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Forschende rekonstruieren Pompejis Wasserversorgung

Wie kam das Wasser nach Pompeji – und wie hygienisch waren die berühmten römischen Bäder wirklich? Ein Team der Johannes Gutenberg-Universität Mainz hat anhand von Kalkablagerungen das antike Wasserversorgungssystem rekonstruiert und dabei Hinweise auf mineralisiertes, teils verunreinigtes Badewasser gefunden.

von | 20.01.26

Becken der ältesten öffentlichen Badeanlagen Pompejis aus der Zeit 130 vor Christus.
Quelle: ©Cees Passchier

Die Stadt Pompeji wurde 79 n. Chr. durch den Ausbruch des Vesuvs verschüttet. Forschende der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) haben nun anhand von Kalkablagerungen das Wasserversorgungssystem der Stadt rekonstruiert – insbesondere den Übergang von Brunnen zu einem Aquädukt. Die Ergebnisse sind gestern im Fachmagazin PNAS veröffentlicht worden.

„Die Thermen wurden ursprünglich über tiefe Brunnen samt Hebevorrichtungen versorgt, und die hygienischen Bedingungen darin waren alles andere als ideal“, sagt Dr. Gül Sürmelihindi vom Institut für Geowissenschaften der JGU, Erstautorin der Publikation. „Im Laufe der Zeit wurden die Wasserhebeanlagen jedoch durch technologische Entwicklungen verbessert, bevor sie im ersten Jahrhundert nach Christus durch einen Aquädukt ersetzt wurden, der mehr Wasser lieferte und einen häufigeren Wasserwechsel zum Baden ermöglichte.“

Vulkanische Ablagerungen liefern wertvolle Informationen

Um die antike Wasserversorgung zu rekonstruieren, untersuchten Sürmelihindi und ihr Kollege Prof. Dr. Cees Passchier per Isotopenanalysen Karbonatablagerungen, die sich in verschiedenen Bereichen der städtischen Wasserinfrastruktur gebildet hatten – etwa im Aquädukt, Wassertürmen, Brunnenschächten und den Becken der öffentlichen Thermen.

„Wir fanden völlig andere Muster stabiler Isotope und Spurenelemente in den Karbonaten des Aquädukts und in denen der Brunnen“, sagt Sürmelihindi.

Anhand dieser unterschiedlichen geochemischen Eigenschaften konnte das Team die Herkunft des Badewassers bestimmen und Rückschlüsse auf das Wassermanagementsystem Pompejis sowie auf Qualitätsveränderungen des bereitgestellten Wassers ziehen. Sie entdeckten, dass die Brunnen stark mineralisiertes Grundwasser aus vulkanischen Ablagerungen anzapften, das sich nicht als Trinkwasser eignete. Dies fügt sich gut in bereits bekannte Zusammenhänge ein: Während der Herrschaft des Augustus wurde in Pompeji der Aquädukt gebaut, wodurch deutlich mehr Wasser transportiert werden konnte.

Verunreinigtes Badewasser

Karbonatproben aus den sogenannten Republikanischen Bädern in Pompeji (Quelle: © Cees Passchier)

„In den sogenannten Republikanischen Bädern – den ältesten öffentlichen Badeanlagen der Stadt, die aus vorrömischer Zeit um 130 v. Chr. stammen – konnten wir mittels Isotopenanalyse nachweisen, dass das Badewasser aus Brunnen stammte und nicht regelmäßig erneuert wurde. Daher entsprach der hygienische Zustand nicht den hohen Hygienestandards, die man üblicherweise den Römern zuschreibt. Vielmehr zeigten die Kohlenstoffisotopenverhältnisse organische Verunreinigung im Wasser“, erklärt Sürmelihindi.

Vermutlich wurde das Wasser nur einmal täglich gewechselt, was laut Sürmelihindi nicht verwunderlich wäre:

„Schließlich wurden die Bäder mit einer Wasserhebemaschine versorgt, die von Sklaven über eine Art Tretrad angetrieben wurde.“

Die Forschenden fanden zudem erhöhte Konzentrationen von Blei, Zink und Kupfer in den anthropogenen Karbonatablagerungen – also den durch die Badegäste verursachten – was auf eine Schwermetallbelastung des Badewassers hindeutet. Dies lässt vermuten, dass Kessel und Wasserleitungen ausgetauscht wurden, wodurch die Schwermetallkonzentrationen anstiegen. Der Anstieg der stabilen Sauerstoffisotope zeigt zudem, dass die Becken in den Republikanischen Bädern nach der Sanierung wärmeres Wasser hatten.

Hinweis auf vulkanische Aktivitäten aufgrund ungewöhnlicher, periodischen Mustern

Zudem entdeckten die Forschenden eigentümliche, zyklische Muster im Kohlenstoffisotopenverhältnis von Karbonat aus den Brunnen. Laut Passchier könnte eine mögliche Ursache in der schwankenden Menge an vulkanischem Kohlendioxid im Grundwasser liegen – diese Zyklizität könnte somit Aufschluss über die Aktivität des Vesuvs lange vor dem Ausbruch im Jahr 79 n. Chr. geben.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Gül Sürmelihindi
Institut für Geowissenschaften
E-Mail: surmelih@uni-mainz.de

Originalpublikation:
G. Sürmelihindi et al., Seeing Roman life through water: Exploring Pompeii’s public baths via carbonate deposits, PNAS, 12. Januar 2026,
DOI: 10.1073/pnas.2517276122,
https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2517276122


Quelle: Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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