Filter by Themen
Filter by Kategorien
Filter by Veranstaltungsschlagworte
FS Logoi

Klimawandel: Wasserkreisläufe reagieren empfindlicher als bisher angenommen

Dass der Klimawandel sich massiv auf Wasserkreisläufe auswirkt, ist bekannt. Neue Analysen von Wissenschaftler:innen der TU Wien zeigen aber, dass das Abflussverhalten vielerorts viel empfindlicher reagiert als angenommen.

von | 13.02.23

13.Februar 2023| Dass der Klimawandel sich massiv auf Wasserkreisläufe auswirkt, ist bekannt. Neue Analysen von Wissenschaftler:innen der TU Wien zeigen aber, dass das Abflussverhalten vielerorts viel empfindlicher reagiert als bisher angenommen.

Der Klimawandel verändert die globale Luftzirkulation, dadurch ändern sich in großen Teilen der Erde auch Niederschlag und Verdunstung. Das beeinflusst auch die Wassermenge in den Flüssen, die lokalgenutzt werden kann. Prognosen über derartige Auswirkungen des Klimawandels berechnete man bisher meist auf Basis physikalischer Modelle – auch das IPCC (das Intergovernmental Panel on Climate Change) wendet diese Strategie an.

Bisherige Modelle unterschätzen Sensibilität der Wasserverfügbarkeit

Neue Datenanalysen, die unter der Leitung von Prof. Günter Blöschl vom Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie der TU Wien durchgeführt wurden, zeigen nun allerdings: Bisherige Modelle unterschätzen systematisch, wie sensibel die Wasser-Verfügbarkeit auf bestimmte Klima-Parameter reagiert. Eine Analyse von Messdaten aus über 9.500 hydrologischen Einzugsgebieten aus der ganzen Welt zeigt, dass der Klimawandel in noch stärkerem Ausmaß als bisher erwartet zucvlokalen Wasser-Krisen führen kann. Die Ergebnisse wurden nun im Fachjournal „Nature Water“ publiziert.

Keine globalen Schlüsse aus lokalen Messdaten ziehen

Lokal lässt sich oft sehr gut erklären, wie die Wasserverfügbarkeit von äußeren Parametern wie Niederschlagsmenge oder Temperatur zusammenhängt – das wird an vielen Messstellen weltweit untersucht, ganz besonders ausführlich etwa in Blöschls Hydrologielabor in Petzenkirchen, wo auf 60 Hektar Fläche zahlreiche Sensoren installiert wurden. Doch globale Schlüsse kann man aus solchen Einzelbeobachtungen nicht ziehen:

„Wie der Wasserhaushalt von äußeren Parametern abhängt, ist von Ort zu Ort unterschiedlich, auch die lokale Vegetation spielt hier eine sehr wichtige Rolle“, sagt Günter Blöschl.

Ein simples physikalisches Modell zu entwickeln, mit dem man an allen Orten der Welt diese Zusammenhänge berechnen kann, ist kaum möglich.

Zusammenhang zwischen Niederschlags- und Abflussmengen

Günter Blöschl arbeitete daher mit Kolleginnen und Kollegen aus China, Australien, den USA und Saudi Arabien zusammen, um eine möglichst große Datenbank über hydrologische Einzugsgebiete aus der ganzen Welt aufzubauen und zu analysieren. Über 9.500 solche Gebiete wurden einbezogen, mit Zeitreihen, die mehrere Jahrzehnte in die Vergangenheit reichen.

„Wir stützen uns in unserer Analyse also nicht auf physikalische Modelle, sondern auf tatsächliche Messungen“, betont Günter Blöschl. „Wir sehen uns an, wie stark sich die Menge des verfügbaren Wassers in der Vergangenheit geändert hat, wenn sich äußere Bedingungen änderten. Wir können dadurch also herausfinden, wie sensitiv Änderungen von Klima-Parametern mit einer Änderung der lokalen Wasser-Verfügbarkeit zusammenhängen. Und das erlaubt uns dann auch Vorhersagen für die Zukunft, in der sich das globale Klima erwärmt haben wird.“

Und dabei zeigte sich: Der Zusammenhang von Niederschlag und Wassermenge in den Flüssen ist viel sensitiver als man bisher dachte – und somit viel sensitiver als man in den derzeit üblichen Modellen zur Vorhersage des Klimawandels annimmt. Prognosemodelle über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserversorgung müssen daher grundlegend überarbeitet werden.

„Bisher gehen in die Modelle, wie sie auch das IPCC derzeit verwendet, Abflussmessungen meist gar nicht ein“, sagt Günter Blöschl. „Mit den jetzt verfügbaren Messreihen sollte es nun möglich werden, auch die dahinterliegenden physikalischen Vorhersagemodelle entsprechend anzupassen.“

zur Originalpublikation

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Diese Landschaft findet sich an dem Fluss Oder zur polnischen Grenze in der Fürstenberger Niederung. Normalerweise ist der Fluss über die ganze Fläche ausgedehnt. Bild: Peggychoucair/Pixabay

Jetzt Newsletter abonnieren

Stoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Neu entdeckte Käferschnecke erhält Namen
Neu entdeckte Käferschnecke erhält Namen

Im Rahmen einer Social-Media-Aktion haben die Senckenberg Ocean Species Alliance, der wissenschaftliche Verlag Pensoft Publishers und der Science-YouTuber „Ze Frank“ einen Namen für eine neu entdeckte Käferschnecke aus der Gattung Ferreiraella gesucht. Aus über 8.000 in den sozialen Medien eingereichten Vorschlägen wählte das Forschungsteam, das die neue Art beschrieben hat, den Namen Ferreiraella populi aus. Der lateinische Zusatz „populi“ bedeutet wörtlich übersetzt „der Menschen“ und würdigt die gemeinschaftliche Namensfindung.

mehr lesen
DVGW-Stellungnahme zum neuen Düngegesetzentwurf
DVGW-Stellungnahme zum neuen Düngegesetzentwurf

Am 6. Februar endete die Frist für Stellungnahmen zum neuen Entwurf der Düngegesetz-Novelle. Dr. Wolf Merkel, Vorstand Wasser des DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V., erklärt dazu, dass wirksamer Grundwasserschutz ein praxistaugliches Düngegesetz mit verpflichtenden Nährstoffbilanzen und verursachergerechter Nitratregulierung braucht.

mehr lesen
Historisch niedriger Wasserstand in der Ostsee
Historisch niedriger Wasserstand in der Ostsee

Seit Anfang Januar hat eine außergewöhnlich langanhaltende Ostwindlage den mittleren Wasserstand der Ostsee auf einen historischen Tiefstand sinken lassen. Messungen am schwedischen Pegel Landsort-Norra zeigen Werte, die so niedrig sind wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1886. Forschende des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) verfolgen diese Entwicklung derzeit sehr genau, da sie eine seltene ozeanographische Ausgangssituation für einen möglichen großen Salzwassereinstrom aus der Nordsee in die Ostsee darstellt. Ein solcher Einstrom könnte die physikalischen und chemischen Bedingungen in den tiefen Becken der zentralen Ostsee deutlich verändern.

mehr lesen
Wer wird die erste „Wetland City“ Deutschlands?
Wer wird die erste „Wetland City“ Deutschlands?

Zum Welttag der Feuchtgebiete ruft der Global Nature Fund deutsche Städte und Kommunen zum Handeln auf. Dabei betont der GNF die zentrale Bedeutung von Feuchtgebieten als wertvolle Ökosysteme für Mensch und Klima. Zugleich macht er deutlich, dass jeder Einzelne aktiv zum Erhalt dieser Lebensräume beitragen kann, und fordert Städte und Kommunen dazu auf, sich als „Wetland City“ zu bewerben.

mehr lesen

Passende Firmen zum Thema:

Fränkische Rohrwerke Gebr. Kirchner GmbH & Co. KG

Thema: Wasserstress

Regenwasser-Behandlung, -Versickerung,

ENREGIS GmbH

Thema: Wasserstress

ENREGIS ist ein ausgesprochen dynamisches Unternehmen mit fachlich versierten und erfahrenen Mitarbeitern aus dem Segment des Regenwasser-Managements, der Entwässerungstechnik sowie der ökologischen regenerativen Wärmetechnik und der dazu gehörenden Dienstleistungen. Im Vertrieb und in der Beratung

Sie möchten die gwf Wasser + Abwasser testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die gwf Wasser + Abwasser kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03