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Lässt sich eine Gottheit analysieren?

Der Ganges – verehrte Gottheit und heiliges Wasser – aber auch Quelle von Krankheiten. Seine Forschungs- und Aufklärungsarbeit will nun der „schwimmenden Professors“ Dr. Andreas Fath von der Hochschule Furtwangen genau dort fortführen. Prof. Dr. Andreas Fath ist weltweit für außergewöhnliche Projekte bekannt, bei denen er Extremsport mit wissenschaftlicher Forschung verbindet. Bereits mehrere tausend Kilometer hat er schwimmend zurückgelegt – unter anderem durch ganze Flüsse wie den Rhein, den Tennessee River, die Donau und die Elbe. Nun hat er in Indien ein weiteres besonderes Vorhaben realisiert: das Projekt „Blue Source Indien“.

von | 26.02.26

Prof. Dr. Andreas Fath traf am Ganges auf eine Welt voller Widersprüche.
Quelle: Shane McMillan

Eigentlich ist es wie immer: Ein hochmotivierter Professor, ein Team aus Studierenden und Mitarbeitenden seiner gemeinnützigen Organisation H2Org. Und ein Fluss, diesmal über 2600 Kilometer lang. Und doch war in Indien alles anders. Professor Fath konnte nicht, wie sonst bei seinen Forschungsprojekten, von der Quelle bis zur Mündung schwimmen und dabei Wasserproben sammeln. Der Ganges ist ein heiliger Fluss und wird als Gottheit verehrt. Und zugleich ist er eines der schmutzigsten Fließgewässer der Erde. Diese Diskrepanz machte das Forschungsprojekt zu einer ganz eigenen Herausforderung.

Glaube an Reinigungskraft des Flusses

Vor wenigen Tagen kehrte Fath mit seinem Team zurück nach Deutschland, und der allererste Satz, mit dem er diese Forschungsreise beschreibt ist: „Es war völlig verrückt“. Diesen Fluss zu erleben, die Rolle, die er im Leben von 1,5 Milliarden Menschen spielt zu spüren. Zu begreifen, wie ein Fluss gleichzeitig Lebensader, Religionsinhalt und Gefahr zugleich sein kann – die vielen Eindrücke sprudeln nur so aus dem Professor heraus. Er berichtet vom Schwimmen an einem Flussabschnitt in Varanasi, an dessen Ufer die Leichname Verstorbener verbrannt werden. Von den Abertausenden Menschen, die sich in religiösen Ritualen jeden Tag im Fluss waschen. Und von den Gebetsformeln, die er aufsagte, bei jeder Wasserprobe, die er dem heiligen Fluss entnahm. Von CleanUps mit seinem Team entlang des Ufers, bei denen sich spontan Freiwillige anschlossen. Und von einem großen Missverständnis:

„Die Bevölkerung glaubt daran, dass der Ganges Seelen reinwäscht. Und deshalb haben sie auch das größte Vertrauen, dass ihre Gottheit auch mit Plastik und Verschmutzung zurechtkommt, alles einfach fortträgt“, berichtet Fath.

Der heilige Fluss Ganges in Indien, 2600 Kilometer lang, enthält toxische Abwasser und Plastikmüll. Quelle: Shane McMillan

Professor Fath führte Gespräche mit Partnerschulen, mit Unternehmen, Wissenschaftlern, Organisationen und selbst dem Guru eines Ashrams, also eines spirtuellen Zentrums. Dazwischen immer wieder hin zum Fluss und hinein in dieses Wasser. In dem es neben giftigen Vipern – die Fath glücklicherweise nur von Land aus sah – neben dem Mikroplastik auch eine enorme bakterielle Verschmutzung gibt.

„Ich hatte Agarplatten dabei; auf dem Warmwasserboiler unserer Unterkunft haben wir die Abstriche ‚bebrütet‘ – und da war nach drei Tagen weit mehr drauf als bei allen anderen Flüssen zusammengenommen“, sagt Fath.

Kontinuierliche Aufklärung auf multimedialem Level

Aus der zufälligen Begegnung in einem Frühstücksrestaurant mit zwei Schulklassen wurde ein improvisiertes Klassenzimmer, eine Aufklärungseinheit zum Thema Gewässerschutz, die mit großen Augen und tiefster Betroffenheit aufgenommen wurde.

„Wir mussten bei allen, die wir trafen, erst das Verständnis wecken, dass wir Menschen diesem Fluss helfen müssen“, sagt Fath. Die Wertschätzung für seine Arbeit, die Aufnahmebereitschaft habe ihn gerührt, überwältigt und sehr zuversichtlich gestimmt, berichtet der engagierte Wissenschaftler. „Die Akzeptanz ist da, jetzt muss man nur anfangen“ – es klingt, als würde Fath am liebsten sofort zurückfliegen.

Stattdessen wird er sich nun erst einmal der Auswertung aller Wasserproben widmen, die Netzwerkarbeit von Deutschland aus weiter vorantreiben und mit seinem Team einen Film finalisieren, der das Projekt „Blue Source India“ in all seinen widersprüchlichen Facetten dokumentiert. Diesmal soll der Film auch in englischer und indischer Sprache produziert werden. Denn genauso ausdauernd wie beim Schwimmen ist Andreas Fath, wenn es um kontinuierliche Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit geht:

„Systemische Veränderungen muss man im Kleinen beginnen“, weiß er.

Die kleinen Fläschchen mit heiligem Wasser sollen der Beginn von etwas Großem sein.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Andreas Fath


Quelle: Hochschule Furtwangen

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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