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Blau und sehr klein: neuer Oktopus auf 1800m Tiefe entdeckt

Die Galápagos-Inseln vor der Küste Ecuadors sind Heimat zahlreicher Arten, die weltweit nirgendwo sonst vorkommen. Nun kommt eine weitere hinzu: Forschende haben in der Fachzeitschrift Zootaxa eine neue Oktopusart beschrieben – einen winzigen blauen Tiefsee-Oktopus. Das faszinierende: der neu entdeckter blauer Oktopus von den Galápagos-Inseln passt in eine Handfläche.

von | 28.05.26

Der kleine blaue Oktopus Microeledone galapagensis sp. nov. auf dem sandigen Meeresboden vor den Galápagos Inseln auf 1773m Tiefe.
Quelle: © Charles Darwin Foundation

Erstmals entdeckt wurde das Tier 2015 während einer Expedition mit der E/V Nautilus, durchgeführt in Zusammenarbeit mit der Charles Darwin Foundation und der Galápagos-Nationalparkverwaltung. Mithilfe eines ferngesteuerten Unterwasserroboters untersuchte das Team den Meeresboden nahe Darwin Island. In 1.773 Metern Tiefe stieß die Kamera auf den kleinen Oktopus.

„Er ist winzig!“ – „Er ist blau!“

So reagierten die Forschenden laut Tonaufnahmen der Expedition auf den Fund. Das Tier, etwa so groß wie ein Golfball, wurde geborgen und später an der Charles-Darwin-Forschungsstation untersucht. Da unklar war, welcher Art es angehörte, wandten sich die Forschenden an die Oktopus-Expertin Janet Voight vom Field Museum in Chicago.

„Ich wusste sofort, dass es etwas ganz Besonderes war“, sagt Voight, Hauptautorin der Studie, in der die neue Art beschrieben wird. „So etwas hatte ich noch nie gesehen.“

Untersuchung ohne Beschädigung

Ventrale Betrachtung des kleinen Oktopus. (Quelle: © Charles Darwin Foundation)

Forschungsteam der Forschungsstation auf den Galápagos-Inseln konservierte den Körper des Oktopus in Alkohol und Formalin und schickte das Exemplar von den Galápagos-Inseln nach Chicago, damit Voight es im Field Museum untersuchen konnte. Der kleine Oktopus war in der Tat ein Unikat, was für die wissenschaftliche Forschung eine Herausforderung darstellte. Und weil nur ein einziges Exemplar vorlag, wollte das Forschungsteam den seltenen Fund nicht für Untersuchungen beschädigen. Stattdessen nutzten die Wissenschaftler CT-Scans, um die inneren Strukturen sichtbar zu machen. So konnten wichtige anatomische Merkmale untersucht werden, ohne das Tier aufzuschneiden.

„Wenn man eine neue Tintenfischart beschreibt, muss man alle Teile betrachten, einschließlich des Mauls, des Schnabels und der Zähne. Und um diese Dinge zu sehen, muss man das Exemplar aufschneiden. Wir hatten nur dieses eine Exemplar, also wollte ich es nicht auseinandernehmen“, sagt Voight.

Die neue Art trägt den Namen Microeledone galapagensis. Der kleine, gedrungene Tiefsee-Oktopus besitzt kurze Arme mit wenigen Saugnäpfen und weist mehrere ungewöhnliche Merkmale auf. Besonders auffällig sind seine nahezu pigmentfreie Oberseite, die dichte Färbung der inneren Mantelmuskulatur sowie anatomische Besonderheiten, die ihn von verwandten Arten unterscheiden.

Warum der Fund biologisch bedeutsam ist

Die Entdeckung ist auch wissenschaftlich relevant: Bislang galt die Familie der Megaleledonidae als ausschließlich großwüchsig und im Südlichen Ozean beheimatet. Der Fund vor den Galápagos-Inseln stellt diese Einordnung nun infrage und könnte zu einer Neubewertung der gesamten Tiergruppe führen. Die Forschenden vermuten zudem, dass die kurzen Arme und die geringe Zahl an Saugnäpfen evolutionäre Anpassungen darstellen könnten, die mehr Energie für die Fortpflanzung verfügbar machen.

Tiefsee der Galápagos bleibt voller Rätsel

Die Entdeckung zeigt, wie wenig die Tiefsee und damit die Tintenfischfauna rund um die Galápagos-Inseln bisher erforscht ist. Jede neue Art liefert wichtige Hinweise auf verborgene Ökosysteme – und darauf, warum ihr Schutz so entscheidend ist.

Entdeckungen wie diese zeigen, wie wichtig das Zusammenspiel von Wissenschaft und Naturschutz ist, um die Ozeane besser zu verstehen und Schutzgebiete wirksam zu verwalten“, sagt Lorena Sánchez, Direktorin des Galápagos-Nationalparks. „Jede neue Studie hilft, die marine Biodiversität besser zu verstehen – und unterstreicht, wie wichtig der Schutz dieser einzigartigen Ökosysteme für künftige Generationen ist.“

Die Forschungsergebnisse sind auf der Webseite der Fachzeitschrift Zootaxa als Open Access Paper zugänglich.


Quelle: Charles Darwin Foundation

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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