Viele bestehende Brunnenbohrungen erschließen im Untergrund nur ein begrenztes Volumen – ein Umstand, der die Förderraten von Trink- oder Thermalwasser deutlich einschränken kann. Um dieses Problem zu lösen, hat das Fraunhofer IEG das Micro Turbine Drilling (MTD) entwickelt: ein Verfahren, mit dem sich aus einer bereits vorhandenen Hauptbohrung seitliche Bohrungen ins umgebende Gestein herstellen lassen. Die Technologie wurde nun an die Solexperts GmbH in Bochum lizenziert.
Brunnenbohrungen durch Micro-Sidetracks erweitern
„Mit der Lizenzierung springt unsere anwendungsnahe Forschung in einen wachsenden Markt“, sagt Dr. Frank Sachse, Leiter Transfer am Fraunhofer IEG. „Der Untergrund wird für die Wärmetransformation zunehmend genutzt. Werkzeuge, die dies effizient und zuverlässig möglich machen, erfahren eine steigende Nachfrage.“
Das MTD-Verfahren erlaubt es, gezielt seitliche Abzweige von einer bestehenden Hauptbohrung aus zu erstellen und so zusätzliche Fließwege im Untergrund zu erschließen. Damit ergeben sich neue Möglichkeiten für Planung, Erkundung und Betrieb in der Wasser- und Energiewirtschaft.
Vertrag regelt Nutzung und Rechte
Geregelt wird über den Vertrag das Recht, mithilfe des MTD eigenständig Anschlüsse von Bohrungen an definierte geologische Schichten herzustellen. Als Vertragspartner treten die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG (Hauptsitze in Bochum und Cottbus) sowie die Solexperts GmbH in Bochum auf. Die nicht-ausschließliche Lizenz schließt Schutzrechte, technisches Know-how und die Nutzung der Marke MTD mit ein – Grundlage dafür sind die Schutzrechtsfamilien „Bohrturbine und Verfahren zum Richtbohren“ aus deutschen, europäischen und US-amerikanischen Patenten bzw. Patentanmeldungen.

Mit der Bohrturbine der Fraunhofer IEG lassen sich einfacher Abzweige aus bestehenden Brunnenbohrungen erstellen. So lassen sich aus bestehenden Bohrungen zusätzliche Fließwege schaffen. (Quelle: FraunhoferIEG/Geißler.)
Durch die Bohrturbine der Fraunhofer IEG lassen sich Abzweige aus bestehenden Brunnenbohrungen mit deutlich weniger Aufwand erstellen, wodurch zusätzliche Fließwege aus vorhandenen Bohrungen heraus entstehen.
Mehr zum Bohrverfahren Micro Turbine Drilling (MTD®):
Im Zentrum des Verfahrens steht eine Mikro-Bohrturbine von weniger als fünf Zentimetern Länge und unter vier Zentimetern Breite. Angetrieben wird ihre Rotation durch Wasserdruck aus einem flexiblen Schlauch. Ein Ablenkschuh lenkt die Turbine in der gewünschten Tiefe seitlich aus dem bestehenden Bohrloch heraus – auch durch das einfassende Stahlrohr hindurch. Bei hoher Drehzahl zerkleinert der diamantbestückte Bohrkopf das umliegende Gestein, während das anfallende Bohrklein mit Wasser ausgespült wird. Je nach Gestein liegt der Vortrieb bei rund drei Metern pro Stunde. Kameras, akustische Sensoren und Rückflussanalysen begleiten dabei den gesamten Prozess und sorgen für präzises Arbeiten auch in engen Bohrlöchern.
Einen ausführlichen Bericht zum Verfahren und dem Weg zur Lizenzierung finden Sie in der Sommer Ausgabe unseres gwf Wasser+Abwasser Magazins (Ausgabe 07/08 2026)
Was ist die MTD®-Technologie?
Quelle: Frauenhofer IEG











