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Schwammstadt für mehr Wassersicherheit an Schulen in Mexiko-Stadt

Herausforderungen durch starke Unwetter für Megastädte: Die 23. Mio.-Einwohner Metropole wurde erst jüngst im Oktober 2025 von den tropischen Wirbelstürme "Priscilla" und "Raymond" getroffen, die zu Überschwemmungen, Wasserknappheit und einer überlasteten Infrastruktur führten. Der Masterstudent Christopher Funk untersuchte während eines Forschungssemesters im Wintersemester 2024/25, wie dort innovative Konzepte zur nachhaltigen Wasserbewirtschaftung beitragen können.

von | 03.02.26

Überschwemmungen in Mexiko-Stadt bringen große Herausforderungen mit sich.
Quelle: Adobe Stock/miloantares

Im Auftrag des Instituts für nachhaltige Wassersysteme (inwa) analysierte Herr Funk das Potenzial des sogenannten Schwammstadt-Konzepts an zwei Schulen in der mexikanischen Metropole. Das Schwammstadt-Konzept ist ein zentraler Bestandteil von Forschung und Lehre am inwa. Christopher Funk hatte sich bereits als studentische Hilfskraft mit entsprechenden Fragestellungen beschäftigt, als er den Wunsch nach einem Forschungssemester im Ausland äußerte. Mexiko-Stadt bot sich als Untersuchungsraum an, da die Stadt trotz hoher Niederschlagsmengen unter massiver Wasserknappheit leidet. Große Wasserverluste im Leitungsnetz, sinkende Grundwasserspiegel und die Folgen des Klimawandels verschärfen die Situation zusätzlich.

Prof. Günter Müller-Czygan vom inwa erinnert sich:

„Herr Funk sprach mich auf das Forschungssemester in Mexiko-Stadt an, als wir gerade an der Digitalisierung eines Gründachs an einer Grundschule in Schauenstein arbeiteten. Daraus entstand die Frage, wie Schulen in Mexiko-Stadt mit den Herausforderungen des Klimawandels umgehen und welche Rolle Schwammstadt-Lösungen dabei spielen.“

Wasserspeicherung und Kühlung durch Schwammstadt-Konzept

Das Schwammstadt-Konzept wurde Mitte der 2000er-Jahre entwickelt und ab 2013 in China systematisch eingesetzt, um Städte widerstandsfähiger gegen Starkregen und Überschwemmungen zu machen. Die Grundidee ist einfach: Regenwasser soll nicht möglichst schnell abgeleitet werden, sondern dort gespeichert, wo es fällt. Durch Gründächer, Versickerungsflächen oder bepflanzte Mulden kann Wasser im Boden zurückgehalten, gefiltert und dem Grundwasser wieder zugeführt werden. Gleichzeitig sorgen diese Maßnahmen in Trockenperioden für Verdunstung und damit für Kühlung – ein wichtiger Beitrag gegen urbane Hitzeinseln. Auch in Mexiko-Stadt gibt es erste Initiativen, die auf grün-blaue Infrastruktur und die Bedeutung von Böden setzen. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel zwischen übergeordneten städtischen Strategien und vielen kleineren Einzelmaßnahmen. Schulen spielen in diesem Kontext eine besondere Rolle, da sie nicht nur Flächen bieten, sondern auch Orte des Lernens und der Sensibilisierung sind.

Schulen als Schlüsselorte für Wassersensibilität

In seinem Forschungsprojekt konzentrierte sich Christopher Funk auf zwei ausgewählte Schulen in Mexiko-Stadt. Ziel war es, zu untersuchen, welche Schwammstadt-Elemente dort sinnvoll eingesetzt werden können, welche Rahmenbedingungen ihre Umsetzung begünstigen oder hemmen und welche Empfehlungen sich daraus ableiten lassen. Inspiriert war dieser Ansatz durch frühere Untersuchungen der Hochschule Hof, die gezeigt hatten, dass reale Schwammstadt-Lösungen auch im Grundschulunterricht einen großen Mehrwert bieten können.

„Es war beeindruckend zu sehen, wie sehr das Schwammstadt-Konzept den Schulalltag bereichern kann“, berichtet Funk. „Schon einfache, pragmatische Lösungen zeigten spürbare Effekte im Umgang mit Wasserknappheit.“

Praktische Umsetzung mit wissenschaftlichem Ansatz

Methodisch setzte die Studie auf einen sogenannten Mixed-Methods-Ansatz, der qualitative und quantitative Verfahren kombiniert. Auf Basis einer systematischen Literaturrecherche wurden soziale, wirtschaftliche und politische Bewertungskriterien entwickelt, die anschließend durch Interviews mit Schulleitungen und Lehrkräften ergänzt wurden. Die Aussagen der Befragten wurden ausgewertet, vergleichbar gemacht und in einem Entscheidungsmodell zusammengeführt, um das Gesamtpotenzial der Schwammstadt-Ansätze an den Schulen zu bewerten.

Schwammstadt-Konzept hat hohes soziales Potenzial aber strukturelle Hürden

Untersucht wurden eine Grundschule im Stadtteil Iztapalapa sowie eine weiterführende Schule im Bezirk Gustavo A. Madero. In beiden Fällen zeigte sich ein hohes soziales Potenzial: Schwammstadt-Maßnahmen lassen sich gut in den Schulalltag integrieren und stoßen bei Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern auf große Akzeptanz. Gleichzeitig traten deutliche Einschränkungen zutage. Wirtschaftliche Unsicherheiten, insbesondere bei Finanzierung und Wartung, sowie unklare Bauvorschriften und fehlende politische Unterstützung begrenzen die Umsetzungsmöglichkeiten. Während die weiterführende Schule aufgrund besserer finanzieller Rahmenbedingungen etwas günstiger abschnitt, blieb das politische Umfeld an beiden Standorten ein zentraler Hemmfaktor.

Handlungsempfehlungen

Aus den Ergebnissen leitete Christopher Funk konkrete Empfehlungen ab. Dazu zählen unter anderem ein besserer Zugang zu Grünflächen und eine stärkere Einbindung von Nachhaltigkeit in den Unterricht. Aber auch die Förderung externer Partnerschaften sowie klarere rechtliche Rahmenbedingungen und eine intensivere Zusammenarbeit mit Behörden. Auch eine langfristige Finanzierung und weiterführende Forschung mit größerer Stichprobe wurden als wichtige nächste Schritte identifiziert.

Fortschritt in nachhaltiger Stadtentwicklung

Das Forschungsprojekt zeigte somit, wie Hochschulforschung konkrete Antworten auf globale Herausforderungen liefern kann. Am Beispiel von Schulen wurde dabei deutlich, dass Schwammstadt-Konzepte nicht nur technische Lösungen sind, sondern auch soziale und bildungsbezogene Wirkung entfalten. Für Megastädte wie Mexiko-Stadt kann dies ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu mehr Wassersicherheit und nachhaltiger Entwicklung sein – mit Impulsen aus Hof, die weit über die Region hinausreichen.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Günter Müller-Czygan


Quelle: Hochschule Hof – University of Applied Sciences

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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