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Findet Nanoplastik tatsächlich den Weg vom Seewasser in die Trinkwasserleitungen?

Das wollten Schweizer Forschende herausfinden. Das Ergebnis: Die biologisch aktiven, langsam durchströmten Sandfilter der Seewasseraufbereitung würden Nanoplastik sehr effizient aus dem Rohwasser entfernen − das zeigte sich sowohl im Labor, als auch in größeren, realitätsnahen Versuchen und Modellierungen. Die Studiendaten wurden in der Zeitschrift Journal of Hazardous Materials publiziert.

von | 21.06.22

21. Juni 2022 | Das wollten Schweizer Forschende herausfinden. Das Ergebnis: Die biologisch aktiven, langsam durchströmten Sandfilter der Seewasseraufbereitung würden Nanoplastik sehr effizient aus dem Rohwasser entfernen − das zeigte sich sowohl im Labor als auch in größeren, realitätsnahen Versuchen und Modellierungen. Die Studiendaten wurden in der Zeitschrift Journal of Hazardous Materials publiziert.

Quelle: Eawag

Es ist ein heißes Thema, zumindest auf Social Media Plattformen: Winzige Plastikpartikel würden nicht nur im Meer und unseren Seen treiben, sondern auch im Trinkwasser, ja sogar im abgefüllten Mineralwasser, wird behauptet. Die Eawag und die Wasserversorgung Zürich wollten es genau wissen. 2019 starteten sie ein gemeinsames Projekt: Finden die Kleinsten der Kleinen, Partikel kleiner als ein Tausendstel Millimeter, tatsächlich den Weg vom Seewasser in die Trinkwasserleitungen und damit auch in Haushalte, Krankenhäuser oder Restaurants?

Zu 99,9 % zurückgehalten

Jetzt liegen die Resultate vor, und sie lassen aufatmen. Im einem Ende Mai in der Zeitschrift Journal of Hazardous Materials publizierten Bericht zeigen die Beteiligten auf: Selbst wenn sich beträchtliche Mengen an Nanoplastik im Rohwasser befänden, würden diese Partikel in den Sandfiltern der Aufbereitung sehr effizient zurückgehalten. Am effizientesten, im Bereich von 99,9m%, wurden die Nanopartikel im biologisch aktiven Langsam-Sandfilter zurückgehalten, und zwar sowohl in Laborversuchen als auch auf einer größeren Testanlage direkt bei der Wasserversorgung Zürich.

Wie Nanoplastik genau entsteht, ist immer noch wenig erforscht. „Aber die Vermutung liegt nahe, dass die Verwitterung von größeren Plastikpartikeln in der Umwelt irgendwann auch zu Nanoplastik führt“, sagt Ralf Kägi, Leiter des Eawag Partikellabors. Bereits das Identifizieren von Nanoplastikpartikeln ist jedoch alles andere als einfach. Das Team aus Forschenden von Eawag, ETH Zürich, EPFL und dem Polytechnikum Turin nutzte dazu markierte Nanoplastik-Partikel, deren Weg, respektive deren Endstation sich in der Wasseraufbereitung mit einem Massenspektrometer verfolgen lässt. Ähnlich, wie man es aus der Medizin kennt, wo Krebszellen gezielt markiert werden, um ihre allfällige Ausbreitung im menschlichen Körper überwachen zu können.

Modellierung ermöglicht Prognosen

Die experimentellen Erkenntnisse aus kleinen Laboranordnungen der Eawag und größeren Testanlagen der Wasserversorgung Zürich kombinierten die Forschenden mit komplexen theoretischen Modellrechnungen. So gelangten sie zu Vorhersagen über das Verhalten von Nanoplastik in Trinkwasseraufbereitungsanlagen. Für Wasserversorger interessant: Die Modelle weisen auch über längere Zeiträume auf eine sehr hohe Elimination von Nanoplastik hin, also zum Beispiel bei längerer Nutzungsdauer oder längeren Rückspül-Intervallen von Filtern.

Originalstudie:

Pulido-Reyes, G.; Magherini, L.; Bianco, C.; Sethi, R.; von Gunten, U.; Kaegi, R.; Mitrano, D. M. (2022) Nanoplastics removal during drinking water treatment: laboratory- and pilot-scale experiments and modeling, Journal of Hazardous Materials, 436, 129011 (13 pp.), doi:10.1016/j.jhazmat.2022.129011

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