Filter by Themen
Filter by Kategorien
Filter by Veranstaltungsschlagworte
FS Logoi

KI hilft, die Umwelt zu überwachen

Kleinstlebewesen zeigen schnell an, wenn es in ihrer Umgebung zu Veränderungen kommt. Gemeinsam mit Forschern der Universität Genf hat Prof. Dr. Thorsten Stoeck eine neue Technik entwickelt, die das Genom der Mikroben nutzt. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz kann ein Algorithmus das genetische Material von unbekannten Organismen nutzen, um Aussagen über den Zustand der Umwelt zu machen.

von | 09.01.19

Prof. Dr. Thorsten Stoeck (Bild: Koziel, TU Kaiserslautern)

Zu viel Nitrat in unseren Gewässern oder die Versauerung der Meere, die etwa Korallenriffen zu schaffen macht, sind nur zwei Beispiele, die zeigen, wie der Mensch die Umwelt verändert. Um Schäden möglichst früh entgegenzuwirken, ist es wichtig, den Zustand von Ökosystemen zu überwachen. „Kleinstlebewesen eignen sich als Indikatoren, weil sie auf solche Veränderungen sehr sensibel reagieren“, sagt Professor Dr. Thorsten Stoeck, der an der TU Kaiserslautern zur Ökologie forscht. Um sie zu identifizieren, war bislang aber Zeit und Fachwissen notwendig.
Im vergangenen Jahr hat Stoeck zusammen mit seinen Kollegen aus Genf ein Verfahren entwickelt, mit dem sie die Wasserqualität in der Nähe von norwegischen und schottischen Lachsfarmen einfacher im Blick behalten. „Wir setzen dabei auf DNA-Sequenzen der Mikroorganismen“, erläutert Stoeck. „Ihr genetisches Material ist wie ein Fingerabdruck, der nur einer Person zugeordnet werden kann. Die Ergebnisse liegen bereits nach kurzer Zeit vor.“ Die Biologen sind dabei eine Datenbank aufzubauen, in denen der genetische Fingerabdruck dieser Tierchen hinterlegt ist.
Allerdings haben die Wissenschaftler, wenn sie ihre Proben auswerten, immer noch DNA-Sequenzen, die sie keiner bisher bekannten Art zuordnen können. „Über ihre Rolle im Ökosystem wissen wir noch nichts. Daher war es schwer, sie als Indikatoren einzusetzen“, sagt Professor Stoeck.
Mit dem Team um Tristan Cordier, Erstautor der aktuellen Studie, und Professor Jan Pawlowski von der Universität Genf hat Stoeck einen Algorithmus entwickelt, der mithilfe Künstlicher Intelligenz hinzulernt. Um das Rechenverfahren mit Informationen zu füttern, haben die Biologen DNA-Proben von verschiedenen bekannten Mikroben verwendet. „Wir kennen ihre Rollen im Ökosystem und wissen, ob sie eher als Indikator für einen guten oder schlechten Zustand dienen“, so Stoeck weiter. Mit diesen Daten haben die Forscher ein Referenzsystem erstellt. „Damit hat der Algorithmus ein Vorhersagemodell entwickelt, in das auch die Sequenzdaten der unbekannten Mikroben einfließen.“
„Die Methode ermöglicht es uns, ein Ökosystem zu überwachen, ohne vorher die dort vorkommenden Mikroben-Arten zu identifizieren“, fasst Stoeck die Ergebnisse zusammen. Darüber hinaus lassen sich mit der Technik neue Arten aufspüren. Nach und nach werden die Wissenschaftler außerdem Werte von neuen Proben einfließen lassen, sodass ihr Modell verfeinert und immer genauer wird.
Die Studie ist in der Fachzeitschrift „Trends in Microbiology“ erschienen: „Embracing Environmental Genomics and Machine Learning for Routine Biomonitoring” DOI: 10.1016/j.tim.2018.10.012
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Thorsten Stoeck Fachgebiet Ökologie
Tel.: +49 631 205-2502
E-Mail: stoeck@rhrk.uni-kl.de

Quelle: https://www.uni-kl.de/no_cache/pr-marketing/news/news/kuenstliche-intelligenz-hilft-die-umwelt-zu-ueberwachen/

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Stoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Neuer Ansatz gegen Nitrat im Trinkwasser
Neuer Ansatz gegen Nitrat im Trinkwasser

Nitratdünger steigert Ernten, belastet aber das Trinkwasser. Forschende der Universität des Saarlandes und der Universität Graz entwickeln nun eine Membran, die Nitrat nicht nur filtert, sondern möglichst zu harmlosem Stickstoff umwandelt.

mehr lesen
Emschergenossenschaft investiert in Hochwasserschutz und Gewässerumbau
Emschergenossenschaft investiert in Hochwasserschutz und Gewässerumbau

Die Emschergenossenschaft treibt zentrale Projekte zur Klimafolgenanpassung im Ruhrgebiet weiter voran. Im Fokus stehen der Ausbau des Hochwasserschutzes sowie die ökologische Verbesserung von Gewässern wie dem Hörder Bach oder der Aspelflötte. Dafür plant der Wasserwirtschaftsverband jährliche Investitionen von rund 300 Millionen Euro. Aktuelle Maßnahmen reichen von der Sanierung der Emscher-Deiche bis hin zu umfangreichen Renaturierungsprojekten in Dortmund und Bottrop

mehr lesen
„Der Mensch bleibt die letzte Entscheidungsinstanz“
„Der Mensch bleibt die letzte Entscheidungsinstanz“

Die Wasserversorgung steht längst mitten im digitalen Umbruch – doch je stärker Systeme, Daten und Prozesse vernetzt werden, desto größer werden auch die Angriffsflächen. Dr.-Ing. Dirk Waider, Vorstand von Gelsenwasser, spricht im Interview über Cyberbedrohungen, Datensouveränität, die Rolle von KI als Entscheidungshilfe und die Frage, wie sich Versorgungssicherheit in einer zunehmend fragilen Welt realistisch organisieren lässt.

mehr lesen
Der Wassertwist
Der Wassertwist

Forschende der Abteilung Physikalische Chemie am Fritz-Haber-Institut und der Freien Universität Berlin machen die Anordnung von Wassermolekülen an der Grenzfläche von flüssigem Wasser zu Luft sichtbar. Ihre Erkenntnisse helfen die Chemie an der Grenzfläche besser zu verstehen, die maßgeblich durch die spezifische Anordnung der Wassermoleküle bestimmt wird. Die Studie zeigt, dass besonders ein bisher vernachlässigter Parameter von grundlegender Bedeutung ist: der Wasser-Twistwinkel.

mehr lesen
Antibiotikaresistenzen: Städtische Seen stark betroffen
Antibiotikaresistenzen: Städtische Seen stark betroffen

Ein Berliner Forschungsteam untersuchte Wasser- und Sedimentproben aus mehreren Gewässern sowie einer Kläranlage. In städtischen Proben fanden sie besonders viele Antibiotikaresistenz-Gene; am stärksten belastet waren Zu- und Abflüsse des Klärwerks. Resistente Keime traten jedoch auch in ländlichen Seen auf.

mehr lesen

Passende Firmen zum Thema:

Sie möchten die gwf Wasser + Abwasser testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die gwf Wasser + Abwasser kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03