Filter by Themen
Filter by Kategorien
Filter by Veranstaltungsschlagworte
FS Logoi

Der Klimawandel verändert die Regeln des Überlebens – Korallen liefern neue Erkenntnisse

Welche Arten sich langfristig durchsetzen, hängt stärker von den Umweltbedingungen ab als bislang angenommen. Eine internationale Studie unter Beteiligung der FAU zeigt am Beispiel von Korallen, dass selbst erfolgreiche Überlebensstrategien durch den Klimawandel an ihre Grenzen stoßen können. Die Ergebnisse liefern neue Erkenntnisse zum Verständnis von Biodiversitätskrisen und den Folgen sich verändernder Umweltbedingungen.

von | 30.06.26

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen zwei Gruppen von Korallen mit unterschiedlichen Überlebensstrategien.
Quelle: Adobestock/ 338263893

Welche Arten profitieren vom Klimawandel und welche geraten unter Druck? Eine internationale Studie unter Beteiligung der FAU zeigt, dass evolutionärer Erfolg keinen festen Regeln folgt. Am Beispiel von Korallen weisen die Forschenden nach, dass selbst erfolgreiche Lebensstrategien ihren Vorteil verlieren können, wenn sich Umweltbedingungen verändern.

Die Ergebnisse, die jetzt in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht wurden, liefern wichtige Erkenntnisse für das Verständnis heutiger Biodiversitätskrisen und der Folgen des Klimawandels.

„Unsere Analysen zeigen, dass keine Lebensweise dauerhaft überlegen ist“, sagt Prof. Wolfgang Kießling, Paläontologe an der FAU und Koautor der Studie. „Ob Arten erfolgreich sind, hängt entscheidend von den Umweltbedingungen ab. Die Erdgeschichte macht deutlich, wie stark sich die Regeln des Überlebens im Laufe der Zeit verändern können.“

Korallen als Forschungsmodell

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen zwei Gruppen von Korallen mit unterschiedlichen Überlebensstrategien. Riffbildende Korallen leben in enger Symbiose mit Algen, die Licht für ihren Stoffwechsel benötigen. Diese Partnerschaft ermöglicht ein schnelles Wachstum und den Aufbau großer Riffe, macht die Korallen jedoch zugleich abhängig von Licht und stabilen Umweltbedingungen. Die zweite Gruppe kommt ohne diese Symbiose aus und besiedelt auch größere Wassertiefen.

Mithilfe umfangreicher Fossildaten, statistischer Modellierungen und Verfahren der künstlichen Intelligenz rekonstruierten die Forschenden die Entwicklung beider Strategien über rund 500 Millionen Jahre Erdgeschichte. Die ältesten in der Studie berücksichtigten Korallen sind 470 Millionen Jahre alt. Die Auswertung zeigt, dass die heute dominierenden riffbildenden Korallen nicht zu allen Zeiten die erfolgreicheren Organismen waren. Über lange Zeiträume besaßen Korallen ohne Algensymbiose Vorteile. Erst mit dem Aufstieg moderner Steinkorallen in der Trias vor rund 245 Millionen Jahren entwickelte sich die Symbiose zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Symbiose zwischen Korallen und Algen kein grundsätzlich überlegenes Erfolgsmodell ist“, sagt Prof. Wolfgang Kießling. „Ob sie einen Vorteil bietet, hängt entscheidend von den jeweiligen Umweltbedingungen ab. Die Regeln des Überlebens haben sich im Laufe der Erdgeschichte also mehrfach verschoben.“

Lehren für den Klimawandel

Die Ergebnisse helfen auch dabei, aktuelle Entwicklungen besser einzuordnen. Symbiotische, lichtabhängige Riffkorallen reagieren besonders empfindlich auf kurzfristige Erwärmung, etwa infolge von Korallenbleichen. Nicht-symbiotische Arten in tieferen Gewässern sind gegenüber solchen Stressfaktoren weniger anfällig. Langfristig werden jedoch auch sie von steigenden Temperaturen betroffen sein und ihre Verbreitungsgebiete verändern müssen.

Die Studie verdeutlicht, dass es keine einheitliche Strategie zum Schutz von Korallen gibt. Stattdessen müssen unterschiedliche ökologische Eigenschaften und Reaktionen auf Umweltveränderungen berücksichtigt werden.


Originalpublikation: The contingent advantage of photosymbiosis in coral evolution | PNAS

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Stoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Auszeichnung für herausragende Projekte im Wasserbau
Auszeichnung für herausragende Projekte im Wasserbau

Der Bund der Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Kulturbau (BWK) führt einen Deutschen Wasserbaupreis ein. Ausgezeichnet werden künftig herausragende Ingenieurleistungen, die Nachhaltigkeit, Funktionalität und technischen Fortschritt im Wasserbau und in der Wasserwirtschaft verbinden. Der Preis wird alle zwei Jahre im Rahmen des BWK-Bundeskongresses vergeben.

mehr lesen
Aqua Urbanica 2026 in Kaiserslautern
Aqua Urbanica 2026 in Kaiserslautern

Vom 21. bis 23. September 2026 bringt die Aqua Urbanica in Kaiserslautern Fachleute aus Wissenschaft, Planung und Praxis zusammen. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Entwicklungen rund um die Stadtentwässerung, die Regenwasserbewirtschaftung sowie der Einsatz realer Messdaten zur Weiterentwicklung hydrologischer Modelle.

mehr lesen
BUND-Recherche zeigt Defizite beim Hochwasserschutz
BUND-Recherche zeigt Defizite beim Hochwasserschutz

Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal sieht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) weiterhin erhebliche Defizite beim Hochwasserschutz. Eine neue Recherche zeigt, dass Flüsse in Deutschland große Teile ihrer natürlichen Überschwemmungsflächen verloren haben und der Schwerpunkt der Investitionen nach wie vor auf technischen Schutzmaßnahmen liegt. Aus Sicht des BUND sind deutlich mehr Investitionen in die Wiederherstellung von Auen, Deichrückverlegungen und andere naturbasierte Lösungen erforderlich, um Hochwasserrisiken und die Folgen des Klimawandels wirksam zu begrenzen.

mehr lesen
OOWV treibt Ausbau der Infrastruktur weiter voran
OOWV treibt Ausbau der Infrastruktur weiter voran

Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) hat 2025 insgesamt 165 Millionen Euro in die Wasserver- und Abwasserinfrastruktur investiert – mehr als im Vorjahr. Mit dem Ausbau von Wasserwerken, Leitungen und Kläranlagen reagiert der Verband auf den steigenden Wasserbedarf, den Klimawandel und wachsende Anforderungen an eine sichere Versorgung.

mehr lesen

Passende Firmen zum Thema:

Sie möchten die gwf Wasser + Abwasser testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die gwf Wasser + Abwasser kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03