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Neue Fließwege im Untergrund: MTD-Technologie startet in die Anwendung

Das Fraunhofer IEG hat seine Micro-Turbine-Drilling-Technologie an die Solexperts GmbH lizenziert. Mit dem Verfahren lassen sich aus bestehenden Brunnenbohrungen gezielt kleine Seitenbohrungen herstellen. Sie vergrößern die Kontaktfläche zum Gestein und sollen dadurch den Anstrom an einen Brunnen verbessern.

von | 28.09.26

Micro Turbine Drilling (MTD®) für erhöhte Förderraten von Trink- oder Thermalwasser.
Quelle: Adobe Stock/ Helois (KI Inhalte)

Viele bestehende Brunnenbohrungen erschließen im Untergrund nur ein begrenztes Volumen – ein Umstand, der die Förderraten von Trink- oder Thermalwasser deutlich einschränken kann. Um dieses Problem zu lösen, hat das Fraunhofer IEG das Micro Turbine Drilling (MTD) entwickelt: ein Verfahren, mit dem sich aus einer bereits vorhandenen Hauptbohrung seitliche Bohrungen ins umgebende Gestein herstellen lassen. Die Technologie wurde nun an die Solexperts GmbH in Bochum lizenziert.

Brunnenbohrungen durch Micro-Sidetracks erweitern

„Mit der Lizenzierung springt unsere anwendungsnahe Forschung in einen wachsenden Markt“, sagt Dr. Frank Sachse, Leiter Transfer am Fraunhofer IEG. „Der Untergrund wird für die Wärmetransformation zunehmend genutzt. Werkzeuge, die dies effizient und zuverlässig möglich machen, erfahren eine steigende Nachfrage.“

Das MTD-Verfahren erlaubt es, gezielt seitliche Abzweige von einer bestehenden Hauptbohrung aus zu erstellen und so zusätzliche Fließwege im Untergrund zu erschließen. Damit ergeben sich neue Möglichkeiten für Planung, Erkundung und Betrieb in der Wasser- und Energiewirtschaft.

Vertrag regelt Nutzung und Rechte

Geregelt wird über den Vertrag das Recht, mithilfe des MTD eigenständig Anschlüsse von Bohrungen an definierte geologische Schichten herzustellen. Als Vertragspartner treten die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG (Hauptsitze in Bochum und Cottbus) sowie die Solexperts GmbH in Bochum auf. Die nicht-ausschließliche Lizenz schließt Schutzrechte, technisches Know-how und die Nutzung der Marke MTD mit ein – Grundlage dafür sind die Schutzrechtsfamilien „Bohrturbine und Verfahren zum Richtbohren“ aus deutschen, europäischen und US-amerikanischen Patenten bzw. Patentanmeldungen.

Mit der Bohrturbine der Fraunhofer IEG lassen sich einfacher Abzweige aus bestehenden Brunnenbohrungen erstellen. So lassen sich aus bestehenden Bohrungen zusätzliche Fließwege schaffen. (Quelle: FraunhoferIEG/Geißler.)

Durch die Bohrturbine der Fraunhofer IEG lassen sich Abzweige aus bestehenden Brunnenbohrungen mit deutlich weniger Aufwand erstellen, wodurch zusätzliche Fließwege aus vorhandenen Bohrungen heraus entstehen.

Mehr zum Bohrverfahren Micro Turbine Drilling (MTD®):

Im Zentrum des Verfahrens steht eine Mikro-Bohrturbine von weniger als fünf Zentimetern Länge und unter vier Zentimetern Breite. Angetrieben wird ihre Rotation durch Wasserdruck aus einem flexiblen Schlauch. Ein Ablenkschuh lenkt die Turbine in der gewünschten Tiefe seitlich aus dem bestehenden Bohrloch heraus – auch durch das einfassende Stahlrohr hindurch. Bei hoher Drehzahl zerkleinert der diamantbestückte Bohrkopf das umliegende Gestein, während das anfallende Bohrklein mit Wasser ausgespült wird. Je nach Gestein liegt der Vortrieb bei rund drei Metern pro Stunde. Kameras, akustische Sensoren und Rückflussanalysen begleiten dabei den gesamten Prozess und sorgen für präzises Arbeiten auch in engen Bohrlöchern.

 

Einen ausführlichen Bericht zum Verfahren und dem Weg zur Lizenzierung finden Sie in der Sommer Ausgabe unseres gwf Wasser+Abwasser Magazins (Ausgabe 07/08 2026)

 

 

 

Was ist die MTD®-Technologie?

Die MTD®-Technologie erzeugt gezielt kleine Seitenbohrungen (»Micro-Sidetracks«) aus bestehenden Brunnen und Bohrlöchern. Dadurch vergrößert sich die Kontaktfläche zwischen Bohrloch und Gestein deutlich. Es verbessert sich der Anstrom an einen Brunnen. Im Vergleich zu konventioneller Perforation reichen diese Bohrungen fünf- bis zehnmal tiefer in die Formation und vermeiden schädigende Effekte im Gestein. Auch kommt das Verfahren ohne klassische und teure Bohranlage aus (»rigless«) und eignet sich besonders für bestehende oder reaktivierte Bohrungen. Das MTD® ist in unterschiedlichen Gesteinstypen einsetzbar, darunter kristalline Hartgesteine wie Granit oder Basalt, Sedimentgesteine wie Sandstein, Tonstein und Kalkstein sowie Evaporite, beispielsweise Steinsalz. Damit eignet sich die Technologie sowohl für Anwendungen im Grundwassermanagement, im Erdöl- und Erdgasbereich als auch für die Erschließung geothermischer Reservoire, für Gewinnung von Rohstoffen wie Lithium und Kupfer aus Solen sowie für untertägige Energiespeicher.

Quelle: Frauenhofer IEG

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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