Die Schwammregion soll im Naturpark Soonwald-Nahe künftig dazu beitragen, Wasser länger in der Landschaft zu halten und die Folgen von Trockenheit sowie Starkregen zu mindern. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt das Vorhaben der Hochschule Geisenheim mit rund 175.000 Euro. Kommunen sowie Land- und Forstwirtschaft sollen dabei eng zusammenarbeiten, um geeignete Maßnahmen für einen besseren Wasserrückhalt umzusetzen.
Schwammregion als Beitrag zur Klimaanpassung
Was Schwammstadt-Konzepte im urbanen Raum leisten sollen, soll im Naturpark Soonwald-Nahe auf ländliche Gebiete übertragen werden. Wälder und Felder sollen bei Starkregen möglichst viel Wasser aufnehmen und bei Trockenheit kontrolliert wieder an die Landschaft abgeben. Dadurch soll der landschaftliche Wasserrückhalt gestärkt werden.
Projektmanagerin Jenny Eckes von der Hochschule Geisenheim erläutert den Ansatz:
„Ein Leitfaden listet erfolgreiche Beispiele für Wasserrückhalt auf. Außerdem helfen wir Betrieben aus Forst- und Landwirtschaft bei der Realisierung neuer Maßnahmen.“
Das Projektteam entwickelt den Leitfaden unter der Leitung von Dr. Jörn Schultheiß und Prof. Dr. Eckhard Jedicke. Neben der Dokumentation geeigneter Ansätze steht deren praktische Umsetzung in der Region im Mittelpunkt.
DBU-Generalsekretär Alexander Bonde unterstreicht die Bedeutung solcher Projekte für die Klimaanpassung:
„Denn manchmal sind Anpassungen erforderlich, damit Natur gegen Klimaveränderungen robust wird.“
Nach seinen Worten sichere dies die Lebensgrundlage der Kommunen und ermögliche den langfristigen Erhalt mittelständischer Forst- und Landwirtschaft.
Maßnahmen für einen verbesserten Wasserrückhalt
Nach Angaben des Projektteams besitzt die Region aufgrund jahrhundertelanger menschlicher Eingriffe derzeit nur ein geringes Potenzial, Wasser in der Landschaft zu halten. Zu den Ursachen zählen unter anderem Entwässerungsgräben an Feldern und im Wald, die den Wasserabfluss begünstigen und die Anfälligkeit gegenüber Trockenheit und Überschwemmungen erhöhen können.
Jenny Eckes betont, dass das Projekt Landnutzung und Umwelt miteinander verbinden soll:
„Unser Ziel ist ein Miteinander von Landnutzung und Umwelt, auch wenn wir vergangene Eingriffe nicht rückgängig machen können.“
Eine mögliche Maßnahme besteht darin, Gräben im Wald an mehreren Stellen zu verplomben. Dadurch soll Wasser wieder stärker in den Wald geleitet und der Abfluss reduziert werden. Weitere Ansätze sind kleine Wasserrückhaltebecken, bodenschonende Bewirtschaftung und die Pflanzung von Gehölzen zum Erosionsschutz auf Ackerflächen.
In Zusammenarbeit mit dem Bergwaldprojekt e.V. entstehen zudem Holzkästen im Wald, die vor Geröll und Schlamm schützen sollen.
Bedeutung der Schwammregion für Wasserwirtschaft und Kommunen
Der Wasserrückhalt betrifft nicht nur Wälder und landwirtschaftliche Flächen. Ohne ausreichende Versickerung können Starkregenereignisse auch für angrenzende Kommunen zum Risiko werden. In Trockenperioden können sinkende Grundwasserstände zudem die Trinkwasserversorgung beeinträchtigen.
Jenny Eckes beschreibt die möglichen Folgen eines verminderten Wasserrückhalts:
„Wenn zum Beispiel Wälder weniger Wasser aufnehmen können, droht bei Starkregen eine Überflutung nahliegender Äcker. Pflanzen werden zerstört, fruchtbare Erde geht verloren.“
Kommunen sowie Land- und Forstwirtschaft sind deshalb nach Einschätzung des Projektteams auf eine enge Zusammenarbeit angewiesen. Nach Angaben der Hochschule sollen die Maßnahmen dazu beitragen, den landschaftlichen Wasserrückhalt zu verbessern und Risiken durch Trockenheit, Erosion und Starkregen zu verringern.
Eckes hebt zudem den gesellschaftlichen Nutzen hervor:
„Wenn Menschen gemeinsam anpacken, um die Landschaft vor Ort klimaresilienter zu machen, stärkt das die ganze Region.“
Leitfaden soll auf andere Regionen übertragbar sein
Die DBU betrachtet das Projekt im Naturpark Soonwald-Nahe als Vorhaben mit Modellcharakter. Der entstehende Leitfaden soll Maßnahmen bündeln, die sich an unterschiedliche regionale Bedingungen anpassen lassen.
DBU-Referentin Dr. Sina Volz erklärt:
„Die im Leitfaden gesammelten Maßnahmen lassen sich mit regionalen Anpassungen gut auf andere deutsche und europäische Gebiete übertragen.“
Das während der Projektlaufzeit entstehende Netzwerk soll auch nach dem Ende der Förderung bestehen bleiben und den langfristigen Aufbau der Schwammregion unterstützen.
Fazit
Das Projekt im Naturpark Soonwald-Nahe verfolgt das Ziel, den landschaftlichen Wasserrückhalt zu verbessern und damit die Folgen von Trockenheit, Starkregen und Bodenerosion abzumildern. Dafür sollen Kommunen sowie Land- und Forstwirtschaft eng zusammenarbeiten und geeignete Maßnahmen gemeinsam voranbringen. Jenny Eckes fasst den angestrebten Nutzen für die Region zusammen:
„Eine umweltverträgliche Schwammregion kommt allen Menschen vor Ort zugute. Städte sind geschützter vor Überschwemmungen. Lokale Landwirtschaft gewährleistet sichere Lebensmittelversorgung und Wälder und Wiesen können Wasser besser speichern.“
Der Leitfaden und das regionale Netzwerk sollen dazu beitragen, die Maßnahmen dauerhaft zu verankern und Erfahrungen für weitere Schwammregionen bereitzustellen.
Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt









