Seit 2023 fördert die Bundesregierung im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) die Stromerzeugung auf wiedervernässten Moorböden, die zuvor landwirtschaftlich genutzt und dafür entwässert wurden. Um den aktuellen Wissensstand zur sogenannten Moor-Photovoltaik (Moor-PV) zusammenzufassen, hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE gemeinsam mit dem Greifswald Moor Centrum, der Humboldt-Universität zu Berlin, dem Institut für Landwirtschaftsrecht der Georg-August-Universität Göttingen sowie der Kanzlei Becker Büttner Held Rechtsanwälte (BBH) eine neue Handreichung veröffentlicht.
Sie richtet sich an landwirtschaftliche Betriebe, Solarunternehmen, Behörden sowie weitere Interessierte und gibt einen Überblick über den Stand der Technik, rechtliche Rahmenbedingungen und bestehende Herausforderungen.
Orientierung für Planung und Betrieb
Die Handreichung beschreibt Moor-PV als die Nutzung degradierter Moorflächen zur Stromerzeugung mit Photovoltaikanlagen bei gleichzeitiger dauerhafter Wiedervernässung der Flächen. Neben technischen Grundlagen enthält sie praxisnahe Empfehlungen für Planung, Bau, Betrieb, Wartung und Rückbau entsprechender Anlagen. Darüber hinaus werden Potenziale der Technologie sowie rechtliche und technische Fragestellungen beleuchtet. Nach Angaben der Forschenden sind in Deutschland rund 70 Prozent der ursprünglich intakten Moore für die landwirtschaftliche Nutzung entwässert worden. Dadurch entstehen erhebliche Treibhausgasemissionen.
»Aktuell sind rund 70 Prozent aller ehemals intakten Moore in Deutschland für landwirtschaftliche Nutzung trockengelegt, sie verursachen knapp 7 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands«, sagt Agnes Katharina Wilke, Projektleiterin des Forschungsvorhabens MoorPower am Fraunhofer ISE.
Um die nationalen Klimaziele zu erreichen, sollen jährlich rund 50.000 Hektar degradierter Moorflächen wiedervernässt werden. Die Forschenden sehen in der Moor-PV die Möglichkeit, diese Entwicklung wirtschaftlich attraktiver zu gestalten. Zusätzliche Einnahmen aus der Stromerzeugung könnten landwirtschaftliche Betriebe und Flächeneigentümer bei der Wiedervernässung unterstützen und gleichzeitig den Flächendruck für den Ausbau der Photovoltaik verringern.

Die Handreichung für Moor-Photovoltaik gibt praxisnahe Empfehlungen für Planung, Umsetzung, Wartung und Rückbau der neuartigen Technologie. Quelle: Fraunhofer ISE
Naturschutz bleibt Voraussetzung
Die Autorinnen und Autoren betonen jedoch, dass sich die Technologie ausschließlich für bereits entwässerte und stark degradierte Moorflächen eignet. Naturschutzfachlich wertvolle Moore sollen weiterhin geschützt bleiben.
»Wichtig ist, für die Doppelnutzung aus Moorböden und Photovoltaik nur entwässerte und stark degradierte Flächen zu erschließen«, sagt PD Dr. Franziska Tanneberger, Leiterin des Greifswald Moor Centrum und Wissenschaftlerin an der Universität Greifswald: »Naturschutzfachlich wertvolle Moore und Moorböden innerhalb gesetzlicher Schutzgebiete sollten ausgenommen sein.«
Das Potenzial bleibt dennoch groß: Allein in Mecklenburg-Vorpommern stehen auf degradierten, landwirtschaftlich genutzten Moorböden ohne naturschutzrechtliche Einschränkungen mehr als 85.000 Hektar für eine solche Nutzung zur Verfügung.
Moore als Kohlenstoffspeicher
Moore bestehen aus kohlenstoffreichen Torfböden und bedecken rund fünf Prozent der Landesfläche Deutschlands. Sie kommen vor allem in der norddeutschen Tiefebene und im Alpenvorland vor. Da nahezu alle Moore entwässert wurden, sind sie häufig kaum noch als solche erkennbar. Entwässerte Moorböden verursachen heute knapp sieben Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen. Intakte Moore hingegen speichern große Mengen Kohlenstoff und können zugleich einen Beitrag zum Ausbau erneuerbarer Energien leisten.







