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Hausanschlüsse ohne Zugang sanieren: Neues Verfahren aus dem Hauptkanal

Wie lassen sich komplexe Sanierungssituationen wirtschaftlich lösen? Was tun, wenn der Revisionsschacht auf dem Grundstück fehlt oder verbaut ist? Ein Praxisbeispiel aus Rheda-Wiedenbrück zeigt, wie sich Hausanschlussleitungen auch ohne diesen Zugang grabenlos sanieren lassen – mit einem Liner, der vom Hauptkanal aus gegen die Fließrichtung eingebaut wird. Vorgestellt wird das Verfahren auf dem 24. Deutschen Schlauchlinertag am 8. September in Kassel. Erfolgreiche Berichte aus der Praxis und bewährte Verfahren stehen im Mittelpunkt des 24. Deutschen Schlauchlinertags.

von | 28.08.26

Die grabenlose Sanierung mithilfe des neu entwickelten Verfahren BRAWO® Remote LC mit einem Liner direkt aus dem Hauptkanal.
Quelle: BRAWO SYSTEMS GmbH

Kanalsanierungen stehen heute in einem Spannungsfeld aus technischen Anforderungen, wirtschaftlichem Handlungsdruck und der Notwendigkeit, vorhandene Infrastruktur langfristig funktionsfähig zu erhalten. Unterschiedliche Schadensbilder und Randbedingungen vor Ort erfordern eine sorgfältige Bewertung, bevor geeignete Maßnahmen ausgewählt werden. Dabei geht es nicht allein um die Wahl eines Verfahrens, sondern um die Frage, welche Lösung unter den jeweiligen technischen und organisatorischen Voraussetzungen sinnvoll eingesetzt werden kann.

Wenn der klassische Zugang fehlt: der Sonderfall

Erneuerung in offener Bauweise. (Quelle: Dirk Mumm, Eigenbetrieb Abwasser der Stadt Rheda-Wiedenbrück)

Die Sanierung von Hausanschlüssen über einen Revisionsschacht ist etabliertes Standardverfahren – funktioniert aber nicht, wenn dieser Schacht fehlt, überbaut oder überpflastert ist. Je nach Entwässerungssatzung endet die Zuständigkeit der Kommune zudem oft schon an der Grundstücksgrenze. Bislang blieb in solchen Fällen meist nur die offene Bauweise: aufwendiger, mit Eingriffen in die Verkehrsfläche, längeren Bauzeiten und höheren Kosten verbunden. Für genau diese Situationen wurde ein Verfahren entwickelt, das den Liner direkt aus dem Hauptkanal heraus einbaut; ganz ohne Zugang über das Privatgrundstück. Dirk Mumm, Leiter Kanalbetrieb & Kanalsanierung beim Eigenbetrieb Abwasser der Stadt Rheda-Wiedenbrück, berichtet auf dem Schlauchlinertag von seinen Erfahrungen damit. Er betont, dass das Verfahren die klassische Sanierung über den Schacht nicht ersetzt, sondern gezielt dort ergänzt, wo die Randbedingungen es erfordern. Nach seiner Einschätzung kommt es bei rund einem Viertel der Hausanschlüsse in Rheda-Wiedenbrück zum Einsatz. Zur Marktreife entwickelt wurde die Technik in enger Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Betreiber: Der EAW stellte geeignete Hausanschlüsse für Praxistests zur Verfügung, die Erkenntnisse flossen direkt in die Weiterentwicklung ein. Mittlerweile ist das Verfahren für eine kommunale Sanierungsmaßnahme in Rheda-Wiedenbrück ausgeschrieben.

Entwicklung unter Praxisbedingungen

Zur Marktreife entwickelt wurde die Technik in enger Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Betreiber: Um den Schritt vom Labor in die Praxis zu gehen, nahm der Hersteller Kontakt zum EAW auf, der im Stadtgebiet geeignete Hausanschlüsse für die Erprobung bereitstellte und die Sanierung fachlich begleitete. Die dabei gewonnenen Erfahrungen flossen in die Weiterentwicklung ein, bis das Verfahren nach erneuten Praxistests für den Markt freigegeben wurde. Mittlerweile ist es für eine kommunale Sanierungsmaßnahme in Rheda-Wiedenbrück ausgeschrieben.

Die Sanierung eines Hausanschlusses vom Hauptkanal aus umfasst dabei mehr als den eigentlichen Linereinbau.

„Die Betrachtung des gesamten Arbeitsablaufs – von der Vorbereitung bis zur abschließenden Kontrolle – ist ein wesentlicher Aspekt des gesamten Prozesses“, beschreibt Mumm das Vorgehen.

Technische Voraussetzungen ebenso relevant

Vor der Renovierung müssen die Anschlussleitungen vom Hauptkanal aus untersucht und gereinigt werden, bei Bedarf auch von Ablagerungen oder Wurzeleinwuchs befreit. Auch die abschließende Abnahmebefahrung erfolgt über den Hauptkanal – dafür sind spezielle Inspektions-, Reinigungs- und Frässysteme mit Satellitentechnik erforderlich. Es gehe nicht nur darum, das neue Packersystem zu erwerben, man müsse auch alle Vorarbeiten vom Hauptkanal beherrschen, von der Voruntersuchung über die Reinigung bis zur Abnahmebefahrung, so Mumm.

Ein weiterer technischer Aspekt ist die Aushärtung des Liners: Das Verfahren arbeitet mit Lichthärtung, bei der die Aushärtung – anders als bei warmhärtenden Systemen – erst nach dem Einbau und dem Einschalten der UV-Lichtquelle beginnt. Dadurch lässt sich die Einschränkung der Grundstücksentwässerung während der Arbeiten auf ein vergleichsweise kurzes Zeitfenster reduzieren.

Sanierungskonzepte ergänzen und erweitern

Das neue Verfahren erweitert das Spektrum bewährter Sanierungsstrategien.

„Der unmittelbare Einblick in den Sanierungsalltag von Netzbetreibern ist ein wichtiger Bestandteil unseres Veranstaltungskonzepts“, betont Dr.-Ing. Igor Borovsky, Vorsitzender der Technischen Akademie Hannover e. V. „So wird nachvollziehbar, unter welchen Randbedingungen sich solche Lösungen einsetzen lassen und wo sie bestehende Strategien sinnvoll ergänzen.“


Quelle: Thomas Martin Kommunikation

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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