Filter by Themen
Filter by Kategorien
Filter by Veranstaltungsschlagworte
FS Logoi

Warum Meerestiere in Klimakrisen kleiner werden

Eine internationale Studie zeigt, dass Meerestiere seit Hunderten Millionen Jahren in Zeiten starker Umweltkrisen und globaler Erwärmung häufig kleiner werden. Für ihre Analyse werteten Forschende rund 9.000 Datensätze aus fossilen, historischen und modernen Untersuchungen aus und identifizierten ein langfristiges Muster. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die heutige Erderwärmung ähnliche Auswirkungen auf marine Ökosysteme haben könnte.

von | 08.07.26

Die Studie legt nahe, dass der heute beobachtete Trend zu kleineren Fischen und wirbellosen Meerestieren kein kurzfristiges Phänomen ist.
Quelle: Adobestock/: 618148692

Ob Muscheln, Krebse oder Fische: Meerestiere reagieren seit Hunderten Millionen Jahren auf Umweltkrisen häufig mit einer Abnahme ihrer Körpergröße. Das zeigt eine neue Studie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gemeinsam mit den Universitäten Warschau und Lille. Demnach ist der sogenannte „Lilliput-Effekt“ insbesondere während starker globaler Erwärmungsphasen ausgeprägt. Die Forschenden sehen darin ein Warnsignal im Hinblick auf den heutigen Klimawandel. Ihren Ergebnissen zufolge könnte die aktuelle Erderwärmung ebenfalls dazu führen, dass Meerestiere künftig kleiner werden.

Für die Studie wertete das Forschungsteam fast 9.000 Größenänderungen aus fossilen, historischen und modernen Untersuchungen aus. Dadurch konnten Veränderungen der Körpergröße von Meerestieren über einen Zeitraum von rund 450 Millionen Jahren miteinander verglichen werden.

„Unsere Daten belegen, dass die Abnahme der Körpergröße eine allgemeine Reaktion von Meerestieren auf Umweltkrisen ist“, sagt Dr. Paulina Nätscher, frühere Wissenschaftlerin am Lehrstuhl für Paläoumwelt an der FAU und Erstautorin der Studie. „Wir beobachten dieses Phänomen in sehr unterschiedlichen Tiergruppen, von Zwergwuchs in einzelnen Arten bis hin zu einer Dominanz kleinerer Arten in ganzen Lebensgemeinschaften. Er ist ein deutliches Zeichen dafür, dass Ökosysteme unter Stress stehen.“

Erwärmungsphasen zeigen besonders starke Veränderungen

Besonders deutlich fielen die Veränderungen während Phasen globaler Erwärmung aus.

„Bei allen Umweltkrisen, ob sie durch Erwärmung herbeigeführt wurden oder nicht, liegt ein Rückgang der Körpergröße in Lebensgemeinschaften vor“, erklärt ihr Kollege Dr. Kenneth De Baets von der Universität Warschau. „Besonders ist jedoch, dass Krisen mir starker Erwärmung zu deutlich stärkeren und wechselhafteren Veränderungen direkt innerhalb der Arten führen; also zu einer echten Verzwergung. Im Durchschnitt fallen diese Effekte etwa doppelt so stark bei Erwärmung aus, wie bei anderen Krisen.“

Auch der Zusammenhang zwischen Temperaturanstieg und Körpergröße sei deutlich erkennbar, sagt Professor Wolfgang Kießling, Leiter des Lehrstuhls für Paläoumwelt an der FAU. Demnach nehme der Rückgang der Körpergröße mit steigenden Temperaturen zu. Die Erdgeschichte liefere damit ein deutliches Warnsignal für die Zukunft der Ozeane.

Langfristige Folgen für Meeresökosysteme

Den Ergebnissen zufolge ist der heute beobachtete Trend zu kleineren Fischen und wirbellosen Meerestieren kein kurzfristiges Phänomen, sondern Teil eines langfristigen Musters. Setzt sich die globale Erwärmung fort, könnten kleinere Körpergrößen in den Weltmeeren künftig häufiger auftreten – mit möglichen Auswirkungen auf Nahrungsketten und Fischerei.

Zur Studie

Originalpublikation: Unique fingerprint of marine ectotherm body size change during hyperthermal crises | PNAS

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Stoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Arendsee gibt 10.500 Jahre alte Holzfunde frei
Arendsee gibt 10.500 Jahre alte Holzfunde frei

Bei unterwasserarchäologischen Untersuchungen im Arendsee haben Forschende außergewöhnlich gut erhaltene, bis zu 10.500 Jahre alte Hölzer entdeckt. Die Funde könnten von bislang unbekannten Konstruktionen aus der Mittelsteinzeit stammen und neue Erkenntnisse über die Lebensweise damaliger Jäger und Sammler liefern.

mehr lesen
Ecomondo 2026: Wasserwirtschaft und resiliente Infrastrukturen
Ecomondo 2026: Wasserwirtschaft und resiliente Infrastrukturen

Vom 3. bis 6. November 2026 bringt die Ecomondo in Rimini Unternehmen, Versorger, Forschung und Politik aus der Green, Blue und Circular Economy zusammen. Für die Wasserwirtschaft stehen unter anderem Wasser- und Abwasserbehandlung, resiliente Infrastrukturen, Digitalisierung, Wasserwiederverwendung und die europäische Wasserpolitik im Mittelpunkt.

mehr lesen
DVGW-Kongress: EU-Vorgaben für Trinkwassermaterialien
DVGW-Kongress: EU-Vorgaben für Trinkwassermaterialien

Welche komplexen europäischen Regelungen ab dem 31.12.2026 gelten, beleuchtet der DVGW-Kongress am 17. November 2026 (online). Im Fokus stehen die neuen EU-Regularien für Materialien im Kontakt mit Trinkwasser: Europaweite Positivlisten, Zertifizierung und Konformitätsbewertung lösen die bisherigen nationalen UBA-Bewertungsgrundlagen ab – diese bleiben unter bestimmten Voraussetzungen nur noch bis maximal 2032 anwendbar. Offene Fragen reichen vom Umgang mit Bestandsprodukten bis zu Bleigrenzwerten bei metallenen Werkstoffen.

mehr lesen
Innovationspreis für Echtzeitmonitoring im Gewässerschutz
Innovationspreis für Echtzeitmonitoring im Gewässerschutz

Das Projekt „Mehr Wasser für die Aue“ verbindet Gewässerentwicklung mit modernem Echtzeitmonitoring. Dafür wurden wilde-natur.org und der UHV 20 „Untere Oste“ beim niedersächsischen Gewässerwettbewerb „Bach im Fluss 26“ mit dem Innovationspreis ausgezeichnet.

mehr lesen

Passende Firmen zum Thema:

Sie möchten die gwf Wasser + Abwasser testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die gwf Wasser + Abwasser kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03