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Neu entdeckte Käferschnecke erhält Namen

Im Rahmen einer Social-Media-Aktion haben die Senckenberg Ocean Species Alliance, der wissenschaftliche Verlag Pensoft Publishers und der Science-YouTuber „Ze Frank“ einen Namen für eine neu entdeckte Käferschnecke aus der Gattung Ferreiraella gesucht. Aus über 8.000 in den sozialen Medien eingereichten Vorschlägen wählte das Forschungsteam, das die neue Art beschrieben hat, den Namen Ferreiraella populi aus. Der lateinische Zusatz „populi“ bedeutet wörtlich übersetzt „der Menschen“ und würdigt die gemeinschaftliche Namensfindung.

von | 10.02.26

Der wissenschaftliche Name der neu entdeckten Tiefsee-Käferschnecke Ferreiraella populi wurde im Rahmen einer öffentlichen Online-Aktion aus über 8.000 Vorschlägen ausgewählt.
Quelle: Senckenberg

Eine eisenhaltige Raspelzunge, ein winziger Schwanz und acht Schalenplatten zum Schutz des weichen Körpers, an dessen hinterem Ende Würmer leben, die sich von den Exkrementen der Molluske ernähren: So hat der US-amerikanische Wissenschafts-YouTuber „Ze Frank“ in einem Video auf seinem Kanal „True Facts“ die neu entdeckte Käferschnecke aus der Gattung Ferreiraella vorgestellt. Eine Woche lang konnte das Internet-Publikum Ende Januar in den Kommentaren zum Video einen wissenschaftlichen Namen für die neue Art vorschlagen, die in beeindruckenden 5.500 Metern Meerestiefe auf herabgesunkenem Holz lebt.


Im Rahmen der Social-Media-Aktion in Kooperation mit der Senckenberg Ocean Species Alliance (SOSA) und dem Verlag Pensoft Publishers kamen so über 8.000 kreative Namensvorschläge zusammen. Das Forschungsteam, das die im Jahr 2024 im nordwestpazifischen Izu–Ogasawara-Graben gefundene Käferschnecke erstmals beschrieben hat, wählte dann den finalen Namen aus.

„Wir haben der Käferschnecke den wissenschaftlichen Namen Ferreiraella populi gegeben, um das Gemeinschaftserlebnis der öffentlichen Namenssuche zu feiern“, erklärt Prof. Dr. Julia Sigwart, Co-Leiterin der Ocean Species Alliance am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt. „Das YouTube-Video wurde in wenigen Tagen über 370.000-mal aufgerufen und erhielt rund 10.000 Kommentare. Wir waren überwältigt von der Resonanz und der riesigen Zahl kreativer Namensvorschläge. In der engeren Auswahl war zum Beispiel auch Ferreiraella ohmu, in Anlehnung an ein käferschneckenähnliches Wesen aus einem Film des japanischen Zeichentrickstudios ‚Ghibli‘ und damit gleichzeitig eine Referenz an den Fundort Japan.“

Benennung nach wissenschaftlichen Standards

Die via Social Media beförderte Benennung der Käferschnecke entspricht gleichzeitig etablierten wissenschaftlichen Standards: Jede in der Natur neu gefundene Art erhält im Rahmen der taxonomischen Erstbeschreibung einen wissenschaftlichen Namen. Dieser folgt dem binären Nomenklaturprinzip von Carl von Linné und besteht aus zwei Teilen: dem Gattungsnamen (erster Teil, großgeschrieben, kursiv) und dem Art-Epitheton (zweiter Teil, kleingeschrieben, kursiv). Den Namen vergibt der oder die Erstbeschreiber*in in einer wissenschaftlichen Publikation unter Einhaltung internationaler Codes wie ICZN (Zoologie) oder ICN (Botanik). Der Name muss neuartig, eindeutig und latinisiert sein. Epitheta werden oft aus Merkmalen wie Farbe oder Größe abgeleitet, aber auch von Fundorten, der Mythologie oder von Personennamen – etwa, um eine bestimmte Person zu ehren.

Die Tiefsee-Käferschnecke Ferreiraella populi

Die neue Tiefsee-Käferschnecke Ferreiraella populi gehört zu einer seltenen und spezialisierten Gruppe von Weichtieren, die ausschließlich auf versunkenem Holz in der Tiefsee leben.

„Die neue Art stellt eine Ergänzung zu einer bislang nur wenig erforschten Linie von Käferschnecken dar und liefert weitere Hinweise darauf, dass Holzfall-Ökosysteme in der Tiefsee hochspezialisierte und noch weitgehend unentdeckte Lebensgemeinschaften beherbergen“, erläutert Julia Sigwart.

Käferschnecken wirken optisch wie eine Mischung aus einer Schnecke und einem Käfer. Statt einer spiral- oder kegelförmigen Schale, wie sie Schnecken oder Napfschnecken besitzen, tragen sie acht separate Schalenplatten, sogenannte Valven. So können sie sich bei Gefahr zu einer schützenden Kugel zusammenrollen und flexibel an unregelmäßige Oberflächen anpassen. Käferschnecken kommen sowohl in warmen Küstengewässern und Korallenriffen als auch in der Tiefsee vor, wo sie in bis zu 7.000 Metern Tiefe unter extremen Bedingungen und in absoluter Dunkelheit leben.

„Ferreiraella populi steht beispielhaft für die überwältigende Artenvielfalt der Ozeane, die zum größten Teil noch unerforscht ist. Viele Arten sterben aus, bevor wir sie überhaupt kennen. Das betrifft besonders marine Wirbellose“, so Sigwart. „Es kann häufig zehn, wenn nicht 20 Jahre dauern, bis eine neue Art untersucht, wissenschaftlich beschrieben, benannt und publiziert ist. Mit der Senckenberg Ocean Species Alliance haben wir es uns deshalb zur Aufgabe gemacht, diese Abläufe zu vereinfachen und gleichzeitig die Öffentlichkeit für diese faszinierenden Tiere zu begeistern. Gemeinsam via Social Media einen Namen für die Käferschnecke zu finden, ist dafür eine wunderbare Gelegenheit! Ferreiraella populi ist nun zwei Jahre, nachdem sie gefunden wurde, beschrieben und hat einen wissenschaftlichen Namen. Für den Schutz der marinen Vielfalt ist das sehr wichtig, besonders angesichts der wachsenden Bedrohungen, denen sie ausgesetzt ist, wie etwa dem Tiefseebergbau.“


Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:
Prof. Dr. Julia Sigwart
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt
julia.sigwart@senckenberg.de

Originalpublikation:
SOSA, Chen C, Frank H, Kraniotis L, Nakadera Y, Schwabe E, Sigwart JD, Trautwein B, Vončina K (2026) Ocean Species Discoveries 28–30 — new species of chitons (Mollusca, Polyplacophora) and a public naming competition. Biodiversity Data Journal 14: e180491. https://doi.org/10.3897/BDJ.14.e180491


Quelle: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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