Filter by Themen
Filter by Kategorien
Filter by Veranstaltungsschlagworte
FS Logoi

Messkampagne zu hydrologischen Extremen gestartet

Um die Auswirkungen hydrologischer Extreme ganzheitlich – vom Niederschlag über den Wassereintrag in den Boden und den Abfluss bis hin zum Eintrag ins Meer – zu untersuchen, startet nun innerhalb der Helmholtz-Initiative MOSES eine Messkampagne im Müglitztal in Sachsen. Diese läuft von Mitte Mai bis Mitte Juli 2019 und wird vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) koordiniert.

von | 25.05.19

Mobile Messinfrastruktur KITcube: Mithilfe eines Autokrans wird das Niederschlagsradar im Müglitztal/Sachsen installiert (Foto: Dr. Andreas Wieser, KIT).

Ein einzelnes Starkregenereignis kann schwerwiegende Folgen für ein ganzes Flusssystem haben – von Landveränderungen durch Überflutung über Nährstoff- und Schadstofftransporte bis hin zu Veränderungen im Ökosystem. Die aktuelle MOSES-Messkampagne untersucht hydrologische Extremereignisse übergreifend von der Quelle in der Atmosphäre bis hin zur Reaktion von Biosystemen.
MOSES steht für „Modular Observation Solutions for Earth Systems“. In dieser gemeinsamen Initiative bauen insgesamt neun Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft mobile und modular einsatzfähige Beobachtungssysteme auf, um die Auswirkungen zeitlich und räumlich begrenzter dynamischer Ereignisse wie extremer Niederschlags- und Abflussereignisse auf die langfristige Entwicklung von Erd- und Umweltsystemen zu untersuchen. Die aktuelle vom KIT koordinierte Messkampagne zu hydrologischen Extremen läuft von Mitte Mai bis Mitte Juli 2019 im Müglitztal in Sachsen. In diesem Gebiet im Osterzgebirge kommt es bei bestimmten Wetterlagen zu extremen Niederschlägen und Überschwemmungen, wie bei der Flutkatastrophe 2002. Ausgelöst werden solche Extremereignisse entweder durch Tiefdruckgebiete, die verstärkt durch Staueffekte an Gebirgen kräftigen Niederschlag erzeugen, oder durch kleinräumige konvektive Niederschlagsereignisse, das heißt Gewitter, die Hochwasser in einem begrenzten Gebiet wie einem Gebirgstal mit sich bringen können.
An der aktuellen Messkampagne sind neben dem Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Department Troposphärenforschung (IMK-TRO) des KIT auch das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) aus Leipzig, das Forschungszentrum Jülich (FZJ) sowie das Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungs- Zentrum GFZ mit ihren Messsystemen beteiligt.

KIT

Das KIT setzt sein mobiles Observatorium KITcube ein. Dieses liefert Informationen über Entstehung und Entwicklung von Starkniederschlägen, Niederschlagsverteilung und Verdunstung. Zum Einsatz kommen unter anderem ein Radar zur Erfassung des Niederschlags in einem Radius von 100 km, ein Mikrowellenradiometer zur Bestimmung des atmosphärischen Temperatur- und Feuchteprofils sowie ein Lidar-System zur Erfassung des Windprofils mithilfe von Lasern. Radiosonden liefern Informationen über den Zustand der Atmosphäre bis zu einer Höhe von 18 km. Ein Netz aus Distrometern – also Messgeräten zur kontinuierlichen Überwachung der Niederschlagsintensität und Größe der Regentropfen – liefert zusätzliche Informationen über die Vorgänge im Beobachtungsgebiet.

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)

Im Fokus der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des UFZ steht die Bodenfeuchte. Sie ist eine zentrale Steuergröße für den Abfluss des Regenwassers: Ist der Boden sehr feucht oder extrem trocken, fließt das Regenwasser über die Landoberfläche ab und es kommt schneller zu Überflutungen. Um die Entwicklung der Bodenfeuchte optimal überwachen zu können, installiert das UFZ während der Messkampagne ein mobiles, drahtloses Sensornetzwerk, das Bodenfeuchte und -temperatur in verschiedenen Tiefen misst. Gegenüber klassischen Systemen zeichnet sich das Sensornetzwerk dadurch aus, dass sich die Positionierung und Verteilung der Sensoren sowie die Abtastraten genau auf die lokalen Messbedingungen abstimmen lassen. Zusätzlich zu dem fest installierten Sensornetzwerk kommt der mobile Cosmic Ray Rover mit speziell entwickelten Neutronensensoren zum Einsatz. Durch sie können die Forscher die Variation der Bodenfeuchte im Einzugsgebiet der Müglitz auch großräumig beobachten.

Forschungszentrum Jülich (FZJ)

Die Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich lassen Ballonsonden bis in 35 Kilometer Höhe steigen, um unter anderem zu ermitteln, wie sich Gewitter langfristig auf das Klima auswirken. Mit Wasserdampf-, Ozon- und Wolkeninstrumenten untersuchen sie den Spurengastransport durch das Gewitter in die obere Troposphäre – die unterste Schicht der Erdatmosphäre – oder sogar in die darüber liegende Stratosphäre.

Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungs- Zentrum GFZ

Die Forscher des GFZ ermitteln mit mobilen Messeinheiten den Einfluss des gespeicherten Wassers auf den Verlauf eines Hochwassers. Neben Cosmic Ray Sensoren zur Messung des Wassers im Oberboden und Sensoren zur Messung des oberflächennahen Grundwassers verwenden sie dabei auch sogenannte Gravimeter. Diese Geräte detektieren die Änderungen der Schwerkraft der Erde infolge sich ändernder Wassermassen im Untergrund, auch in größeren Tiefen.
Die aktuelle Messkampagne ist Teil der Aktivitäten der MOSES-Arbeitsgruppe innerhalb des Moduls „Hydrologische Extreme“ im Forschungsbereich Erde und Umwelt der Helmholtz Gemeinschaft.
Homepage von MOSES: https://www.ufz.de/moses/

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Stoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

IWA Awards 2026: Diese Wasserprojekte setzen Maßstäbe
IWA Awards 2026: Diese Wasserprojekte setzen Maßstäbe

Die International Water Association (IWA) hat in Glasgow die Gewinner der Project Innovation Awards 2026 ausgezeichnet. Aus 320 Bewerbungen aus 65 Ländern wurden 23 Projekte prämiert. Den Hauptpreis erhielt ein chinesisches Vorhaben, das Abwasserreinigung, Wasserwiederverwendung und energetische Ressourcenrückgewinnung miteinander verbindet.

mehr lesen
Meerwasser als Ressource für die Wasserstoffproduktion
Meerwasser als Ressource für die Wasserstoffproduktion

Meer- und Brackwasser könnten künftig direkt für die Wasserstoffproduktion genutzt werden und damit den Bedarf an aufwendig aufbereitetem Wasser reduzieren. Im Projekt SeaEly haben Fraunhofer-Forschende untersucht, wie sich unterschiedliche Materialien und Membranen beim Einsatz von salzhaltigem Wasser in Elektrolyseuren verhalten.

mehr lesen
Arendsee gibt 10.500 Jahre alte Holzfunde frei
Arendsee gibt 10.500 Jahre alte Holzfunde frei

Bei unterwasserarchäologischen Untersuchungen im Arendsee haben Forschende außergewöhnlich gut erhaltene, bis zu 10.500 Jahre alte Hölzer entdeckt. Die Funde könnten von bislang unbekannten Konstruktionen aus der Mittelsteinzeit stammen und neue Erkenntnisse über die Lebensweise damaliger Jäger und Sammler liefern.

mehr lesen
Ecomondo 2026: Wasserwirtschaft und resiliente Infrastrukturen
Ecomondo 2026: Wasserwirtschaft und resiliente Infrastrukturen

Vom 3. bis 6. November 2026 bringt die Ecomondo in Rimini Unternehmen, Versorger, Forschung und Politik aus der Green, Blue und Circular Economy zusammen. Für die Wasserwirtschaft stehen unter anderem Wasser- und Abwasserbehandlung, resiliente Infrastrukturen, Digitalisierung, Wasserwiederverwendung und die europäische Wasserpolitik im Mittelpunkt.

mehr lesen

Passende Firmen zum Thema:

Sie möchten die gwf Wasser + Abwasser testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die gwf Wasser + Abwasser kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03