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Neues Spurenstoffzentrum im Kampf gegen Mikroschadstoffe im Abwasser

Die Qualität unseres Wassers hält uns einen deutlichen Spiegel vor: Denn unser alltägliches Leben, Medikamente, die wir nehmen und industrielle Prozesse spülen täglich Spurenstoffe in das Abwasser. Doch herkömmlichen Reinigungsstufen von Kläranlagen können diese nur bedingt herausfiltern. Zum Aufbau und Betrieb eines landeseigenen Spurenstoffzentrums starten Forschende der TH Lübeck zusammen mit dem Land Schleswig-Holstein nun ein dreijähriges Forschungs- und Entwicklungsprojekt.

von | 18.03.26

Forschungsingenieur Jascha Hödl, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Labor für Siedlungswasserwirtschaft, erklärt Dr. Muriel Helbig, Präsidentin der TH Lübeck, anhand einer Wasserprobe die 2. und 3. Reinigungsstufe in der VAK.
Quelle: Lutz Roeßler

Spurenstoffe stellen kommunale Kläranlagen zunehmend vor große Herausforderungen. Die gesetzlichen Anforderungen steigen, nicht zuletzt durch die novellierte Kommunalabwasserrichtlinie (KARL), die den Ausbau bestimmter kommunaler Kläranlagen mit einer zusätzlichen vierten Reinigungsstufe vorgibt.

Um eben diesen Herausforderungen gerecht werden zu können, soll das neue Spurenstoffzentrum nach Lösungen suchen – möglichst individuell und auf die Anforderungen der unterschiedlichen Anlagen im Land Schleswig-Holstein angepasst. Seit zwei Jahrzehnten befassen sich die Mitarbeiter*innen des Labors für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik der TH Lübeck bereits mit Maßnahmen zum Schutz der Gewässer.

Erweiterung der Kläranlage um Pilotanlage zur 4. Reinigungsstufe

Die in Reinfeld auf dem Gelände der kommunalen Kläranlage stehende Versuchs- und Ausbildungskläranlage (VAK) der Hochschule wurde bis Ende 2025 nun erweitert. Um die eigentliche Versuchshalle herum stehen aktuell eine Handvoll blauer und roter Container – dabei handelt es sich um Pilotanlagen der sogenannten vierten Reinigungsstufe.

Die vierte Reinigungsstufe ist eine relativ neue Erweiterung von Kläranlagen. Grundlage ist eine EU-Richtlinie, die festlegt, dass klassische Kläranlagen mit ihrem meist dreistufigen Verfahren viele Mikroschadstoffe nicht ausreichend entfernen können. Die Liste an potenziell schädlichen Stoffen ist lang. Ein Beispiel ist dabei der in Schmerzmitteln vorhandene Wirkstoff Diclofenac. Er gelangt hauptsächlich über das Abwasser – zum Beispiel durch das Abwaschen von Schmerzsalben – in Seen und Flüsse. Selbst in geringen Dosen kann er dort toxisch auf Fische und andere Wasserlebewesen wirken.

Und genau an diesem Punkt setzt das Forschungs- und Entwicklungsprojekt der TH Lübeck in Kooperation mit dem Land Schleswig-Holstein jetzt an. Die Versuche zur vierten Reinigungsstufe sollen dafür sorgen, dass beispielsweise im Fall von Diclofenac 80 Prozent der Spurenstoffe zurückgehalten werden können – aktuell seien es 20 bis 30 Prozent, wie der örtliche Leiter der VAK, Prof. Dr.-Ing. Kai Wellbrock, erklärt.

Reinfeld: Neues Forschungsprojekt in der Versuchs- und Ausbildungskläranlage (VAK), Minister Tobias Goldschmidt. Quelle: Lutz Roeßler

Umweltminister Tobias Goldschmidt zu Gast bei Projektstart

Zum Startschuss der Inbetriebnahme der Pilotanlagen ist auch Umweltminister Tobias Goldschmidt vor Ort und erklärt:

„Das neue Spurenstoffzentrum wird Kommunen bei diesem Vorhaben unterstützen und Wissenschaft mit Praktikern zusammenbringen. Ich bin überzeugt, dass das Spurenstoffzentrum zu einem Projekt mit Strahlkraft wird, das für die Menschen in unserem Land viel Gutes bewegen wird: für innovatives Wassermanagement, für angewandte Forschung und für gesundes Wasser in Schleswig-Holstein.“

Die Pilotanlage zur vierten Reinigungsstufe besteht aus mehreren modular und transportabel konzipierten Verfahrensstufen. Zur Verfügung stehen dem Team der VAK unter anderem die Ozonung oder Filtration über Aktivkohle. Die Verfahren können einzeln, aber auch in Kombination eingesetzt werden. Da sie direkt an das System der Kläranlage angeschlossen sind, kann unter realen Bedingungen getestet und geforscht werden. Der Vorteil: Die Container mit den verschiedenen Verfahrensstufen können auch bei anderen Anlagen zum Einsatz kommen und damit die Entscheidungsfindung beeinflussen, auf welche Weise die jeweiligen Anlagen in Bezug auf die vierte Reinigungsstufe umgebaut werden könnten.

Neues Zentrum als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis

Am Standort in Reinfeld herrscht seit mehr als 20 Jahren also eine symbiotische Zusammenarbeit zwischen der TH Lübeck und der kommunalen Kläranlage. Das hebt auch Reinfelds Bürgermeister Roald Wramp noch einmal deutlich hervor: „Wir sind stolz darauf, Gastgeber einer solchen Versuchs- und Ausbildungskläranlage zu sein“, und ergänzt: „Denn diese spielt auch eine zentrale Rolle in der Ausbildung von Fachkräften.“

Muriel Helbig, Präsidentin der TH Lübeck, betont:

„Dies ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wasserwirtschaft und ein bedeutendes Vorhaben für uns als Technische Hochschule an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis.“

Das Spurenstoffzentrum wird genau das vereinen, wofür die Technische Hochschule steht: praxisnahe, angewandte Lehre und Forschung mit Lösungen für die Gemeinschaft.


Quelle: Technische Hochschule Lübeck

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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