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Prozessleitsystem der zentralen Kläranlage Schkopau umgestellt

Kategorie:
Autor: Jonas Völker

Prozessleitsystem der zentralen Kläranlage Schkopau umgestellt

Früher wurde die BIOX-Kläranlage in Schkopau, die AWS Anfang 2019 vom amerikanischen Unternehmen DOW übernommen hat, über die Software MOD V gesteuert. Das Problem: Die Plattform ist eine Eigenentwicklung von DOW. „Außerdem wurde MOD vor mehr als 30 Jahren entwickelt“, sagt Projektleiter Stefan Nordbruch, „damals war die Software gut, aber heute haben wir ein viel höheres Anforderungsprofil an die Steuerungstechnik.“ Also stellte AWS von MOD V auf die moderne Leit- und Steuerungssystemtechnik S7 TIA von Siemens um. Doch was sich so einfach anhört, war in Wirklichkeit ein riesiger Berg an Arbeit, die insgesamt neun Monate in Anspruch nahm.
„Wir haben als Erstes Bestandsaufnahme gemacht, die Daten vom Altsystem übertragen und alle Betriebsinformationen Stück für Stück erfasst“, sagt Nordbruch. Allein die Datenübertragung einer solchen Anlage, die auf eine Behandlungskapazität von 400.000 Einwohnergleichwerten ausgelegt ist, nimmt viel Zeit in Anspruch. Alle Datenpunkte und Komponenten mussten vollständig in Informations- und Datenpunktlisten erfasst, jede technische Angabe und verfahrenstechnische Klartextbezeichnung dokumentiert werden.

1.000 Datenpunkte erfassen

Parameterlisten wurden erstellt, inklusive notwendiger technischer Klärungen, die Bestands-Anlagensoftware wurde abgeglichen und gesichert, alle Funktionalitäten erfasst und ins Steuerungssystem integriert. Anschließend erfolgte die Überführung der kompletten MOD V Software in Programmbeschreibungen und Programmcodes mit Listen, Textbeschreibungen und grafischen Darstellungen. Das AWS-Team identifizierte Standardfunktionen, Regler-Strukturen, Schrittketten und Signalflüsse. Die analogen und digitalen Signale bilden auch in Schkopau das Grundgerüst der großen Datenmenge der Leit- und Steuerungstechnik.
Im nächsten Schritt konnte dann die Vor- und Entwurfsplanung für die neue Hard- und Software sowie der Steuerungsschaltschränke vorangetrieben werden. An diesem Punkt in der Planung wurden auch das Umschlusskonzept abgeleitet und die Schnittstellen festgelegt. Nach Fertigstellung der Hard- und Software wurde zuerst die redundante Leitebene aufgebaut. So war die Steuerung der wichtigsten Funktionen der Kläranlage sichergestellt. Danach installierte AWS die Hauptsteuerung. Beim Test wurden mehr als 1.000 Datenpunkte Schritt für Schritt abgearbeitet und dokumentiert. Es folgte eine dreiwöchige Überprüfung und Begleitung des Betriebs per Fernwartung mit anschließender Regleroptimierung.
Dann kam der entscheidende Moment: Die Entkopplung der gesamten Leit- und Steuerungstechnik aus dem zentralen Leitsystem des DOW Olefinverbundes und die Implementierung der neuen Automatisierungssoftware. Das Fazit: „Die Umstellung ist sehr gut gelaufen“, sagt Nordbruch zufrieden und verweist noch einmal auf die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Firma REINHOLZ Software & Technology GmbH aus Itzehoe, die Soft- und Hardwareelemente zugeliefert und ihr Spezialwissen in allen Phasen der Migration eingebracht hat. Neun Monate harte Arbeit liegen hinter ihm und seinem Team vor Ort in Schkopau. Arbeit, die sich gelohnt hat. Die Anlage ist abgenommen und läuft störungsfrei.

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