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Globale Wasserkrise: Neue Studie zeigt steigenden Wasserstress

Steigende Wasserknappheit und zunehmende Extremereignisse stellen die globale Wasserversorgung vor große Herausforderungen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass der Klimawandel die Verfügbarkeit und Qualität von Wasserressourcen erheblich beeinflusst – mit regional stark unterschiedlichen Auswirkungen. Experten fordern nachhaltige Strategien und bessere Daten, um die Versorgung langfristig zu sichern.

von | 14.03.25

Weltweit erfüllen nur 56 Prozent der Gewässer die allgemeinen Qualitätsstandards, die sich unter anderem an Sauerstoffgehalt, Salzkonzentration, Stickstoff- und Phosphorgehalt sowie dem pH-Wert orientieren.
Quelle:Pixabay/ Tom_Focus

Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung hat den aktuellen Zustand der weltweiten Wasserressourcen untersucht. Die kürzlich  veröffentlichte Studie „The Status of Global Freshwater Resources“ bildet eine wichtige Grundlage für wirtschafts- und innovationspolitische Maßnahmen zur Sicherung der Wasserversorgung der Zukunft. In Auftrag gegeben wurde die Studie von der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) für deren Jahresgutachten 2025, das heute an Bundeskanzler Olaf Scholz überreicht wurde. Ein zentrales Thema des Gutachtens ist die Innovationskraft in der Wasserwirtschaft.

Steigende Herausforderungen durch Klimawandel und gesellschaftliche Nutzung

Die weltweiten Wasserressourcen geraten zunehmend unter Druck. Der Klimawandel intensiviert den globalen Wasserkreislauf, wodurch extreme Wetterereignisse wie Dürren und Hochwasser häufiger und intensiver werden. Gleichzeitig verändern sich gesellschaftliche Muster der Wassernutzung, was zu wachsenden Konflikten um die knappe Ressource führt. In diesem Zusammenhang wird die Sicherstellung einer stabilen Wasserversorgung zu einer der größten Herausforderungen der Zukunft.

„Um effektive Anpassungsstrategien an die kommenden Veränderungen im Wasserhaushalt zu entwickeln, ist eine detaillierte Bestandsaufnahme der verfügbaren Wasserressourcen notwendig – sowohl auf globaler als auch auf regionaler Ebene“, erklärt Robert Lütkemeier, Leiter des Forschungsfelds Wasser und Landnutzung am ISOE. „Nur wenn wir den Wasserbedarf, die verfügbaren Mengen und die Qualität der Wasserressourcen genau kennen, können wirtschafts- und innovationspolitische Maßnahmen wirksam umgesetzt werden.“

Unterschiedliche Stresslevel: Wasserverfügbarkeit variiert global

Im Rahmen der Schwerpunktstudie „Innovationen in der Wasserwirtschaft“ des EFI-Gutachtens haben Robert Lütkemeier und sein Co-Autor Ahmad Awad die aktuelle wissenschaftliche Datenlage zur Verfügbarkeit von Wasserressourcen analysiert. Dazu wurden Beobachtungsdaten von Plattformen wie FAO Aquastat und EUROSTAT sowie Modelldaten aus dem Inter-Sectoral Impact Model Intercomparison Project (ISIMIP) herangezogen, die Rückschlüsse auf vergangene, gegenwärtige und zukünftige Wasserverfügbarkeiten zulassen. Zusätzlich simulierte das Forschungsteam die erwarteten Wasserentnahmen der Zukunft und setzte diese in Relation zu den erneuerbaren Wasserressourcen.

„Aufgrund begrenzter Beobachtungsdaten und potenzieller sozioökonomischer Veränderungen sind Vorhersagen zur Wasserverfügbarkeit stets mit Unsicherheiten behaftet“, betont Lütkemeier.

Dennoch zeigen die Ergebnisse der ISOE-Studie deutliche Tendenzen: Während in trockenen und subtropischen Regionen – wie dem Mittelmeerraum – mit einem Rückgang der erneuerbaren Wasserressourcen zu rechnen ist, wird in feuchteren gemäßigten Breiten und Monsungebieten eine Zunahme erwartet.

„Global betrachtet wird der Wasserstress in den kommenden Jahren weiter zunehmen, doch die Auswirkungen unterscheiden sich stark von Region zu Region“, erklärt Lütkemeier. „In Deutschland konnten verringerte Wasserentnahmen im Energiesektor das allgemeine Wasserstressniveau senken, doch auch hier bestehen weiterhin regionale Risiken für die Wasserversorgung.“

Besonders Extremereignisse wie Dürren und Überschwemmungen, die durch den Klimawandel verstärkt werden, bleiben eine große Herausforderung.

Weltweit problematische Wasserqualität

Ein weiteres zentrales Thema der Studie ist die Qualität der Wasserressourcen. Hierzu werteten die ISOE-Forscher Indikatoren aus dem Monitoringprogramm der Sustainable Development Goals sowie Daten der EU-Wasserrahmenrichtlinie aus. Die Analyse zeigt erhebliche Unterschiede in der Wasserqualität zwischen verschiedenen Regionen: Weltweit erfüllen nur 56 Prozent der Gewässer die allgemeinen Qualitätsstandards, die sich unter anderem an Sauerstoffgehalt, Salzkonzentration, Stickstoff- und Phosphorgehalt sowie dem pH-Wert orientieren.

„Überraschenderweise befinden sich viele Gewässer mit schlechter Wasserqualität im Globalen Norden, obwohl dort modernere Abwasserreinigungstechniken verfügbar sind“, stellt Lütkemeier fest.

So zeigen die – teils lückenhaften – Daten beispielsweise eine relativ gute Wasserqualität für Subsahara-Afrika.In Deutschland hingegen sind viele Gewässer trotz Fortschritten im Umweltschutz weiterhin stark belastet.

 „Nur neun Prozent der Oberflächengewässer erreichen gute ökologische Standards“, erklärt Lütkemeier. „Zusätzlich ist das Grundwasser in vielen Regionen durch Nitrate und Pestizide verunreinigt, was sowohl die Trinkwasserversorgung als auch die Ökosysteme gefährdet.“

Nachhaltige Strategien für die Wasserbewirtschaftung

Angesichts der wachsenden Herausforderungen betonen die Studienautoren die Notwendigkeit integrierter und flexibler Wasserbewirtschaftungsstrategien. „Der verantwortungsvolle Umgang mit Wasserressourcen muss höchste Priorität haben“, fordert Lütkemeier. „Dazu gehört die Berücksichtigung der Auswirkungen des Klimawandels, der sozioökonomischen Entwicklungen und der Umweltverschmutzung.“

Ein entscheidender Faktor sei die enge Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Interessengruppen und Unternehmen. Nur durch langfristige und effektive Maßnahmen könne der Schutz der Wasserressourcen gewährleistet werden. Neben technologischen Lösungen sind auch organisatorische und soziale Innovationen erforderlich, um eine nachhaltige Wasserversorgung für kommende Generationen sicherzustellen.

Zudem sei es essenziell, die Qualität und Verfügbarkeit wissenschaftlicher Daten weiter zu verbessern.

„Politische Entscheidungsträger, Behörden und die Wirtschaft benötigen verlässliche Prognosen, um fundierte Maßnahmen treffen zu können“, so Lütkemeier.

Besonders in Regionen, die bereits heute mit Wasserknappheit kämpfen, könnte ein Mangel an belastbaren Daten fatale Folgen für die Wasserversorgung haben.


Originalpublikation: https://www.e-fi.de/fileadmin/Assets/Studien/2025/StuDIS_08_2025_.pdf

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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