und der Bedrohungslage in Folge der Erhitzung werden bisher zu wenig präventive Maßnahmen entgegengesetzt.

Gemeinsamer Appell an Politik

Daher wenden sich DPG und DMG mit dem Aufruf gemeinsam an die Politik. Die Fachgesellschaften fordern dazu auf, unverzüglich ein sehr viel wirksameres Programm zur Eindämmung von menschengemachten Klimaänderungen voranzutreiben und die hierfür notwendigen Maßnahmen nicht weiter in die Zukunft zu verschieben. Aus ihrer Sicht ist es dringend notwendig, Klimaschutz und Klimaanpassung gleichzeitig zu betreiben, da ein Teil der weiteren globalen Erwärmung auch bei intensivsten Schutzmaßnahmen nicht mehr zu verhindern und andererseits die Möglichkeiten der Anpassung begrenzt seien. Die Forschenden weisen darauf hin, dass es, physikalisch betrachtet, kein „Restbudget“ an Kohlenstoffdioxid (CO2) mehr gebe.

„In der Vergangenheit wurden mögliche Wege in eine klimaneutrale Wirtschaft in zahlreichen Studien dargelegt“, so Prof. Dr. Klaus Richter, Präsident der DPG. „Basierend auf diesen Erkenntnissen besteht nach wie vor die Möglichkeit, den weiteren Temperaturanstieg zu begrenzen und Maßnahmen zum Schutz unserer Gesellschaft zu ergreifen.“

„Die in dem neuen Papier skizzierten Entwicklungsmöglichkeiten können eigentlich nicht überraschen“, so Frank Böttcher, Vorsitzender der DMG, der auf einen gemeinsamen Aufruf von DMG und DPG aus dem Jahre 1987 hinweist. „Bereits 1987 haben wir in einem gemeinsamen Papier vor einer weltweit drohenden Klimaänderung durch den Menschen in dieser Dimension gewarnt.“

Im Text des Klimastatements aus dem Jahre 1987 heißt es:

„Es besteht der begründete Verdacht, dass schon innerhalb der nächsten 100 Jahre die mittlere Temperatur […] um etwa 3 bis 9 °C ansteigen wird, wenn die bisher beobachtete Zuwachsrate in etwa konstant und die Verzögerung durch die hohe Wärmekapazität des Ozeans gering bleibt“. Laut Aufruf sind bis zum Jahr 2050 „von den damals genannten 100 Jahren 63 vergangen“.

Laut aktueller Einschätzung der Fachgesellschaften existiere eine „Konsistenz unserer heutigen Aussagen gegenüber 1987 und unterstreicht die Verlässlichkeit wissenschaftlich abgesicherter Aussagen. Auch der Schlussbewertung von 1987 schließen sich die Gesellschaften weiterhin an: ‚Die Klimaveränderungen sind […] eine der größten Gefahren für die Menschheit‘, heißt es weiter.

Forscher erwarten mehr Extremwetter für Deutschland

Eine „3-°C-Welt“ würde für Deutschland eine erhebliche Zunahme an Extremwetterereignissen bedeuten, wie die Experten festhalten. Die gelte vor allen Dingen, für „Hitze, Starkregen und Dürre“. Einer erheblich größere Gesundheitsbelastung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit sehen die Fachgesellschaften vor allem durch heiße Sommertage. Diese könnten dann um zehn °C wärmer werden.

„Die beschleunigte Erwärmung in Deutschland als Folge des Klimawandels ist keine abstrakte Zukunftsprognose, sondern seit Jahren gemessene Realität“, so Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt des Deutschen Wetterdienstes DWD. „Die zehn wärmsten Jahre seit 1881 traten alle seit dem Jahr 2000 auf. Mit der im April 2025 vom Deutschen Wetterdienst eingeführten neuen Klimatrendlinie bilden wir diese Entwicklung realistisch ab. Das ist eine wichtige Grundlage für klimabewusste politische und gesellschaftliche Entscheidungen.“

Klimaschäden bis zu 900 Milliarden Euro bis 2050 möglich

Prof. Dr. Claudia Kemfert, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), Leiterin Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt, macht deutlich: „Ohne wirksamen Klimaschutz drohen massive Wohlstandsverluste: „Küstenregionen und Städte wären zunehmend von Hochwasser bedroht, Ernten würden deutlich häufiger ausfallen, und Hitzewellen würden die Gesundheit der Bevölkerung massiv beeinträchtigen. In Deutschland könnten die Klimaschäden bis 2050 auf bis zu 900 Milliarden Euro steigen, weltweit sind bis Mitte der 2040er Jahre Einkommenseinbußen von rund 20 Prozent projiziert. Gleichzeitig erfordert die Klimaanpassung jährlich Milliardeninvestitionen. Klimaschutz dagegen ist ein ökonomischer Gewinn: Jeder investierte Euro bringt 1,8 bis 4,8 Euro zurück, vor allem, weil enorme Schäden verhindert werden.“

Ganzheitliche Trendwende gefordert

Die Klimaforscher plädieren daher für eine Trendwende in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Aktuellen Erkenntnissen zufolge seien „die Voraussetzungen dafür nicht gegeben, dass Schlüsselprozesse in diesen Bereichen den Klimaschutz ausreichend unterstützen – weder global betrachtet noch in Deutschland“. Die sozialwissenschaftliche Forschung weise daher „auf die Dringlichkeit hin, dass diese Prozesse bald eingeleitet werden müssen“. Folge sei ein „bereits jetzt schon ein erheblicher Anpassungsbedarf“. Die Forschung aber auch das Fehlen eines direkten Weges „von der Notwendigkeit der Anpassung hin zur tatsächlichen Umsetzung“, so eine weitere Auffassung der Fachgesellschaften.

„Bei der nachhaltigen Anpassung sind wir in Deutschland noch am Anfang. Vorhandene Flächen und Finanzierungsmöglichkeiten müssen jetzt klug kombiniert werden, damit Klimaschutz und Klimawandelanpassung gleichzeitig vorangetrieben werden können“, sagt Anita Engels, federführende Autorin des Hamburg Climate Futures Outlook 2024, der von über 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erstellt wurde.

DMG und DPGheben hervor, „dass die Möglichkeiten, die fortschreitende globale Erwärmung zu bremsen und damit zum Schutz der Menschen und ihrer Lebensgrundlagen beizutragen“, bereits bekannt seien.

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Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Michaela Lemmer
Deutsche Physikalische Gesellschaft e. V.
Kommunikation
Tel. +49 (2224) 9232-82
presse@dpg-physik.de

Inge Niedek
Deutsche Meteorologische Gesellschaft e. V.
Pressesprecherin
Tel: 030 616 450 50
presse@dmg-ev.de

Janina Fein
ExtremWetterKongress
Pressereferentin
presse@boettcher.science
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Weitere Informationen:

https://www.dpg-physik.de/veroeffentlichungen/publikationen/stellungnahmen-der-dpg/klima-energie/klimaaufruf
https://www.dpg-physik.de/veroeffentlichungen/publikationen/stellungnahmen-der-d… 
https://www.dpg-physik.de/veroeffentlichungen/publikationen/stellungnahmen-der-d… 
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1002/phbl.19870430811

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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