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Grönlands größter Gletscher schmilzt schneller denn je

Zahlreiche Messinstrumente im Nordosten Grönlands und Flugzeug-Daten zeigen, wie viel Eis der 79° N-Gletscher verliert. Die Dicke des Gletschers nahm seit 1998 um mehr als 160 Meter ab, ergeben langjährige Messungen unter Leitung des AWI, die im Rahmen der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekte GROCE und GROCE-2 erhoben wurden.

von | 18.12.24

Schmelzwasser sammelt sich auf dem 79° N Gletscher in Flüssen.
Quelle: Ole Zeising
Gletscher

Ein rustikales Zeltlager im Nordosten Grönlands war eine der Basen, um per Helikopter autonome Messgeräte mit moderner Radartechnologie in einen schwer zugänglichen Teil am 79° N-Gletscher auszubringen. Auch Messflüge mit den Polarflugzeugen des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und Satellitendaten flossen in eine wissenschaftliche Studie ein, die jetzt in der Fachzeitschrift The Cryosphere erschienen ist. Diese Studie befasst sich mit der Frage, wie sich die Klimaerwärmung auf die Stabilität einer schwimmenden Eiszunge auswirkt. Dies ist für die verbliebenen Schelfeise in Grönland ebenso wie für die in der Antarktis von großer Relevanz, da eine Instabilität des Schelfeises meist eine Beschleunigung des Schmelzens zur Folge hat, was zu einem stärkeren Anstieg des Meeresspiegels führen würde.

„Seit dem Jahr 2016 haben wir auf dem 79° N-Gletscher mit autonomen Instrumenten Radarmessungen durchgeführt, aus denen wir Schmelz- bzw. Ausdünnraten bestimmen können“, sagt AWI-Glaziologe Dr. Ole Zeising, Erstautor der Publikation. „Zusätzlich haben wir Flugzeugradar-Daten aus 1998, 2018 und 2021 verwendet. Wir konnten messen, dass sich der 79° N-Gletscher in den letzten Jahrzehnten unter dem Einfluss der Klimaerwärmung stark verändert hat.“

Wie schnell schmilzt der Gletscher?

Die Studie zeigt, wie sich die Kombination aus einem warmen Ozeanstrom und einer sich erwärmenden Atmosphäre auf die schwimmende Eiszunge des 79° N-Gletschers in Nordost Grönland auswirkt. Erst kürzlich hatte ein Ozeanographie-Team vom AWI dazu eine Modellierung veröffentlicht. Der jetzt vorgestellte, einzigartige Datensatz aus Beobachtungen belegt, dass extrem hohe Schmelzraten auf großer Fläche nahe dem Übergang zum Inlandeis auftreten. Außerdem entstehen große Kanäle an der Eisunterseite, die sich von der Landseite bilden, wahrscheinlich weil das Wasser riesiger Seen durch das Gletschereis abfließt. Beide Prozesse führten zu einer starken Ausdünnung des Gletschers in den letzten Jahrzehnten.

Durch extreme Schmelzraten ist das Eis der schwimmenden Gletscherzunge insbesondere ab der Linie, wo das Eis am Boden aufsitzt, seit 1998 um ein Drittel dünner geworden. Zusätzlich hat sich ein 500 Meter hoher Kanal an der Eisunterseite ausgebildet, der sich in Richtung des Inlands ausbreitet. Diese Veränderungen führen die Forschenden auf warme Meeresströmungen einer Kaverne unterhalb der Gletscherzunge und auf den Ausstrom von Oberflächenschmelzwasser in Folge des Temperaturanstiegs zurück. Eine überraschende Erkenntnis war, dass seit dem Jahr 2018 die Schmelzraten abgenommen haben. Mögliche Ursache dafür sei ein kälterer Ozeaneinstrom. „Dass dieses System auf so kurzen Zeitskalen reagiert ist für eigentlich träge Systeme wie Gletscher erstaunlich“, ordnet Prof. Dr. Angelika Humbert ein, die ebenfalls an der Studie beteiligt ist.

„Wir erwarten, dass diese schwimmende Gletscherzunge in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten zerbricht“, erläutert die AWI-Glaziologin. „Wir haben begonnen, diesen Prozess im Detail zu untersuchen, um maximalen Erkenntnisgewinn aus dem Ablauf des Prozesses zu gewinnen. Obwohl bereits einige solche Desintegrationen von Schelfeisen stattgefunden haben, konnten wir bisher immer nur anschließend Datensätze erheben. Jetzt konnten wir schon vor dem Kollaps eine richtig gute Datenbasis aufgebauen.“

Originalpublikation:
Zeising, O., Neckel, N., Dörr, N., Helm, V., Steinhage, D., Timmermann, R., and Humbert, A.: Extreme melting at Greenland’s largest floating ice tongue, The Cryosphere, 2024. DOI: 10.5194/tc-18-1333-2024


Quelle: FONA

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