Filter by Themen
Filter by Kategorien
Filter by Veranstaltungsschlagworte
FS Logoi

Innovationspreis für Fraunhofer-Forscher

Ein neues Verfahren des Fraunhofer IKTS macht Reststoffe aus der Milchverarbeitung fast vollständig stofflich und energetisch nutzbar. Dafür gab es jetzt den „agra-Preis der Innovation“.

von | 30.05.17

Das Forscherteam um André Wufka hat ein Verfahren entwickelt, um Reststoffe aus der Milchverarbeitung fast vollständig stofflich und energetisch nutzbar zu machen. Die Schlempe aus der Molkeverwertung (links) wird so aufbereitet, dass trinkbares Wasser (rechts) erzeugt wird

Reststoffe aus der Molkenveredelung wurden bislang energie- und kostenintensiv entsorgt. Dabei enthalten diese Abfälle wertvolle Inhaltsstoffe. Forschern des Fraunhofer-Instituts für Keramische Technologien und Systeme IKTS gelang nun in enger Kooperation mit der Sachsenmilch Leppersdorf GmbH und der wks Technik GmbH Dresden der labortechnische Nachweis eines neuartigen Verfahrens, mit dem diese Reststoffe nahezu vollständig recycelt werden.

Wertvolle Inhaltsstoffe jetzt nutzbar

Seit einigen Jahren wird bei der Sachsenmilch Leppersdorf GmbH – einer Tochter der Unternehmensgruppe Theo Müller – aus Reststoffen der Molkenverarbeitung Bioethanol gewonnen. Nach der alkoholischen Gärung und Destillation der sogenannten Melasse bleibt neben Bio-Sprit eine Schlempe zurück, die bislang aufwendig entsorgt wurde. Deren wertvolle Inhaltsstoffe sind zum Wegwerfen viel zu schade. Bisher fehlten jedoch technische Lösungen zur weiteren Nutzung. André Wufka, Wissenschaftler des Fraunhofer IKTS, hat gemeinsam mit den Partnern aus Leppersdorf und der wks Technik GmbH eine effiziente verfahrenstechnische Lösung entwickelt, mit der die Schlempe erstmals stofflich und energetisch nahezu vollständig verwertet werden kann. Das in knapp dreijähriger Entwicklungsarbeit realisierte Verfahren wurde im Mai 2017 mit dem »agra-Preis der Innovation« in der Kategorie Ernährungswirtschaft ausgezeichnet.

Vom Reststoff zum Trinkwasser

Das Verfahren zur Verarbeitung der Schlempe ist mehrstufig aufgebaut. Organische Bestandteile werden zunächst in einem prozess- und verfahrenstechnisch optimierten Anaerob-Reaktor abgebaut und zu energiereichem Biogas konvertiert. Im Gärrest enthaltene Nährstoffe, wie Stickstoff oder für Nutzpflanzen lebenswichtiger Phosphor, können anschließend durch die nasschemische Magnesium-Ammonium-Phosphat-Fällung in einen hochwertigen und gut pflanzenverfügbaren Langzeitdünger überführt werden. Aus der Restflüssigkeit wird mit keramischen Nanofiltrationsmembranen – entwickelt am Fraunhofer IKTS – die sogenannte Klarphase herausgefiltert. Die darin verbliebenen Salze werden durch einen anschließenden Oxidationsschritt und eine Umkehrosmose-Stufe effektiv entfernt. Im Ergebnis liegt Wasser vor, das höchsten Qualitätsanforderungen nach der Trinkwasserverordnung entspricht.

Kreislauf für eine effizientere Produktion

„Die überwiegend flüssigen Bestandteile der Schlempe können mit unserem Verfahren zu nutzbarem Wasser aufbereitet werden und im Produktionsprozess als Frischwasserersatz Verwendung finden“, erläutert André Wufka. Diese Prozesskette ermöglicht die Schließung produktionsinterner Stoff- und Energiekreisläufe. Neben dem zurückgewonnenen Wasser und der Erzeugung regenerativer Energie leistet das Verfahren auch einen wichtigen Beitrag zum Recycling des wertvollen Phosphors. „Für alle Partner bedeutet dieser Preis eine Auszeichnung für die zielstrebige und erfolgreiche Zusammenarbeit und ist gleichzeitig Ansporn, den eingeschlagenen Weg auch in Zukunft weiterzugehen“, berichtet der Preisträger. Das Vorhaben wurde gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft BMEL aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
gwf Wasser|Abwasser berichtet in der aktuellen Mai-Ausgabe über das Projekt. Hier das PDF zum Download.
Noch kein Abonnent? Bestellen Sie hier ein kostenloses Probeheft!

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Stoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

ECOMONDO 2026 wird immer globaler
ECOMONDO 2026 wird immer globaler

Die Ecomondo 2026 setzt ihren internationalen Expansionskurs fort und bringt vom 3. bis 6. November Fachleute aus aller Welt in Rimini zusammen. Neue Ausstellungsbereiche und Themen wie KI, Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft prägen die 29. Ausgabe der Messe.

mehr lesen
Oder-Umweltkatastrophe: Forschende legen Handlungsempfehlungen vor
Oder-Umweltkatastrophe: Forschende legen Handlungsempfehlungen vor

Forschende haben am 15.6.2026 ihre Ergebnisse zur Oder-Umweltkatastrophe 2022 vorgestellt und Bundesumweltminister Carsten Schneider Empfehlungen übergeben. Sie raten dazu, die Salz- und Nährstoffbelastung zu senken, Auen zu revitalisieren und mehr Wasser zurückzuhalten, um die Widerstandskraft der Oder langfristig zu stärken.

mehr lesen
Praxisnah am Geschehen – 29. Anwenderforum Kleinwasserkraft
Praxisnah am Geschehen – 29. Anwenderforum Kleinwasserkraft

Das 29. Anwenderforum Kleinwasserkraft findet vom 30. September bis 1. Oktober 2026 in Brixen statt. Die Veranstaltung bietet Fachleuten aus Planung, Betrieb und Industrie eine Plattform für den Austausch über aktuelle Entwicklungen, innovative Technologien und praxisnahe Lösungen rund um die Kleinwasserkraft. Neben Fachvorträgen stehen Networking und Exkursionen zu regionalen Anlagen auf dem Programm.

mehr lesen

Passende Firmen zum Thema:

Sie möchten die gwf Wasser + Abwasser testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die gwf Wasser + Abwasser kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03