Filter by Themen
Filter by Kategorien
Filter by Veranstaltungsschlagworte
FS Logoi

Ein Kommentar zum Weltwasserbericht 2016 der UNESCO von Klement Tockner

Welche Bedeutung hat die Ressource Wasser für Wirtschaft und Beschäftigung weltweit? Ist Wasserkraft als erneuerbare Energiequelle wirklich umweltfreundlich? Und lassen sich die Auswirkungen auf natürliche Gewässer der globalen Privatisierung im Sektor der Wasserwirtschaft abschätzen? Prof. Dr. Klement Tockner, Direktor am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), kommentiert als Experte für Fragen zur Ökologie und menschlichen Nutzung von Süßgewässern den Weltwasserbericht 2016 der UNESCO.

von | 30.03.16

Prof. Dr. Klement Tockner, Direktor am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Bild: Andy Küchenmeister

Am 22. März 2016 war der Welttag des Wassers. Zu diesem Termin veröffentlicht die UNESCO-Kommission jährlich den Weltwasserbericht. Der Bericht für 2016 „Wasser und Arbeitsplätze“ analysiert, welche Bedeutung die Ressource Wasser für Wirtschaft und Beschäftigung weltweit hat. Prof. Dr. Klement Tockner, Direktor am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin, über mögliche Anknüpfungspunkte zum diesjährigen Bericht. 

Wasserkraft: erneuerbare Energiequelle – aber wirklich umweltfreundlich?

Hintergrund: Klement Tockner initiierte eine globale Datenbank zu zukünftigen Staudämmen. Aus der 2015 veröffentlichten Datenbank geht hervor, wo der Boom im Staudammbau stattfinden wird und welche möglichen ökologischen Auswirkungen damit verbunden sein werden. Das Besondere daran: Die Daten werden mit globalen Biodiversitätsdaten verknüpft, um die ökologisch kritischen Gebiete zu identifizieren.
Die Studie wurde von einem internationalen Forscherteam aufgegriffen. Basierend auf der Datensammlung publizierten sie eine Studie im Fachjournal Science zu den ökologischen und sozialen Folgen von 450 geplanten Dämmen an Amazonas, Mekong und Kongo (Balancing hydropower and biodiversity in the Amazon, Congo, and Mekong. Science, Vol. 351, no. 6269 pp 8. Januar 2016).

Die Wasserkraft erlebt einen weltweiten Boom

Derzeit befinden sich mehr als 3700 große Staudämme, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern, im Bau oder in Planung. Dabei ist Wasserkraft zwar eine erneuerbare, aber nicht unbedingt eine klimaneutrale und umweltfreundliche Energiequelle. Große Ströme – wie der Amazonas oder der Ganges – werden zunehmend verbaut. Weltweit könnte so bald jeder fünfte der verbliebenen freifließenden Flüsse für Fische und andere Lebewesen nicht mehr durchwanderbar sein. In Europa boomt hingegen der Ausbau von Kleinkraftanlagen.
Diese tragen nur wenig zur Energiesicherung bei, „verbrauchen“ dabei aber überproportional viele natürliche Ressourcen in Form von freifließenden und durchwanderbaren Gewässerabschnitten. Trotz EU-Wasserrahmenrichtlinie, in der ein Verschlechterungsverbot für Gewässer verankert ist, werden viele der selbst in Deutschland nur noch selten zu findenden freifließenden Bäche unwiederbringlich verbaut. Vor diesem Hintergrund ist es unerlässlich, bei der Errichtung neuer Staudämme einen systemischen Managementansatz zu verfolgen, der sowohl ökologische als auch soziale und wirtschaftliche Konsequenzen von allen bereits vorhandenen und geplanten Dämmen innerhalb einer Flussregion berücksichtigt.
Die Stromgewinnung durch Wasserkraft muss gründlich gegen die Beeinträchtigung von Wasserressourcen, biologischer Vielfalt und Ökosystemleistungen abgewogen werden. Dies beinhaltet auch die Umsiedlung von Menschen, den Verlust natürlicher Ressourcen sowie eine unverhältnismäßige Verteilung von Kosten und Gewinnen. Die Wissenschaftler fordern deshalb deutlich verbesserte Standards für die Errichtung und den Betrieb von Wasserkraftanlagen. Die sollen nicht nur helfen, die Stromerzeugung zu optimieren, sondern gleichzeitig auch deren negative Auswirkungen minimieren.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Stoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Mehr Daten, mehr Risiko? Der Umgang mit sensiblen Infrastrukturinformationen
Mehr Daten, mehr Risiko? Der Umgang mit sensiblen Infrastrukturinformationen

Wie viel Transparenz ist bei kritischen Infrastrukturen noch verantwortbar? Angesichts neuer technologischer Möglichkeiten wächst die Herausforderung, öffentlich zugängliche Informationen vor Missbrauch zu schützen. Der BDEW plädiert deshalb für ein Umdenken: Bestehende Regelungen sollen überprüft und so weiterentwickelt werden, dass sie sowohl Informationsansprüche als auch Sicherheitsanforderungen gleichermaßen berücksichtigen.

mehr lesen
Wege zu bezahlbarem Wasser in Megastädten
Wege zu bezahlbarem Wasser in Megastädten

Bis 2050 wird fast die Hälfte der städtischen Bevölkerung weltweit mit Wasserknappheit konfrontiert sein. Eine internationale Studie zeigt am Beispiel der indischen Millionenstadt Pune, dass besonders arme Haushalte während mehrjähriger Dürren bei der Wasserversorgung stark benachteiligt sind – trotz zahlreicher Verbesserungsmaßnahmen.

mehr lesen
Fraunhofer IEG und Wuppertaler Stadtwerke starten Machbarkeitsstudie zu Geothermie
Fraunhofer IEG und Wuppertaler Stadtwerke starten Machbarkeitsstudie zu Geothermie

Die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG und die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) setzen die Zusammenarbeit bei der geowissenschaftlichen Erkundung der tiefen Geothermie in Wuppertal fort. Ziel ist eine fundierte Machbarkeitsstudie für die Nutzung von Wärme aus mehreren tausend Metern Tiefe. Denn Erdwärme kann eine klimafreundliche und zukunftssichere Energiequelle für die städtische Wärmeversorgung darstellen.

mehr lesen
FlashPhos: Phosphor für die Industrie gewinnen
FlashPhos: Phosphor für die Industrie gewinnen

Abfall aus Kläranlagen entsorgen und gleichzeitig weißen Phosphor gewinnen: Wie das funktioniert, zeigt das neue thermochemische Verfahren FlashPhos. Es ist derzeit die einzige Technologie in Europa, die es ermöglicht, diesen wichtigen Rohstoff umweltfreundlich, effizient und kostengünstig für industrielle Anwendungen herzustellen. Ein europaweites Konsortium hat unter Koordination der Universität Stuttgart die FlashPhos-Technologie erforscht und entwickelt.

mehr lesen
Die unbekannte Insel in der Antarktis
Die unbekannte Insel in der Antarktis

Ein 93-köpfiges internationales Expeditionsteam erforscht seit Februar an Bord des Eisbrechers Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts das nordwestliche Weddellmeer in der Antarktis. In dieser Schlüsselregion für globale Meeresströmungen standen der Ausstrom von Eis und Wasser aus dem Larsen-Schelfeis-Gebiet sowie der erstaunliche Meereisrückgang der letzten Jahre im Fokus. Als wegen der rauen Wetterbedingungen die Forschungsarbeiten unterbrochen werden mussten, um im Windschatten von Joinville Island Schutz zu suchen, wurden Wissenschaft und Schiffscrew von dem plötzlichen Auftauchen einer Insel überrascht, die zuvor auf den vorhandenen Seekarten lediglich als Gefahrenzone verzeichnet war.

mehr lesen

Passende Firmen zum Thema:

Ingenieurbüro Alwin Eppler GmbH & Co. KG

Thema: Wasseraufbereitung

Ihr vertrauensvoller Partner für innovative Trinkwasserversorgung und Abwasserbehandlung – seit über 70 Jahren Expertise in Planung und Umsetzung maßgeschneiderter

Fränkische Rohrwerke Gebr. Kirchner GmbH & Co. KG

Thema: Wasserstress

Regenwasser-Behandlung, -Versickerung,

Keller & Hahn Brunnenbau GmbH

Thema: Wassergewinnung

Brunnenbau, Quellfassungen,

Sie möchten die gwf Wasser + Abwasser testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die gwf Wasser + Abwasser kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03