Feuchtgebiete wie Moore, Fließgewässer, Auen oder Sümpfe gehören zu den ökologisch wertvollen, zugleich aber stark geschädigten Ökosystemen Europas. Sie leisten wichtige Beiträge für Klimaschutz, Biodiversität und Wasserhaushalt, stehen jedoch häufig in Konkurrenz zu landwirtschaftlicher Nutzung, regionaler Entwicklung oder Tourismusinteressen.
Aktuell gewinnt die Renaturierung von Feuchtgebieten und weiteren Ökosystemen an politischer und gesellschaftlicher Bedeutung. Die 2024 verabschiedete EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur muss nun von den einzelnen EU-Mitgliedstaaten in nationale Wiederherstellungspläne überführt werden. Doch die Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen gelingt selten harmonisch: Je stärker der Druck auf die biologische Vielfalt ansteigt, desto häufiger kommt es zu Konflikten aufgrund von unterschiedlichen Interessen, Werten, Wissen und Zuständigkeiten der beteiligten Akteure.
Konflikte verstehen und bearbeiten
Hier setzt das neue Forschungsprojekt PathChange an. Ziel ist es, Ansatzpunkte zu erarbeiten, die zeigen, unter welchen Bedingungen Konflikte im Kontext von Renaturierung konstruktiv bearbeitet werden können. Zudem soll gezeigt werden, wie Renaturierungsmaßnahmen wirksamer, fairer und die Biodiversität fördernd gestaltet werden können. Die Ergebnisse des Projekts fließen sowohl in wissenschaftliche Diskurse als auch in politische und praktische Entscheidungsprozesse auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene ein.
Europäische Fallstudien
Das Projektteam untersucht Renaturierungsprozesse in vergleichenden Fallstudien in Deutschland, Belgien, Rumänien und Spanien. So können regional spezifische Maßnahmen und politische Strukturen betrachtet, Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in Konfliktdynamiken verstanden und Handlungsempfehlungen erarbeitet werden.
Das Projektteam verbindet wissenschaftliche Analysen mit transdisziplinären Forschungsansätzen: In Workshops und Dialogformaten mit Akteuren aus Praxis, Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft werden Konfliktlagen erfasst, reflektiert und Handlungsoptionen entwickelt, die es ermöglichen, die Konflikte konstruktiv zu bearbeiten. Dabei werden auch kunstbasierte Methoden verwendet. Zudem untersucht das Projektteam, wie sich Governance-Strukturen auf die Konfliktdynamik und den Schutz von Feuchtgebieten auswirken.
Hintergrund
Das Forschungsprojekt wird von einem europäischen Konsortium aus Forschungs- und Praxispartnern getragen. Das ISOE koordiniert das Projekt und bringt seine Expertise in der sozial-ökologischen Transformations- und Konfliktforschung ein. PathChange wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) sowie durch die beteiligten nationalen Fördereinrichtungen im Rahmen des Biodiversa+-Förderprogramms „BiodivTransform – Biodiversity and Transformative Change“ gefördert und hat eine dreijährige Laufzeit.
Forschungs- und Projektpartner
- Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE, Projektleitung)
- Eigen Vermogen van het Instituut voor Natuur-en Bosonderzoek (EV-INBO), Brüssel, Belgien
- Ghent University, Faculty of Political and Social Sciences, Ghent, Belgien
- University of Bucharest, Research Centre in Systems Ecology and Sustainability, Bukarest, Rumänien
- University of Almería, Department of Biology and Geology, Almerìa, Spanien
Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:
Apl. Prof. Dr. Diana Hummel
Forschungsfeld Biodiversität und Gesellschaft
diana.hummel@isoe.de
Quelle: ISOE







