Im internationalen Forschungsprojekt DAMAST untersuchen deutsche, georgische und armenische Partner die sicherheitsrelevanten Prozesse rund um den Enguri-Staudamm. Ziel des Projekts ist die Entwicklung übertragbarer Monitoring- und Sicherheitskonzepte für Talsperren in erdbebengefährdeten Regionen.
Sensibles Messnetz installiert
Im Fokus der Forschungsarbeit stehen moderne Überwachungstechnologien, mit denen kleinste Veränderungen an der Staumauer und im umliegenden Gestein frühzeitig erkannt werden können. Dafür wurde rund um den Enguri-Staudamm ein neues seismisches Messnetz installiert, das selbst schwache Mikrobeben registriert. Die Forscher analysieren unter anderem, wie sich Wasserstandsschwankungen im Reservoir auf die lokale Seismizität auswirken.
Darüber hinaus kommen radarbasierte Deformationsmessungen zum Einsatz. Mithilfe eines Ground-based Synthetic Aperture Radar (GB-SAR) lassen sich Bewegungen der Staumauer mit einer Genauigkeit im Millimeterbereich erfassen. Die Messungen erfolgen teilweise in Echtzeit und liefern wichtige Erkenntnisse über Belastungen durch Wasserdruck, Temperaturänderungen oder geologische Prozesse.
Herausfordernder Forschungsstandort
Die Forschungsarbeiten sollen dazu beitragen, Risiken frühzeitig zu erkennen und die langfristige Betriebssicherheit großer Wasserkraftanlagen zu verbessern. Angesichts zunehmender Extremwetterereignisse und der wachsenden Bedeutung von Wasserkraft im Zuge der Energiewende gewinnt die Überwachung kritischer Wasserinfrastrukturen weltweit an Bedeutung.
Hinzu kommt die besondere geopolitische Lage der Anlage: Der Enguri-Staudamm liegt auf georgisch kontrolliertem Gebiet, während zentrale Teile des Wasserkraftwerks in Abchasien liegen. Damit ist der Betrieb der Infrastruktur auf eine funktionierende Zusammenarbeit über eine politisch hoch sensible Grenze hinweg angewiesen.
Gerade deshalb gilt der Enguri-Staudamm nicht nur als technisches, sondern auch als politisches Schlüsselbauwerk. Er verbindet Fragen der Energieversorgung, der Versorgungssicherheit und der regionalen Stabilität. Die Anlage zeigt exemplarisch, wie eng kritische Wasser- und Energieinfrastruktur mit geopolitischen Konfliktlagen verknüpft sein kann.
Das Projekt DAMAST gewinnt vor diesem Hintergrund zusätzliche Bedeutung: Die wissenschaftlichen Untersuchungen liefern nicht nur Erkenntnisse zur Alterung, Sedimentation und seismischen Belastung des Bauwerks, sondern schaffen auch eine fachliche Grundlage für einen langfristig sicheren Betrieb dieser grenzüberschreitend relevanten Infrastruktur.
Weiterführende Informationen:
Beitrag auf ARTE, mdr AKTUELL







