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Globale Kipppunkte: 2-Grad-Grenze entscheidend fürs Erdklima

Die globale Herausforderung, die Erwärmung unter 2°C zu halten und anschließend so schnell wie möglich wieder unter 1,5°C zu senken, verringert das Risiko Kipppunkte im Erdsystem auszulösen. Allerdings müssten die Temperaturen langfristig sogar auf etwa 1°C über dem vorindustriellen Niveau stabilisiert werden. Dies schlussfolgerte ein internationales Forschungsteam vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), der Universität Exeter, und dem Zentrum für internationale Klimaforschung (CICERO) in einer jetzt veröffentlichten Studie.

von | 10.03.26

Korallenriffe reagieren empfindlich auf erhöhte Wassertemperaturen. Tote Korallen in Ogasawara.
Quelle: Adobe Stock/shota

Ein Kipppunkt beschreibt einen kritischen Schwellenwert, bei dessen Überschreiten ein bis dahin relativ stabiles Teilsystem der Erde kippen kann. Bereits eine vergleichsweise kleine Veränderung der Umweltfaktoren kann dann eine tiefgreifende, sich selbst verstärkende Änderung in diesem Systems auslösen, die zudem irreversibel sein kann. Zu diesen Teilsystemen der Erde gehören unter anderem die tropischen Korallenriffe, der Amazonas-Regenwald sowie der Permafrostboden und die großen Eisschilde auf Grönland und der Antarktis.

Bis zu acht Kipppunkte könnten bereits bei einer Erwärmung von weniger als 2°C erreicht werden, so die Autorinnen und Autoren. Die Studie baut auf einem Kapitel des auf der Weltklimakonferenz COP30 in Belém, Brasilien, vorgestellten „Global Tipping Points Report“ auf.

„Es ist besorgniserregend, dass selbst eine geringe Überschreitung des 1,5°C-Limits bis zu fünf Kipppunkte des Erdsystems auslösen könnte zumal es inzwischen nahezu unvermeidlich ist, dass die globale Erwärmung Ende der 2020er oder in den 2030er Jahren die 1,5°C überschreiten wird“, sagt Co-Leitautor der Studie, Nico Wunderling vom PIK und von der Goethe-Universität Frankfurt.

Manche Teilsysteme reagieren besonders sensibel auf Überschreiten der 1,5°C-Grenze

„Die Kipppunkte für mehrere Teilsysteme der Erde könnten somit zumindest vorübergehend überschritten werden“, so Co-Leitautor Dr. Paul Ritchie vom Global Systems Institute an der Universität Exeter. „Allerdings tritt der Kippeffekt nicht zwangsläufig sofort nach Überschreiten der 1,5°C ein. Wenn es gelingt, das maximale Ausmaß der Erwärmung begrenzen und die Dauer des Überschreitens kurz zu halten, könnte ein Kippen noch vermieden werden.“

Ritchie erklärt, dass einige Systeme – etwa tropische Korallenriffe – sehr schnell auf höhere Temperaturen reagieren und daher besonders anfällig sind, selbst wenn die 1,5°C nur kurzzeitig überschritten werden. Im Gegensatz dazu können potenzielle Kipppunkte mit langsameren Reaktionszeiten weniger empfindlich auf vorübergehende Überschreitungen reagieren.

„Es ist entscheidend, den Höchstwert dieses Überschreitens der 1,5°C-Marke zu begrenzen. Aber die Dauer dieses ‚Overshoots‘ möglichst kurz zu halten, ist sogar noch wichtiger“, fasst Norman Steinert, Co-Autor von CICERO zusammen. „Denn je höher dieser Höchstwert der globalen Erwärmung, desto schwerer lassen sich die Temperaturen wieder unter die kritischen Werte absenken und desto länger ist der ‚Overshoot‘.“


Originalpublikation
Ritchie, Paul D. L., Steinert, Norman J., Abrams, Jesse F., Alkhayuon, Hassan, Arnscheidt, Constantin W., Bochow, Nils, Chapman, Ruth R., Clarke, Joseph, Dennis, Donovan P., Donges, Jonathan F., Flores, Bernardo M., Garbe, Julius, Högner, Annika, Huntingford, Chris, Lenton, Timothy M., Lohmann, Johannes, Lux-Gottschalk, Kerstin, Milkoreit, Manjana, Möller, Tessa, Pearce-Kelly, Paul, Pereira, Laura, Quinn, Courtney, Schleussner, Carl-Friedrich, Stuenzi, Simone M., Swingedouw, Didier, Van der Laan, Larissa N., Zickfeld, Kirsten, Wunderling, Nico (2026): The implications of overshooting 1.5°C on Earth system tipping elements—a review. Environmental Research Letters. [DOI: 10.1088/1748-9326/ae3cad]


Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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