Das anhaltende Niedrigwasser in der Donau hat nahe der serbischen Stadt Prahovo zahlreiche Schiffswracks aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt. Die außergewöhnlich niedrigen Pegelstände infolge von Trockenheit und Hitze verdeutlichen nicht nur die hydrologischen Auswirkungen extremer Wetterlagen, sondern lenken auch den Blick auf bestehende Herausforderungen für Schifffahrt und Gewässermanagement.
Niedrigwasser macht historische Hindernisse sichtbar
Die Schiffe wurden im Herbst 1944 während des Rückzugs der deutschen Wehrmacht gezielt versenkt, um den Vormarsch sowjetischer Truppen auf der Donau zu erschweren. Nach heutigen Schätzungen befinden sich in der Umgebung des Hafens von Prahovo rund 200 versenkte Schiffe unterschiedlicher Größe. Bei sinkenden Wasserständen treten Teile der Wracks regelmäßig an die Oberfläche.
Die verbliebenen Schiffsrümpfe verengen die Fahrrinne in diesem Abschnitt der Donau erheblich. Nach Angaben der Europäischen Investitionsbank (EIB) reduziert sich die nutzbare Breite der Fahrrinne von etwa 180 auf knapp 90 Meter. Dadurch entstehen regelmäßig Einschränkungen für den Güterverkehr auf einer wichtigen europäischen Wasserstraße.
Auswirkungen auf Wasserwirtschaft und Schifffahrt
Für die Wasserwirtschaft verdeutlicht der Fall, wie sich klimatisch bedingte Niedrigwasserereignisse mit historischen Altlasten überlagern können. Sinkende Pegel erschweren nicht nur die Schifffahrt, sondern beeinflussen auch Unterhaltungsmaßnahmen an Bundes- und internationalen Wasserstraßen. Gleichzeitig können bislang verdeckte Hindernisse oder potenzielle Gefahrenstoffe sichtbar werden.
Nach Angaben der EIB verursachen die Behinderungen im Schiffsverkehr wirtschaftliche Verluste von rund fünf Millionen Euro pro Jahr. Einige der Wracks enthalten möglicherweise weiterhin Munition, wodurch Bergungsarbeiten technisch anspruchsvoll und sicherheitsrelevant sind.
Bergungsprojekt bis 2028 geplant
Die Europäische Union unterstützt gemeinsam mit der Europäischen Investitionsbank die Bergung von 21 besonders verkehrsbehindernden Wracks. Für das Projekt stellt die EIB einen EU-Zuschuss von 16 Millionen Euro bereit. Zwei Wracks wurden bereits im Jahr 2024 geborgen.
Je nach Zustand der einzelnen Schiffe kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz. Dazu zählen das Zerlegen unter Wasser, das Ausgraben der Wracks oder das kontrollierte Einbetten in den Flussgrund, sofern eine Bergung nicht möglich ist.
Bedeutung für die Wasserwirtschaft
Das Beispiel an der Donau zeigt, dass langanhaltende Niedrigwasserphasen weit über hydrologische Fragestellungen hinausreichen. Sie beeinflussen die Schiffbarkeit von Wasserstraßen, den Erhalt der Infrastruktur sowie die Planung von Unterhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen. Gleichzeitig unterstreichen sie die Bedeutung eines integrierten Gewässermanagements, das sowohl klimatische Veränderungen als auch historische Belastungen berücksichtigt.
Die Schiffswracks im Video








