Die inzwischen zweite große Hitzewelle dieses Sommers hat Europa erreicht und wirkt sich schon jetzt dramatisch auf die Pegelstände der Oberflächengewässer und das Grundwasser aus, wie das Nedrigwasserinformationssystem NIWIS meldet. Das Rekord-Niedrigwasser hat den Schiffsverkehr auf dem Rhein und Donau gestoppt und ganz nebenbei zu skurrilen Funden geführt.
NIWIS meldet Rekord-Niedrigwasser
Mit nur geringen Niederschlagsmengen und fast konstant hohen Temperaturen war die Lage der Oberflächengewässer schon im Verlauf des Juli immer prekärer geworden. Die neue Hitzewelle, die seit vergangener Woche über Europa zieht, hat diese Situation deutlich verschärft. Nur 48 der insgesamt 359 Messstellen der Oberflächengewässer in Deutschland melden kein Niedrigwasser, an mehr als 87 % der Messpunkte ist der Pegelstand niedrig (116), sehr niedrig (68) oder extrem niedrig (115), keine Daten liegen von 12 Messstellen vor.
Vor allem die Pegel der großen deutschen Flüsse sinken weiter und haben teilweise schon jetzt neue Negativ-Rekorde aufgestellt. Fast drei Viertel der Messstellen der Donau meldeten am Mittwochmorgen „extrem niedrig“, mehr als jeder zweite Messpunkt an der Weser ebenfalls. Auch um den größten deutschen Fluss, den Rhein, steht es schlecht. Mehr als jede dritte Meldung lautet „extrem niedrig“, in Köln betrug der Pegelstand am Donnerstagmorgen nur noch 66 cm, absoluter Negativ-Rekord (bisher 2018: 69 cm). Nachfolgend eine kurze Übersicht über den Zustand der größten Ströme (alle Daten Stand: 06.08.2026, 8:30 Uhr):
- Donau: 59 % extrem niedrig, 20,5 % sehr niedrig, 17,9 % niedrig, 2,6 % kein Niedrigwasser
- Rhein: 29,6 % extrem niedrig, 8,8 % sehr niedrig, 32,8 % niedrig, 25,6 % kein Niedrigwasser, 3,2 % keine Daten
- Weser: 25,5 % extrem niedrig, 27,5 % sehr niedrig, 17,6 % niedrig, 27,5 % kein Niedrigwasser
- Oder: 22,2 % extrem niedrig, 11,1 % sehr niedrig, 11,1 % niedrig, 55,6 % kein Niedrigwasser
- Elbe: 8,8 % extrem niedrig, 13,6 % sehr niedrig, 27,2 % niedrig, 47,2 % kein Niedrigwasser, 3,2 % keine Daten
- Ems: 33,3 % sehr niedrig, 44,4 % niedrig, 22,2 % kein Niedrigwasser
- Maas: 25 % sehr niedrig, 37,5 % niedrig, 37,5 % kein Niedrigwasser
- Eider: 50 % sehr niedrig, 50 % kein Niedrigwasser
Auch dem Bodensee setzt die anhaltende Hitze zu. Konstanz meldete heute einen Stand von 285 cm und dami 1 cm weniger als am Vortag. Wie dramatisch die Lage ist, zeigt ein Blick auf das Vorjahr. Am 5. August 2025 betrug der Pegelstand 405,5 cm und damit 120 cm mehr als aktuell.
Alle aktuellen Werte gibt es hier:
Oberflächenwasser (NIWIS)Hitze gefährdet auch Grundwasserstände
Doch nicht nur die Oberflächengewässer melden Negativ-Rekorde. Auch die Grundwasserstände sinken weiter, wie das NIWIS berichtet. An nur 55 von 287 Messstellen (19,1 %) wird kein Niedrigwasser gemeldet. 65 Messpunkte sind „niedrig“, 79 „sehr niedrig“ und 60 „extrem niedrig“, keine Daten melden 28 Messpunkte. Besonders alarmierend sind die aktuellen Werte in Süddeutschland (alle Werte Stand: 06.08.2026, 8:30 Uhr):
- Alpen: 80 % extrem niedrig, 20 % sehr niedrig
- Südwestdeutsches Grundgebirge: 66,7 % extrem niedrig, 33,3 % sehr niedrig
- Alpenvorland: 54,5 % extrem niedrig, 27,3 % sehr niedrig, 9,1 % niedrig, 9,1 % kein Niedrigwasser
- West- und süddeutsches Schichtstufen und Bruchstollenland: 29,4 % extrem niedrig, 11,8 % sehr niedrig, 32,4 % niedrig, 23,5 % kein Niedrigwasser, 2,9 % keine Daten
Alle aktuellen Werte gibt es hier:
Grundwasser (NIWIS)Niedrigwasser sorgt für kuriose Funde in Deutschland, Bulgarien und Serbien
Wie extrem niedrig die Pegelstände tatsächlich sind, zeigen einige kuriose Funde in ganz Europa. So tauchte das sogenannte Edersee-Atlantis in diesem jahr so früh wie noch nie auf. Im Ederseetal wurde 1913 eine Sperrmauer gebaut, weshalb die drei Dörfer Asel, Berich und Bringhausen umgesiedelt wurden. Die Ruinen der drei Dörfer wurden anschließend überschwemmt und locken viele Touristen in die Region.
In Serbien tauchten in der Donau die Wracks deutsche Kriegsschiffe aus dem 2. Weltkrieg auf. Die bislang immer vollständig unter Wasser verborgenen Wracks waren Teil der Schwarzmeerflotte der Wehrmacht und wurden 1944 kurz vor dem Rückzug vor der Roten Armee von der Besatzung selbst versenkt.
Einen überraschenden Fund machten bulgarische Archäologen bei Rjachowo an der Donau. Dort wurden im ausgetrockneten Flußbett die Überreste eines Mammuts entdeckt. Laut dem Regionalen Geschichtsmuseum der Donaustadt Russe handelt es sich bei dem Fund um einen Unterkiefer, zwei Stoßzähne und eine Rippe eines Mammuts. Fachleute seien nun dabei, die Herkunft und das Alter des Urzeit-Tieres zu bestimmen. Anschließend werden die Überreste getrocknet und konserviert.









