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Goldene Kanaldeckel für besondere Leistungen zur Abwasserentsorgung

Bereits zum 15. Mal hat das Institut für Unterirdische Infrastruktur (IKT) besondere Leistungen aus den Bereichen Stadtentwässerung und Abwasserentsorgung prämiert: Die Jury wählte zwei Projekte zur Starkregenvorsorge und eine äußerst schwierige Kanalinspektion aus.

von | 16.09.19

Preisträger des Goldenen Kanaldeckel 2019 (v.l.n.r.): Tycho Kopperschmidt, Solingen (1. Platz), Hans-Jörg Schulz, Koblenz (3. Platz, vertreten durch Ralf Saftig), Frank Große, Jena (2. Platz), Laudator Arnold Schmidt, NRW-Umweltministerium

Für die Jury – bestehend aus Hans-Joachim Bihs, Vorstand des Wirtschaftsbetriebs Hagen und Vorsitzender des IKT-Aufsichtsrats, Artur Graf zu Eulenburg, Chefredakteur B_I umweltbau, Dr.-Ing. Marco Künster, Geschäftsführer der RAL-Güteschutz Kanalbau, sowie IKT-Geschäftsführer Roland W. Waniek – war es auch dieses Jahr wieder eine spannende aber zugleich auch schwierige Aufgabe, aus den eingereichten Bewerbungen drei Projekte zu benennen, deren Initiatoren mit dem „Oscar“ der Kanalbranche ausgezeichnet werden.

Erster Preis: Integrale Kanalnetzplanung in Solingen

Tycho Kopperschmidt von den Technischen Betrieben Solingen erhielt den ersten Preis für die Implementierung und Leitung des neu eingeführte, eigenständigen Sachgebiets "Integrale Entwässerungsplanung" in Solingen. Unabhängig von bisher bestehenden Trennungen von Verantwortungen und Zuständigkeitsbereichen innerhalb der Stadt wird die neue Abteilung gesamtkommunales Handeln zur Klimafolgeanpassung organisieren und konzeptionell umsetzen. 
Als Aufgabe des neuen Sachgebietes gilt es, den aktuellen und zukünftigen Umgang mit der Ressource Abwasser zu entwickeln. Dabei spielen neben der schadlosen Ableitung von Starkregenereignissen sowie der Speicherung und Nutzung von Starkregenwasser zur Bewässerung von Stadtgrün in Trockenphasen auch Fragen der Energienutzung des Abwassers eine Rolle.
Technische Grundlagen, bauliche Maßnahmen, rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen, die Einbeziehung aller betroffenen Fachbereiche sowie ein Konzept zur Bürgerinformation sind in dem neu gegründeten Sachgebiet „integrale Entwässerungsplanung“ konzeptionell gebündelt und bilden die Grundlage für das Entwickeln und das Realisieren einer zukunftsfähigen Stadtentwässerung.

Zweiter Preis: Starkregenvorsorge in Jena

Dieser Preis wurde an Frank Große vom Zweckverband JenaWasser verliehen für die Entwicklung der Klimaanpassungsstrategie "Starkregen- und Überflutungsvorsorge".
In Jena ermöglicht künftig ein erweiterter Generalentwässerungsplan die gemeinsame Betrachtung von Hydraulik, Schmutzfracht und Stoffumwandlungsprozessen. Dazu wurden das gesamte Abwassernetz in den Blick genommen und kritische Stellen für Wasseraustritt lokalisiert. Für verschiedene Regenintensitäten können nun verlässliche Aussagen zu den Wasserspiegelhöhen und Fließwegen des austretenden Wassers gemacht werden – und damit auch Aussagen zu den Schadenspotenzialen durch Starkregen und Überflutung. Durch das Wissen um hydraulische Schwachstellen im Netz können frühzeitig Maßnahmen für notwendige Anpassungen der Kanalabschnitte geplant und umgesetzt werden.
Jenaer Bürger werden durch den Zweckverband direkt vor Ort auf ihren Grundstücken zum Überflutungsschutz beraten.
Mit Hilfe einer Sulfidbilanz kann nun die aktuelle und zukünftige Sulfidentwicklung des Kanalnetzes abhängig von der Niederschlagsentwicklung berechnet werden. Damit können Maßnahmen gegen eine Geruchsbelästigung und sulfidbedingte Schäden an der Kanalsubstanz abgeleitet werden.

Dritter Preis: Inspektion des Moseldükers in Koblenz

Der dritte goldene Kanaldeckel 2019 ging an Hans-Jörg Schutz vom Eigenbetrieb Stadtentwässerung in Koblenz. Im oblag die Aufgabe der Inspektion des Moseldükers, der 44 Jahre ohne Inspektion und Wartung in Betrieb war.
Die Auswahl des Inspektionsverfahrens war dadurch eingeschränkt, dass eine optische Inspektion, die eine vorherige Entleerung des Dükers erfordert, aus hydrostatischen Gründen als nicht praktikabel eingeschätzt wurde. Statt dessen wurde das SLOFEC-Verfahren, das auf Wirbelstrom beruht, gewählt. Das musste in Zusammenarbeit mit dem Anbieter zunächst an die konkrete Aufgabe und die aktuell geltenden Normen angepasst werden. Außerdem erforderte diese Messtechnik eine anspruchsvolle Reinigung der Rohre. 
Die beiden Rohrstränge des Dükers zeigten nur an ihrer Außenseite minimale Korrosion. Fazit: kein Sanierungsbedarf – auch nach 44 Jahren Dauerbetrieb unter teils schwierigen Bedingungen mit starken Strömungen und Hochwassern.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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