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Gezeiten als Wegweiser: Wie Aal-Larven das Mittelmeer erreichen

Neue Forschungen enthüllen, wie die Larven des Aals die Kraft der Gezeiten nutzen, um ihre Reise ins Mittelmeer erfolgreich zu meistern.

von | 13.01.25

Die Studie wurde an Bord des deutschen Forschungsschiffs Meteor durchgeführt.
Quelle: Thünen-Institut/Marko Freese

Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) ist eine vom Aussterben bedrohte Tierart, deren Lebenszyklus eine außergewöhnliche Wanderung umfasst. Die Larven des Aals legen eine beeindruckende Strecke von der Sargassosee bis nach Europa zurück. Forschende des Thünen-Instituts für Fischereiökologie haben nun erstmals aufgezeigt, wie die Larven die Strömungsmuster in der Straße von Gibraltar nutzen, um den Übergang vom Atlantik ins Mittelmeer zu bewältigen.

Gezeiten als treibende Kraft

Die Weidenblattlarven des Europäischen Aals nutzen gezielt die komplexen Gezeitenströmungen in der Meerenge von Gibraltar, um ihre Reise ins Mittelmeer zu meistern. Die Untersuchungen, die an Bord des deutschen Forschungsschiffs Meteor unter der Leitung von Prof. Dr. Reinhold Hanel durchgeführt wurden, zeigen, dass die Larven nachts in die oberen Wasserschichten aufsteigen.

Dort profitieren sie von ostwärts gerichteten Strömungen während der auflaufenden Gezeiten. Diese „perfekte Welle“ transportiert die kleinen Larven, die nur wenige Zentimeter groß sind, durch die 13 Kilometer breite Meerenge zwischen Europa und Afrika.

 

Weidenblattlarven des Europäischen Aals. Bildquelle: Thünen-Institut/Marko Freese

Dynamik von Tag und Nacht

Tagsüber wandern die Larven in tiefere Wasserschichten, wo westwärts gerichtetes Tiefenwasser aus dem Mittelmeer in den Atlantik strömt. Diese Dynamik verhindert, dass die Larven während des Tages die Meerenge überqueren können.

„Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass der Zeitpunkt und die Dynamik der Strömungen entscheidend für die Larvenmigration sind“, erläutert Dr. Marko Freese, Hauptautor der Studie.

 

Das Mittelmeer und seine Zuflüsse sind bedeutende, jedoch wenig erforschte Aufwuchshabitate für den Europäischen Aal, der als stark gefährdet gilt. Die neuen Erkenntnisse tragen dazu bei, die komplexen Lebenszyklen dieser bedrohten Art besser zu verstehen. Sie unterstreichen zudem die zentrale Rolle der Straße von Gibraltar als „Nadelöhr“ für die Verbreitung des Aals und betonen die Bedeutung der Gezeitenkräfte für seine Migration.


Originalpublikation: Details on the transport of European eel larvae through the Strait of Gibraltar into the Mediterranean Sea | Scientific Reports

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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