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Tiefsee-Überraschung: Wie Seegras winzige Meeresbewohner in ungeahnte Tiefen transportiert

Winzige blinde Passagiere auf großer Reise. Forschende entdeckten im Roten Meer Seegras in über 600 Metern Tiefe – mit ungewöhnlichen Mitfahrern: Foraminiferen, die normalerweise nicht so tief vorkommen. Diese Entdeckung zeigt, dass treibende Pflanzen eine verborgene Rolle im marinen Ökosystem spielen könnten.

von | 17.03.25

Die abgebildete Foraminifere wurde in einer Sedimentprobe des Umluj-Salzsees in über 600 Metern Tiefe im Roten Meer vor der Küste Saudi-Arabiens und somit weit vom nächsten Flachwassergebiet entfernt gefunden. Man sieht an der Schale noch Algenreste.
Quelle:Marleen Stuhr, ZMT

Ein internationales Forschungsteam hat im Roten Meer eine Entdeckung gemacht, die bisherige Annahmen über die Verbreitung von Mikroorganismen im Ozean infrage stellt. In einer Tiefe von über 600 Metern fanden sie gut erhaltene Seegräser – eine Überraschung, denn diese Pflanzen wachsen normalerweise in flachen, lichtdurchfluteten Gewässern. Doch damit nicht genug: An den Seegräsern hafteten winzige Foraminiferen, einzellige Meeresorganismen mit Kalkschalen, die üblicherweise in deutlich geringeren Tiefen vorkommen.

„Diese Reise war für uns eine große Überraschung“

Die entdeckten Foraminiferen gehören zu den Gattungen Amphistegina, Sorites und Amphisorus, die typischerweise nicht tiefer als 100 Meter vorkommen. Ihre Anwesenheit in der Tiefsee wirft eine spannende Frage auf: Wie gelangten sie dorthin?

„Wir hätten niemals erwartet, diese Arten in so großen Tiefen zu finden. Ihre Anwesenheit legt nahe, dass sie durch treibendes Seegras oder Algen transportiert wurden“, erklärt einer der beteiligten Wissenschaftler.

Das bedeutet, dass Meeresorganismen auf bisher unbekannte Weise große Distanzen zurücklegen und sogar extreme Lebensräume erreichen können.

Treibende Seegräser als geheime Transportmittel

Dass Pflanzen als Transportvehikel für Mikroorganismen dienen, war bisher wenig erforscht. Der Fund im Roten Meer zeigt, dass Foraminiferen nicht nur in Küstengewässern leben, sondern durch natürliche Driftbewegungen des Seegrases in völlig neue Regionen gelangen können. „Die Möglichkeit, dass sich Mikroorganismen durch treibende Pflanzen verbreiten, eröffnet ganz neue Perspektiven für die Erforschung mariner Lebensräume“, betont ein Forscher aus dem Team. Diese Art der Verbreitung könnte eine bedeutende Rolle für das ökologische Gleichgewicht im Ozean spielen.

Was bedeutet das für die Wissenschaft?

Die Entdeckung wirft viele neue Fragen auf. Welche anderen Meeresorganismen könnten auf diese Weise in unzugängliche Tiefen gelangen? Wie beeinflusst diese Art des Transports die Verbreitung und Anpassung mariner Lebewesen? Und welche Rolle spielt der Klimawandel, der durch steigende Meerestemperaturen und veränderte Strömungsverhältnisse möglicherweise neue Transportwege für Mikroorganismen eröffnet?

„Wir stehen erst am Anfang, dieses Phänomen zu verstehen“, erklärt das Forschungsteam.

Klar ist jedoch: Die Tiefsee birgt noch viele Geheimnisse, und manchmal braucht es nur eine treibende Pflanze, um sie ans Licht zu bringen.


Originalpublikation: Seagrass-rafted large benthic foraminifera transported into the deep Red Sea | Scientific Reports

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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