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Gletscherabbruch in der Schweiz

Am 28. Mai 2025 ereignete sich im Lötschental im Kanton Wallis ein außergewöhnlicher Gletscherabbruch: Der Birchgletscher stürzte unter der Last von Millionen Kubikmetern Fels und Schutt ab und begrub das Dorf Blatten nahezu vollständig. Dieser Vorfall zählt zu den gravierendsten Naturkatastrophen in den Schweizer Alpen seit Jahrzehnten.

von | 11.06.25

Das Lötschental vor dem Abbruch des Birchgletschers
Sara /Adobe Stock

Der Abbruch wurde durch mehrere Felsstürze am Kleinen Nesthorn ausgelöst. Diese brachten große Mengen Gestein auf den Gletscher, was den Druck auf das Eis erhöhte und die Bildung von Schmelzwasser an der Basis und im Inneren des Gletschers begünstigte. Dies führte zu einer Destabilisierung des Gletschers und beschleunigte seine Bewegung. Am 28. Mai glitt eine große Eismasse zusammen mit dem aufliegenden Schutt in das Tal und verschüttete das Dorf Blatten nahezu vollständig.

Die ETH Zürich und die Forschungsanstalt WSL überwachen die Entwicklung des Birchgletschers seit Jahren. Obwohl die genauen Ursachen des Abbruchs noch nicht abschließend geklärt sind, deuten die gesammelten Daten darauf hin, dass die Felsstürze und die damit verbundene Auflast eine entscheidende Rolle bei der Auslösung des Gletscherabbruchs spielten.

Eine Feldbegehung im Abbruchgebiet am 1. Juni hat den Forschenden neue Einblicke gewährt, die sie in einem Faktenblatt zusammengefasst haben.

„Wir wissen, dass es schon vor dem Abbruch am Mittwoch mehrere Felslawinen gab und sich deswegen Gesteinsmassen auf dem Gletscher ansammelten“, sagt Daniel Farinotti, der mit den ETH- und WSL-Forschenden Matthias Huss und Mylène Jacquemart das Faktenblatt verfasst hat. Und weiter erklärt er: „Mit diesen Daten und unseren Kenntnissen versuchen wir Forschende, die Behörden zu unterstützen, die unter schwierigsten Bedingungen unglaubliche Arbeit leisten, um den Überblick über die Situation zu behalten und die Lage für die Menschen zu verbessern.“

Mehrere Faktoren führten zur Katastrophe

Eine Kombination mehrerer Faktoren führte zum Abbruch des Birchgletschers. Über 10 Millionen Tonnen aufgehäuften Gesteins erhöhten den Druck und die Spannungen auf das Gletschereis, was die Bildung von Schmelzwasser und den Wasserdruck im Gletscher verstärkte. Zusätzlich sorgten Regen und instabile Bergpartien für eine weitere Destabilisierung und beschleunigten den Eisfluss. Auslöser des Abbruchs war schließlich das Abrutschen eines größeren Teils der Flanke des Kleinen Nesthorns.

Die ungewöhnlichen Bewegungen des Gletschers wurden schon länger von Forschenden und Behörden beobachtet. Seit 2019 war die Gletscherfront etwa 50 Meter vorgestoßen, und zwischen 2017 und 2023 nahm die Eisdicke an der Zunge um bis zu 15 Meter zu, während der obere Teil dünner wurde. Verantwortlich dafür ist das aufliegende Gestein, das die Schmelze an der Oberfläche bremst.

Auftauen des Permafrosts

Gemäß dem aktualisierten Faktenblatt ist zwar noch nicht geklärt, ob ein direkter Zusammenhang zwischen dem Auftauen des Permafrostes und dem Einsturz des Birchgletschers besteht. Es wird aber vermutet, dass steigende Temperaturen auch das Auftauen des Untergrunds, die Zunahme von Felsstürzen und in diesem Fall auch das ungewöhnliche Vorrücken des Gletschers begünstigt hätten.  Die ETH Zürich und die WSL setzen ihre Forschung fort, um die genauen Mechanismen hinter solchen Ereignissen besser zu verstehen und zukünftige Risiken besser einschätzen zu können.

Es gibt Parallelen zu anderen Fels- bzw. Gletscherabstürzen, beispielsweise zum Felssturz am Pizzo Cengalo im Jahr 2017 auf. Damals stürzten rund drei Millionen Kubikmeter Fels auf einen kleinen Gletscher, rissen diesen teilweise mit und lösten einen Murgang aus, der erhebliche Schäden an der Infrastruktur des Dorfes Bondo verursachte. Bei diesem Ereignis kamen acht Menschen ums Leben.

Ein noch größeres Unglück ereignete sich am 2. September 2002 im russischen Kaukasus: Beim Kollaps des Kolka-Karmadon-Gletschers stürzten etwa 100 Millionen Kubikmeter Eis bis zu 19 Kilometer ins Tal, verschütteten das Dorf Nizhniy Karmadon und forderten 125 Todesopfer.

Im Wallis konnten die systematische Überwachung und die vorsorgliche Evakuierung des betroffenen Dorfes Blatten eine solche Tragödie weitgehend vermeiden. «Unsere Gedanken bleiben bei der Gemeinde Blatten und der unglaublichen Arbeit, die die lokalen Behörden und andere Akteure vor Ort leisten», schliesst Daniel Farinotti.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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